ich mochte ihn, er* hat eine beruhigende stimme und seine* art war auch sehr entspannt. ich hatte vor einiger zeit mitbekommen, dass es im dorf einen menschen gibt, der trans* ist, sich also in seinem männlichen körper, in dem er geboren wurde, nicht wohlfühlt und sich eher wie eine frau fühlt. und als ich mich eben öfter mit dem menschen unterhielt, der jetzt gegenüber von mir in der toilette stand, habe ich mir schön öfter gedacht, dass dieser mensch wohl der besagte trans*mensch ist. der mensch hat mir erzählt er heißt J... und als ich ihm das letzte mal meinen namen verriet, meinte er, dass mein name ziemlich schön ist und dass mensch sich auch vorstellen kann so zu heißen. außerdem trug mensch eine rosa jacke und lies seine haare lang wachsen und heute in dieser klokabiene trug er auch roten lippenstift. rot ist die lieblingsfarbe hat mensch mir mal erzählt. es schockierte mich im ersten moment, dass da überhaupt ein mensch in dem zugesperrten klo war, überhaupt nicht schockiert war ich von der tatsache, dass der mensch biologisch als mann geboren wurde. ich freute mich, ich war erleichtert, als j. mich begrüßte, zwar immer noch etwas schockiert, dass ich die ruhe gestört habe. ich vermute, dass j. regelmäßig auf die damentoilette geht, sich dort einsperrt und sich einfach zeit für sich nimmt. hier kann j. frau sein. das hat mich so gefreut! und als mir j. dann einfach erzählt hat, dass er transgender ist und das mit der dorfleitung sogar abgesprochen ist und dass mensch da unterstützung kriegt, da war ich erleichtert dass wer bescheid weiß. dann zeigte er* auf den spruch an der wand: „du bist schön, so wie du bist.“ und fragte mich was das bedeutet, ob mensch sich so schön finden muss, wie mensch ist? ich erklärte ihm* wie der spruch gemeint sein könnte. j. hat mir dann erzählt, dass er* glaubt, dass es vielleicht die dorfleiterin hingeschrieben hat, weil es genau dann da stand, nachdem er* das gespräch mit ihr hatte. ich hab nichts davon gesagt, dass ich es war, hab mich aber sehr gefreut genau diesem menschen den sinn dahinter erklären zu dürfen und dass genau diese klokabine zu meiner vandalismus aktion auserkoren wurde und dass j. dort den platz gefunden hat, wo j. er* selbst sein kann. j. sagte mir auch, dass er* in 10 minuten wieder zu seiner* arbeitsstelle geht und dass ich bitte niemandem was erzählen soll. ich versicherte ihm, dass ich nichts sage und dass ich auch einen bruder habe, der trans* ist und ich sagte ihm* dass es mir so leid tut, ihn* gestört zu haben und fragte mensch ob ich ihn* umarmen darf. wir haben uns mehrmals umarmt, um uns von dem schock zu erholen und waren beide sehr erleichtert. wir verabschiedeten uns und sagten, dass wir uns hoffentlich bald wieder sehen.
ich hab mir wirklich schwer getan, diesen text ohne geschlechtsspezifische pronomen zu schrieben und mich dann entschieden dass ich männliche pronomen mit sternchen benutzen werde, denn j. hat mir gesagt, dass er* sich wie eine frau fühlt, aber trotzdem noch er (j.) ist.