RĂŒckblickend relativiert sich immer alles, sagt man. Meist ist man im Nachhinein froh, wenn Dinge endeten, sagt man auch. Doch diesmal scheint dies nicht zu funktionieren. Ich hab ein Buch gelesen, welches mir riet, dich mal mit Abstand zu betrachten. Mir vorzustellen wie du alleine bist, wie du mit Freunden bist und wie du mit Kindern wĂ€rst. Erst dachte ich, dass mir das, das was ich ĂŒber dich dachte, kaputt machen wird. Hat es nicht. Es hat das Bild, welches ich von dir hatte, fertig gezeichnet und verschönert. Ich musste auch Fragen ĂŒber dich beantworten, wobei ich realisierte, dass wir nie ĂŒber TrĂ€ume geredet haben, ich hatte keine Ahnung, was du vom Leben noch so willst. Vielleicht war die Vorstellung von uns zwei zusammen fĂŒr lange, nur in meiner Version möglich. Vielleicht hattest du andere Ideen was meine Zukunft anbelangt als ich selbst. Oder du hattest gar nicht so weit gedacht und einfach nichts gespĂŒrt.
Aber mal von ganz vorne. Ich wollte nur mal ein Bisschen MĂ€nner treffen, ohne was von ihnen zu wollen und ohne ihnen was zu geben. Die letzten zwei kamen und gingen viel zu schnell, beide mit dem Selben Punkt: "Ich fĂŒhle nichts und ich glaub du magst mich ein Bisschen mehr..sorry." Das wollte ich nicht mehr hören. Allerdings hatte ich nicht verstanden warum es ĂŒberhaupt dazu kam. Anstatt dem Grund auf den Zahn zu fĂŒhlen, entschied ich mich dazu einfach nichts mehr zu sagen. Nichts davon, was mich bewegt, nichts darĂŒber, was sich in mir regt. Einfach nichts. Und so, in diesem Zustand, lernte ich dich kennen. Wir schrieben erst nur. Nur eine Nachricht pro Tag, dafĂŒr lang und gut. Es machte Spass mit dir zu schreiben. Du hattest tolle Ideen, wie ein Atelier in einer alten Backsteingarage. So was wĂŒnschte ich mir, aber ich habs dir nicht gesagt. Ich war dann noch auf nem Festival und wir machten aus, dass wir uns mal treffen, wenn ich zurĂŒck bin. Du wolltest was verrĂŒcktes mit mir unternehmen, sagtest du. Eine Wurst am Ast grillieren zum Beispiel. SpĂ€testens ab diesem Zeitpunkt hattest du mich, aber ich habs dir nicht gesagt. Den Punkt hab ich mir noch nicht mal selber eingestanden. Ich wollte nicht. Dieses Mal wollte ich alles anders machen. Ich war kalt und abeklĂ€rt. Es lief eigentlich alles gut, eigentlich sehr gut. Aber ich hatte Angst, Angst zu glauben, dass es diesmal wahr ist. Ich hatte Angst mich zu öffnen und ich hatte Angst keine Lust auf dich zu haben. Keine Lust auf Sex mit dir. Aber ich hab dir nichts gesagt. Ich wollte nicht, dass du meine, mir selbst unerklĂ€rliche Panik spĂŒrst. Sie kam und sie ging. Manchmal blieb sie tagelang, manchmal nur einige Minuten. Ich trainierte mich selbst umzudenken, raus aus der Spirale, raus aus dem Sumpf. Ich hatte mich im Griff. Kalt und abgeklĂ€rt.
Irgendwann hattest du plötzlich viel zu tun, und statt es mir zu sagen, liesst du mich stĂ€ndig fragen ob wir uns sehen. Ich merkte, dass etwas gehen musste, ein Schritt vor oder einer zurĂŒck und ich wollte mit dir reden. Du auch mit mir. Es war aus. Da sass ich, wie versteinert und hörte den altbekannten Satz: "Ich merk, dass ich nichts fĂŒr dich empfinde und ich hab das GefĂŒhl du willst ein Bisschen mehr..."
Ich war sprachlos. Zum 3. Mal in Folge. Bei den andern zwei war ich mitlerweile froh, aber nicht bei dir. Nicht du, dich darf ich nicht verspielen.
Danach folgten lange Tage und NĂ€chte. Keine Anschuldigungen an dich, du hast alles richtig gemacht. Keine Anschuldigungen an mich selbst, ich hab viel gegeben, war unternehmenslustig und kreativ was dies anbelangt. Ich war mich selbst bei dir. Nur nicht wenn ich mit mir selbst war.
Erst Heute begreif ich warum. Erst Heute begreif ich auch meine Depression nach meinem Exfreund und die darauffolgende Flucht nach Wien. Erst Heute begreif ich, warum ich untenrum immer trockner wurde und immer weniger Lust hatte Sex zu haben. Es war mĂŒhsam und ich brach bei dir sogar mal ab, weil es einfach nicht ging. Angefangen hat das alles nach drei Monaten Beziehung mit meinem Ex. Und angefangen hat das alles eigentlich mit der Pille. Krass wie sich plötzlich alles erklĂ€rt. Es klingt wie eine doofe Ausrede aber sie bestĂ€tigt sich immer mehr. Ich war wohl oder ĂŒbel dauerschwanger. Stimmungsschwankungen vom feinsten. AngstzustĂ€nde die ich davor nie hatte. Ich erkannte mich manchmal selbst nicht mehr. Doch Heute, einige Monate nach dem Absetzen der Pille ist mir alles klar. Ich bin wie ausgewechselt, wieder mich, das fröhliche MĂ€dchen mit einem leichten Hang zur Melancholie. Und das ist nichts schlechtes, wenn man trĂ€umerisch geniesst, dass Dinge enden um Platz fĂŒr neues zu machen. Nur frag ich mich wirklich, wer noch besser passen will als du. Doch irgendwann, das weiss ich, werd ich es wissen oder dich wiedersehn und du wirst mir sagen, dass du jetzt was fĂŒhlst. Eines aber weiss ich, ich rate jeder Frau davon ab, tĂ€glich dieses kleine runde Ding zu schlucken. Denn ganz ehrlich glaub ich, ich wĂ€r anders gewesen mit und zu dir, hĂ€tte ich die nicht genommen. Man weiss es nie mit Sicherheit und doch glaube ich fest, dass man mich gar nicht hĂ€tte fĂŒhlen können.