Islamistischer Terror: Ein Relativierungsversuch
Heute dient mir der verlinkte Spiegel-Online Artikel eher als Aufhänger:
Natürlich kann ich verstehen, dass der jüngste Anschlag von Berlin viele Menschen erschreckt und verunsichert. (Auch wenn ich WIRKLICH nicht verstehe, was die immer wieder auftauchende Frage nach der Herkunft des Täters für eine Rolle spielt, bzw. ob er ein Flüchtling ist oder nicht)
Und natürlich ist es bitter, wenn die Illusion von Sicherheit in derartig dramatischer Weise zerschlagen wird und das es sich für Opfer und Angehörige um eine Katastrophe handelt stet hier selbstverständlich nicht zur Debatte.
Was mich verwundert, ist das sich vielfach (im Rahmen der medialen Berichterstattung) der Eindruck ergibt, es handle sich um eine Art Überschreitung des Rubikons, einen Dammbruch mit dem der islamistische Terror nun auch in Deutschland Einzug gehalten hat und hier fange ich doch an mich sehr zu wundern. Denn es gibt einen Unterschied zwischen Anteilnahme und Schockiertheit auf der einen und Hysterie auf der einen Seite und oftmals scheint mir diese Grenze sehr, sehr dünn.
Zur Erinnerung: Es gab in jüngerer Zeit bereits islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland. Das die Zahl der Opfer bislang überschaubar blieb, war wiederum größtenteils Zufall. (Wohlgemerkt ich spreche von Zufall und ausdrücklich NICHT von Glück, was in der Tat zynisch wäre)
Viel wichtiger erscheint mir in diesem Zusammenhang aber der größere Rahmen. Bei dem Versuch die „Sorgen innerhalb der Bevölkerung“ ernst zunehmen, rückt die einfache Tatsache das Europa (und auch Deutschland) schon schlimmeres und viel schlimmeres erlebt hat völlig aus dem Fokus. Völlig unabhängig von den geplanten und durchgeführten Anschlägen hat Europa zwei Weltkriege erlebt und was den letzten angeht dürften die meisten von uns sogar Angehörige haben die den Schrecken aus erster Hand erfahren haben.
Dann wären die beiden Höhepunkte des Kalten Krieges zu nennen, die ohne übertreiben zu wollen, nicht nur Deutschland oder Europa sondern die GANZE WELT gefährlich nah an den Rand des atomaren Abgrunds gebracht haben.
Wem das jetzt zu weit hergeholt erscheint, auch mit Terrorismus haben Europa und Deutschland in der Vergangenheit Erfahrungen gemacht: Ob im Baskenland, Irland, oder, wenn wir bei Deutschland bleiben wollen, im Rahmen der Auseinandersetzung mit der RAF.
Und doch ist die Welt bislang nicht untergegangen und Deutschland ist so stabil wie man es sich von einem Staat im 21. Jahrhundert eben wünschen kann. Wenn jetzt von Unsicherheit und „Gefahr“ durch islamischen Terror die Rede ist, kann ich ehrlich gesagt bei allem Verständnis nur schmunzeln. Europa (und Deutschland) stehen was den Kampf gegen den islamistischen Terrorismus angeht bestenfalls an der Seitenlinie. Das statistische Risiko durch einen Anschlag umzukommen ist lächerlich gering wenn wir den Vergleich zu Pakistan, Afghanistan, Irak, Nigeria oder einem von zehn bis zwanzig anderer Staaten ziehen, in denen die Bedrohung durch den Terror TATSÄCHLICH von elementarem, im wahrsten Sinne des Wortes existentiellem Ausmaß ist.
Wir müssen uns wohl oder übel damit abfinden, das auch für Deutschland die Regeln des 21. Jahrhunderts gelten: Und die Gefahr durch islamischen Terrorismus gehört zum 21. Jahrhundert nun mal dazu. Genau wie die Gefahr durch nukleare Auslöschung zum 20. Jahrhundert dazu gehörte. Sicherheit gibt es nicht und es KANN sie auch nicht geben. Weder unter Merkel, noch einem SPD-Kanzler, noch der AfD und nicht mal unter Onkel Adolf (nachdem sich ein Teil der Bevölkerung so verzweifelt zurückzusehnen scheint).
Es mag sein, dass manch einer der politischen Rechten am ehesten zutraut für Recht und Ordnung zu sagen (Hauptsächlich weil entsprechende Akteure nicht müde werden diese hanebüchene Behauptung wieder und wieder zu wiederholen). An diese Leute habe ich eine Frage: Wann und wo hat ein Rechtes Regime, dass sich auf Angst vor allem Fremden, Menschenverachtung und politische/gesellschaftlichen Konformismus gründet jemals zu einer Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände beigetragen? In Dresden? (Ich denke nicht)
Deutschland wird die Bedrohung durch den islamistischen Terror überleben, schon deshalb weil es völlig egal ist ob wir nun vom ISIS oder Al Qaida sprechen: Außer Gewalt haben diese Gruppen NICHT DAS GERINGSTE anzubieten; Kein tragfähiges Konzept, keinen Mehrwert, nicht mal eine konsistente politische Grundhaltung (die Interpretation des Korans von Seiten dieser Gruppen ist reine Rosinenpickerei und Verzerrung)
Und während Gewalt ein unverzichtbares Mittel zum Umsturz von Gesellschaften und ihren Konzepten darstellt, allein für sich genommen reicht sie nun mal nicht aus.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/anschlag-in-berlin-bundesanwaltschaft-geht-von-terroristischem-hintergrund-aus-a-1126797.html