15. Juni 2019
Kaum funktioniert mal alles einigermaßen, fühlt es sich gleich an wie Gegenwart
Heute reise ich mit der Bahn von Berlin nach Köln, um dort den Geburtstag eines alten Freundes mitzufeiern. In der Nähe unserer Wohnung finde ich ein Mobike-Leihfahrrad und lege damit die paar hundert Meter zur Straßenbahnhaltestelle zurück. Für die Tram zum Berliner Hauptbahnhof benötige ich kein separates Ticket, weil das im Preis meiner Bahnreise bereits inbegriffen ist. Zur Sicherheit trage ich dieses Ticket wie auch die Reservierungsbestätigung unseres Hotels ausgedruckt bei mir.
Vor dem Fahrkartenautomaten, der in der Tram hängt*, stehen die prototypischen zwei Pärchen junger Touristen. Bei der Auswahl des Tarifbereichs “AB” kann ich ihnen noch helfen, aber bei den zahlreichen Mehrtageskarten für Besucher(gruppen) muss ich passen. Einer der vier entdeckt dann den Hinweis auf die BVG-App samt QR-Code, der als Aufkleber auf dem Automaten prangt, und schafft es tatsächlich innerhalb von Minuten, die App zu installieren und darin ein passendes Ticket für alle vier zu kaufen. Jedenfalls dem Gespräch zufolge, das ich mithöre.
Ich komme relativ zeitig am Bahnhof an und warte auf dem Bahnsteig im Untergeschoss auf meinen Reisebegleiter. Ich höre dabei ein Hörbuch und rein zufällig steigt darin eine Person auch an diesem Bahnhof um. Sie empfindet das Gebäude als hässlich und das Gedränge als abstoßend. Ich blicke mich unwillkürlich kurz um und denke "so voll isses doch gar nicht."
Der Freund trifft ein und hat für uns beide Sitzplätze reserviert, die wir problemlos finden. Sie sind korrekt mit "Berlin – Köln" markiert und wir müssen niemanden verscheuchen. Ich öffne die DB Navigator App auf meinem iPhone und sehe darin direkt die heutige Reiseverbindung und die zugehörigen Tickets. Ein Komfort Check-In ist aber offenbar wegen der getrennten Buchung von Fahrt und Reservierung nicht möglich.
Zwischen Spandau und Hannover werden die Tickets kontrolliert. Der Freund, ein weiterer Fahrgast am Tisch und ich halten wortlos unsere Smartphones hin und die Zugbegleiterin scannt mit ihrem Gerät die Ticket-Codes von den Displays. Etwas gesprochen wird dann doch noch, weil zwei BahnCards vorzuzeigen sind. Der Zug hält zudem außerplanmäßig in Wolfsburg. Eine Begründung dafür wird in der zugehörigen Durchsage allerdings nicht gegeben.
Ich habe mich natürlich längst mit iPhone und Laptop ins WLAN WIFIonICE eingeloggt und kann so WhatsApps und SMS mit dem Gastgeber und anderen Gästen der abendlichen Party hin- und herschicken. Das Geburtstagskind bittet mich, ihm noch in paar tanzbare Musikvorschläge in Form einer Spotify-Playlist zu schicken. Das finde ich einen schönen Zeitvertreib und mache mich umgehend ans Werk.
Ich stelle fest, dass sich Suche bei Spotify auf dem Laptop angenehmer gestaltet. Selbst wenn man Interpreten und Titel genau kennt, gibt es natürlich auch immer auch andere Titel oder Bandnamen, die ähnlich lauten und da scrollt es sich auf dem größeren Bildschirm rascher durch.
Um mehrere Minuten gestreamter Musik ruckelfrei zu hören, ist die Verbindung dann doch wieder nicht gut genug. Aber die Stücke probezuhören und ein bisschen auf passende Übergänge zu achten, falls die Playlist am Ende auf der Feier doch einfach durchläuft, klappt prima. Zum Schluss gebe ich der Liste einen lustigen Namen und sende dem Gastgeber den Link per WhatsApp.
Etwas Strom haben diese Aktionen dann doch verbraucht und so schließe ich den Laptop zum Aufladen an die Steckdose zwischen den Sitzen an und das iPhone an den Laptop.
Das gefühlt Spektakuläre am bisher geschilderten ist, dass alles so funktioniert, wie man es eigentlich erwarten würde. Auch die Klimaanlage und die Toiletten im Zug sind völlig in Ordnung und das Bordbistro hat die Getränke vorrätig, die wir ordern. Normalerweise wäre auf einer mehrstündigen Bahnreise immer mindestens ein Defekt zu erwarten.
In Köln angekommen, werfen wir einen Blick auf Google Maps und stellen fest, dass wir unser Hotel in 15 min zu Fuß erreichen können. Da wir nur leichtes Gepäck dabei haben, machen wir das auch. Freudig überrascht stelle ich fest, dass sich das Hotel im selben Gebäude befindet wie das Stammhaus der Handelskette Saturn.
Dieses war ein Wallfahrtsort meiner Jugendjahre, denn es bot eine unglaublich umfangreiche Auswahl an Schallplatten. Ich meine, sie hätten damals – also ca. 1985 – damit geworben, alle lieferbaren Platten vorrätig zu haben. So ähnlich also, wie Spotify heute.
(Virtualista)
* In Berlin gibt es Fahrkartenautomaten und diese kleinen Stempelkästen zum Entwerten der Fahrscheine auf S- und U-Bahnsteigen, aber nicht in den zugehörigen Bahnen. Bei der Tram ist es genau umgekehrt. An reinen Bushaltestellen gibt es nichts und in den Bussen nur Stempelkästen. Das ist schon viele Jahre so, also keine Ahnung, warum es die Touristen immer noch verwirrt. Die sollen mal lieber froh sein, dass man alle vier Verkehrsmittel mit demselben Ticket nutzen darf.















