101. Woche: Liebesbekundung
Meine erste Erinnerung von unserer Begegnung gilt Tsubasa, der mir Fußball schmackhaft machte, obwohl ich ein eher mittelmäßiger Spieler war. Ich würde den Ball ununterbrochen gegen den Zaun des Fußball Feldes schießen einfach nur um ein wenig das Gefühl zu haben, ich könnte irgendwann einen Tigerschuss abfeuern. Nicht selten allein.
Mann, hätte ich damals gerne ein Digimon an meiner Seite gehabt! Aber viel mehr als das hätte ich mich über meine mich begleitenden Digiritter gefreut. Freunde, mit denen ich durch dick und dünn auf Erkundungstour gehe, mit denen ich mich streite, versöhne und mit denen ich im Laufe der Zeit zusammen erwachsen werde.
Meint ihr ich hätte ein Praktikum in einer Detektei gemacht, wäre Detektiv Conan nicht gewesen? Oder mich ständig gegen die Jungs in meinem Kiez gewehrt, wäre da nicht irgendwie das Gefühl, dass ich als Kurde auch ein Außerirdischer bin, sowie Son Goku eigentlich auf der Erde?
Ich sag’s wie es ist, hätte ich die Dragonballs und einen Wunsch frei, ich hätte mich in eine dieser Welten gewünscht. Und dann erst den Weltfrieden.
Meine Eltern wussten nicht so recht, ob ich das Zeug habe auf’s Gymnasium zu gehen. Aber die Kickers, die haben immer an einander geglaubt, egal wie der Wind wehte, egal wie der Spielstand aussah. Das wollte ich auch.
Irgendwie hab’ ich es dann durch das Halbjahr geschafft, wenn auch mit ein paar Komplikationen und Auf und Ab’s, eben wie Hanni und Nanni es auf ihrem Internat schafften. Generell fiel mir auf, dass ein Held nicht ein Superman oder Batman sein muss, sondern auch eine Sailor Moon oder die Kamikaze Diebin Jeanne.
Trotzdem wollte ich mir in der Schule die Freiheit nicht nehmen lassen, Ruffy wollte nämlich auch nur das One Piece finden, weil man als König der Piraten die meisten Freiheiten hat.
Dann war ich halt auch mal Sturkopf wie Inuyasha und ich hab’s nie richtig hinbekommen meine Emotionen zu ordnen und sie den Personen mitzuteilen, für die ich etwas empfand.
Naja, aber sowie Tai, Goku und Yugi bin auch ich gewachsen und habe mich irgendwann eingefunden. Viele verabschiedeten sich nach der Schule undankbar von ihnen, darunter auch die Fernsehsender. Für mich war das nie eine Option.
Nicht zuletzt, weil es die treusten Freunde waren, die ich hatte. Ich habe ganze Nächte mit ihnen verbracht, Fairy Tail und Honey to Clover halfen mir durch meinen ersten großen Trennungsschmerz und durch meine tiefe Identitätskrise. Wenn ich unsicher war, ob ich nun wirklich das richtige studiere oder doch alles hinschmeißen sollte, war es vor allem Takemoto der meine Unsicherheiten teilte und letztlich doch eine Selbstfindungsreise unternahm. Ermutigt wechselte ich den Studiengang. Gleich zweimal. Und es gibt wohl kaum jemanden auf der Welt, der mich so zum Lachen brachte, wie Morita es schaffte.
Doch sie begleiteten mich nicht nur, sie sind es auch, die mich stetig zum Denken anregten. Was ist Gerechtigkeit? Braucht die Gesellschaft ein gewisses allmächtiges Kontrollorgan? Light mit seinem Death Note und L waren beide stets anderer Meinung. Von Psycho Pass und Steins:Gate will ich gar nicht erst anfangen.
Wenn ich sie alle aufzählen müsste verbunden mit dem, was ich ihnen verdanke, müsste ich ein Buch schreiben.
Ich liebe Animes und Mangas. Ich habe Ehrgeiz und Mut, Loyalität und Geduld, Willensstärke und Warmherzigkeit, Gerechtigkeitssinn und Optimismus lieben gelernt, weil sie Charakteren wichtig waren, in die ich verliebt war.
Wenn ich mir also aussuchen könnte, wen ich treffen würde, wäre es einer von ihnen. Weil sie es sind mit denen ich meine ersten Tränen teilte, weil ich mich bei ihnen so wohl fühle wie nirgendwo anders. Sie haben mehr von mir gesehen und gehört, als jede andere Person, die ich kenne und kannte. Mag für euch absurd klingen, für mich steht es außer Frage.
Es gibt noch viele Sparten und Räume, in denen sie sich auch weiterbilden können und sollten, es gibt viel, dass sie noch lernen können, aber wehe du sagst es wären einfach Serien. Einfach nur Geschichten oder Charaktere. Für mich sind sie Erinnerung, Freunde, Liebe, Kindheit, Jugend, Erwachsensein. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft.


















