Februar 2014
Ich wohne beim Erzbischof und darf nur löbliche Daten laden
Für die neue Stelle ziehe ich nach Bonn um und komme erstmal sehr günstig im Collegium Albertinum unter, dem Theologenkonvikt des Erzbistums Köln. (Das Theologenkonvikt ist das Priesterseminar während des Studiums der Seminaristen, aber wenn man es Priesterseminar nennt, ruft man beleidigte Kirchenterminologienerds auf die Bühne.) Für sehr wenig Geld bekomme ich eine Unterkunft mit Rheinblick, Frühstück, wöchentlich neue Bettwäsche und Zimmerreinigung – und einen WLAN-Zugang.
Bis ich allerdings ins erzbischöfliche WLAN komme, sind einige Hürden zu überwinden, unter anderem muß ich zu den Arbeitszeiten der zuständigen Person da sein und ein Formular unterschreiben, um die Zugangsdaten zu erhalten. Die Regelungen darin sind im wesentlichen dieselben wie überall. Nur eine Klausel ist dann doch sehr hausspezifisch: »Unabhängig von rechtlichen Verboten darf Ihr Internet-Konsumverhalten der katholischen Glaubens- und Sittenlehre sowie dem Inhalt und dem Ziel der Ausbildung zum Priester der katholischen Kirche nicht widersprechen.«
Die Abwägung ist schnell gemacht, ich leiste das geforderte sacrificium intellectus und unterschreibe. Wo genau zwischen Luther und Tinder, Drewermann und Duke Nukem die Grenzen verlaufen, finde ich nicht heraus. Es hätte eh keinen Spaß gemacht: Auch gottgefällige Daten tröpfeln höchstens kilobitweise aus der Leitung.
(Felix Neumann)









