“Liebe Depression, Ich weiß du bist ein Teil von mir aber dennoch bist oft nur eine Diagnose, geschriebene Buchstaben auf Papier. Manchmal umarmst du mich von hinten, atmest tief durch und bleibst eine Weile. Dein Besuch bei mir kommt immer spontan und du bleibst, solange du möchtest. Dir sind meine Verabredungen oder Termine egal. Manchmal kommst du wirklich zu unmöglichen Zeiten! Du richtest es dir bei mir häuslich ein, bringst Unordnung in meine Wohnung und in meine Gefühle. Du lässt die Sonne den schwarzen Wolken weichen. Du nimmst mich in deinen kalten Arm und begleitest mich ein Stück. Weißt du eigentlich wie verdammt schwer du auf meinen Schultern bist? Unglaublich schwer, ich kann doch kaum stützen. Ich fange langsam an zu schwanken, ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten. Du redest jeden Abend unendlich laut, du schreist mich förmlich an. Ich kann nicht schlafen durch dich. Und jeden Morgen stellst du den Wecker auf stumm. Ich bekomme nichts mehr mit, jeden Sonnenaufgang verpasse ich weil ich wegen deinem Geschrei in der Nacht einfach nur fertig bin und mich nicht mal mehr auf meine zwei Beine aufstellen kann. Wenn ich es hinbekomme, krieche ich über den Boden. Teilweise geht mir die Kraft aus und ich bleibe liegen. Ich bleibe Minuten bis Stunden liegen und du stehst da neben und lachst mich aus. Du begleitest mich überall hin und nimmst mir die Kraft. Mit dir zusammen ist das aufräumen, laufen und Freunde treffen unmöglich. Bei jeder kleinen Freude schreist du mich von hinten an, wie ich nur ein Stück Glück empfinden kann. Ich würde dich damit kaputt machen. Nach Tagen oder Wochen räumst du langsam dein Chaos ein, ich bekomme dadurch wieder Luft zum Atmen. Langsam kommt ein Wind in mein Leben und lässt die Wolken langsam verschwinden. Du umarmst mich nochmal fest, ich muss aufpassen dass ich nicht zu Boden falle! Du grüßt mich mit den Worten: „ war schön bei dir, bis zum nächsten mal“ Liebe Depression, du musst mich nicht besuchen. In der Zeit in der du mich besuchst verliere ich den Spaß am Leben, meine Freunde, meine Aktivitäten, meine Hoffnung, meine Träume. Wenn ich nicht aufpasse auch mein Leben!”