/16/ Thinking, fast and slow/ Daniel Kahnemann
puh, unglaublich wichtiges Buch, sehr zäh zu lesen. Dachte, auf Englisch gehts etwas leichter, aber man muss da immer denken.
Wie bei Dir ists auch bei mir: Ich nutze das Wissen und versuche, mein Intuition zu überwinden. Kahnemann unterteilt System 1, das schnelle und intuitive, und System 2, das langsame und passt auf. Und System 1 arbeitet in vielen Bereichen so automatisch, dass wir uns zum Hinterfragen zwingen müssen.
What you see is all there is als Ausgangspunkt, ohne weitere Annahme, ist hilfreich. Auch viele guten Beispiele aus Studien, wie Priming und Framing uns beeinflussen, wie Denkmodelle in größerem Maßstab hilfreich sind. Wie wir in Futur³ denken können, um künftige Fehlplanungen zu vermeiden.
Die Unterscheidung zwischen Econs und Humans als rationale Nutzenmaximierer und wirkliche Menschen finde ich gut, der Schutz, den uns das Denken vor Fehlern bieten kann und das wissen um unsere Macken. Er erwähnt auch Nudge, das ich vor langem gelesen habe, und den liberalen Paternalismus, der von politischer Seite bei guten Entscheidungen helfen soll.
Lass uns nicht träge sein und hinterfragen. Ob wir die eigentliche Frage oder die leichtere beantworten, ob wir den Teilausschnitt sehen oder das Ganze, ob wir versunkene Kosten auch psychologisch da bleiben lassen, wo sie sind.
"Ultimately, a richer language is essential to the skill of constructive criticism. Much like medicine, the identification of judgment errors is a diagnostic task, which requires a precise vocabulary... labels such as "anchoring effects", narrow framing", or "excessive coherence" bring together in memory everything we know about a bias, its causes, its effects, and what can be done about it."
Viel gelernt. Rational muss ich jetzt mal ins Bettchen.
der Wälzer war jetzt nicht ganz in einer Woche zu schaffen, spricht doch aus jeder Zeile soviel Erkenntnis. Thinking, fast and slow ist definitiv zum Langsamlesen gedacht. Zuviel würde sonst unverständlich bleiben.
Wie weit beeinflusst akuter oder langfristiger Verlust unser Denken?Haben wir überhaupt ein vollständiges Bild, um di richtige Entscheidung zu treffen?Schließen wir durch automatisch ablaufende Assoziationen nicht auf viel mehr, als wir überhaupt wissen?Wie beeinflusst unsere Stimmung unser Denken und handeln?Substituieren wir nicht oft die Beantwortung einer schweren Frage mit der Beantwortung einer leichteren Frage?
Um was geht es Daniel Kahneman? Im Prinzip handelt es sich um eine Zusammenfassung seiner jahrelangen Forschungstätigkeiten: Denk- und Entscheidungsprozesse und von was dieses beeinflusst werden. Er macht uns mit System 1 und 2 vertraut, dem spontanen und dem langsamen, tiefgründigeren Denkprozess vertraut. Und stellt uns immer wieder selbst vor Entscheidungen. Dabei zeigt er auf, was wohl dafür gesorgt hat, dass wir uns vermutlich für genau diese eine Antwort entschieden haben. Denn, wenn wir etwas selbst durchspielen bleibt mehr bei uns hängen, als wenn wir es nur von Dritten hören.
Und immer wieder die Regel: what you see is all there is - WYSIATI.
Nach 100 Seiten denkt man sich, dass man bereits extrem viel über logische Denkprozesse, unterbewusste Entscheidungen und externe Beeinflussungen erfahren hat und fragt sich, womit die nächsten 300 Seiten denn noch an Erkenntnissen gefüllt sein könnten. Kahneman schafft es, trotzdem immer wieder neu Beispiele zu bringen, die unser Entscheidungsverhalten beeinflussen und die zum Teil doch sehr überraschen. Bis zum Schluss bleibt das Buch damit es sich wert es zu lesen.
Sicher ein Buch, das einem etwas Konzentration abverlangt. Aber es hilft, sich bei Entscheidungen nicht immer vom eigentlich Unwichtigen ablenken zu lassen. Ich bin gespannt, wie es in den nächsten Wochen und Monaten wirkt. Vielleicht lese ich es in einem oder zwei Jahren nochmal.
Liebe Grüße aus dem Sommer,Franzi