Wellen, Schwämme, Lawinen
Paris ist das 9/11 Europas, Flüchtlinge sind wahlweise Wellen, Schwämme oder Lawinen und ein nationalsozialistischer Diktator geht sowieso immer: Vergleiche haben derzeit Hochkonjunktur – genau wie die Kritik an ihnen.
Denn die meisten Vergleiche hinken: Kann man die Anschläge von New York und Paris so nebeneinanderstellen? Die Opferzahlen liegen weit auseinander. Darf man den Zuzug von Flüchtlingen als Lawine bezeichnen? Entwürdigend, sagen manche – aber eine Welle ist in Ordnung? Wie viele Leute schon „so schlimm wie...“ gewesen sind, mag man gar nicht zählen. Wie schlimm waren sie denn dann wirklich und wen wertet man damit auf oder ab? Warum treffen diese Vergleiche alle immer ein bisschen daneben?
Schlicht: Weil das in der Natur der Sache liegt.
Bei einem Vergleich stellt man ja ganz bewusst zwei Dinge nebeneinander, die ein Stück voneinander entfernt sind – weil man sich eins von beiden nicht so recht vorstellen kann. Da aber beide Seiten des Vergleichs weit auseinanderliegen können, hinkt jeder Vergleich ein bisschen. Auf rein sprachlicher Ebene, wenn es nur um Wörter geht, ist Sprachdoktorei also meiner Ansicht nach oft etwas übertrieben.
Interessant wird es erst, wenn man hinter die Wörter guckt: Denn hinter jedem Vergleich versteckt sich eine Wertung, mehr oder weniger offen, sie ist aber immer da. Denn eine Welle zieht zwar voran, kann einen aber auch vollkommen unbehelligt lassen, während eine Lawine alles unter sich begräbt. Die Wertung ist das, was im Endeffekt immer zur Diskussion steht; Worte stehen nur auf Papier.















