Internationaler Tag der Pressefreiheit
Heute ist internationaler Tag der Pressefreiheit! Hoffen wir, dass irgendwann der Tag kommt, an dem alle Journalisten weltweit frei und unzensiert berichten können.
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Internationaler Tag der Pressefreiheit
Heute ist internationaler Tag der Pressefreiheit! Hoffen wir, dass irgendwann der Tag kommt, an dem alle Journalisten weltweit frei und unzensiert berichten können.
Kleine Helfer im Journalisten-Alltag
Nein, dieser Text handelt nicht von Koffein und Schokolade. Sondern von anderen kleinen Helfern im Journalisten-Alltag – von praktischen Links und Tools, die meine Arbeit vereinfachen und Texte besser machen.
1) Überblick über die Nachrichtenlage
Einen Überblick über die aktuelle Nachrichtenlage bietet der Nachrichtentisch (www.nachrichtentisch.de). Die Internetseite des Redakteurs Peter Tomuscheit greift auf die Feeds vieler Nachrichtenseiten zu und meldet pro Medium die zehn aktuellsten Schlagzeilen. Mit einem Klick auf die Schlagzeile öffnet sich der Teaser und mit einem weiteren Klick der Artikel in einem neuen Tab. Die Seite aktualisiert sich alle fünf Minuten selbst.
Welche Medien in welcher Reihenfolge auf der Startseite des Nachrichtentischs liegen, kann jeder Nutzer für sich selbst anpassen. Diese Einstellungen werden für den genutzten Computer gespeichert. Zusätzlich gibt es auf dem Nachrichtentisch fertig zusammengestellte Übersichten für verschiedene Ressorts wie Politik, Wirtschaft, Kultur, Wissen, Medien und Sport, aber auch für bestimmte Regionen in Deutschland und dem Ausland. Auf meinem personalisierten Nachrichtentisch liegen momentan HNA überregional, HNA regional, hr online, Tagesschau, Spiegel Online und Süddeutsche Zeitung. Wenn ich während der Arbeit hin und wieder einen Blick auf die Seite werfe, bin ich nicht nur (zumindest grob) auf dem aktuellen Stand, sondern entdecke auch häufig Themen, die ich für meine Redaktion mit einem anderen Dreh umsetzen kann.
2) Füllwort-Finder
Wenn ich einen Text kürzen muss und nicht wirklich weiß, wo ich anfangen soll, helfen mir zwei Tools weiter: das BlaBlaMeter und die Textanalyse der Wortliga.
Das BlaBlaMeter (www.blablameter.de) der Frankfurter Gestalterin Ilse Burisch findet in Texten, die mindestens drei bis fünf Sätze lang sein sollten und maximal 15.000 Zeichen lang sein dürfen, Füllwörter und Floskeln. Dann gibt es einen Wert zwischen 0 und 1 aus, den sogenannten Bullshit-Index: je höher, desto mehr Bullshit. Der wird beispielsweise kommentiert mit „Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf Bullshit-Deutsch“ oder „Es stinkt gewaltig nach heißer Luft! Auch wenn Sie PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sind – beim Eindruck schinden sollten Sie Ihre Aussage nicht vergessen.“ Wo genau sich die Floskeln und Füllwörter verstecken, gibt das BlaBlaMeter aber leider nicht an.
Dafür gibt es ein weiteres Tool: die kostenlose Textanalyse der Wortliga (www.wortliga.de/textanalyse), einer Münchener Agentur für Texte und Inhalte. Ein Algorithmus testet den eingegebenen Text auf Verständlichkeit, Prägnanz und Ästhetik. Zu lange Sätze und Wörter werden ebenso markiert wie Füllwörter und Phrasen, Passiv-Sätze, Modalverben, unpersönliche Sprache und Abkürzungen. Das Analyseergebnis wird außerdem als Index angegeben, der anzeigt, ob der Text insgesamt gut lesbar ist. Dieses Tool der Wortliga macht mich auf mögliche Fehler oder Stellen aufmerksam, die ich verbessern könnte – aber letztendlich muss ich immer noch selbst entscheiden, ob der Computer recht hat.
3) Facebook besser durchsuchen
Eine Geschichte soll persönlicher werden, ein Protagonist ist gesucht. Aber wie finde ich einen, wenn niemandem in der Redaktion ein passender einfällt? Facebook kann helfen. Doch über die normale Suchfunktion ist es schwierig, beispielsweise eine 50- bis 60-jährige Frau zu finden, die bei einem bestimmten Unternehmen arbeitet. Oder jemanden, der vor 30 Jahren auf eine bestimmte Schule gegangen ist. Für diese komplexeren Suchanfragen hat der dänische Journalist Øjvind Søgaard Andersen das Tool „peoplefindThor“ (www.peoplefindthor.dk) entwickelt. Dort bin ich zwar immer noch darauf angewiesen, dass die Personen die entsprechenden Informationen auf Facebook öffentlich sichtbar angegeben haben, aber häufig habe ich Glück. Verschiedene Filter können beliebig miteinander kombiniert werden und wenn ich selbst in einem zweiten Tab auf Facebook eingeloggt bin, öffnet sich eine Übersicht mit den gesuchten Personen.
4) Suchmaschine: Raus aus der Filterblase
Früher haben Journalisten auch ohne Suchmaschine gearbeitet, trotzdem bin ich sehr dankbar für die Möglichkeiten, die Google mir bietet. Aber: Google trackt mich. Wenn ich Maps öffne, weiß Google, wo ich ungefähr bin. Und wenn ich suche, weiß Google, was ich vorher jemals gesucht habe. Und zeigt mir immer mehr von dem, was ich sowieso schon weiß, weil Google denkt, dass ich das schließlich geklickt habe und sehen möchte. Nett von Google, aber dadurch entsteht eine sogenannte Filterblase. Wer weiß, was mir dadurch entgeht? Auch wenn vollständig objektives Arbeiten sowieso nicht möglich ist, möchte ich doch möglichst nah an dieses Ziel herankommen. Dabei hilft mir hin und wieder die Suchmaschine DuckDuckGo (www.duckduckgo.com) aus Pennsylvania. Sie sammelt keine persönlichen Informationen, verfolgt mich nicht und zeigt allen Nutzern die gleichen Ergebnisse zu einer Suchanfrage an. Das kann helfen, bei einer Recherche weiterzukommen.
(Anne)
Bild: Screenshot nachrichtentisch.de
Über den Tellerrand schauen: Eine Volontärin der HNA in Moskau
Keine Dienstreise, aber journalistisch und deshalb eben auch kein reiner Urlaub: So hätte ich die fünf Tage in Moskau vor meiner Abreise beschrieben. Aber der Aufenthalt war viel mehr als das: Zurückgekommen bin ich mit einer Menge Erkenntnissen und vielen neuen Kontakten zu tollen Journalisten und solchen, die es werden wollen. Aber ich fange am besten von vorne an:
Ein Kollege schickte vor einigen Monaten eine Mail rum. Darin erklärte er, was FEJS ist (Forum for European Journalism Students) und dass jedes Jahr eine General Assembly in einem anderen Land stattfindet, auf die man sich bewerben kann. 50 Leute werden genommen - nicht nur Journalismusstudenten, sondern auch Redakteure, Volontäre und freie Mitarbeiter. Moskau interessierte mich schon länger und auch das Projekt klang spannend, also bewarb ich mich. Die Chance, dass ich wirklich genommen werde, schätzte ich sehr gering ein. Umso überraschter war ich, als die Zusage kam! Aber eine Reise nach Moskau muss gut vorbereitet werden: Neben einem Reisepass braucht man ein Visum, für das unter anderem eine Auslandskrankenversicherung nachzuweisen ist. Zum Glück hatte ich alle Unterlagen, inklusive Flugbuchung, rechtzeitig beisammen und flog an einem Mittwoch im Oktober von Frankfurt aus nach Moskau.
Mit über 12 Millionen Einwohnern ist die Hauptstadt Russlands nicht gerade überschaubar. Was hinzu kommt: Die Symbole und Straßenschilder sind alle auf kyrillisch, das erschwert die Orientierung enorm. Gott sei Dank hatten mir meine Kollegen vorab einen Reiseführer geschenkt. Außerdem holte mich ein Bekannter einer Freundin, die ich noch aus Schultagen kenne, an einer Bahnstation ab und brachte mich zu der FEJS-Gruppe. Das Hostel war einfach, aber nett. Das Zimmer teilte ich mir mit zwei Holländerinnen - für mich eine ganz neue Erfahrung, eine Unterkunft mit Leuten zu teilen, die ich vorher noch nie gesehen habe. Liz und Joanne waren aber sehr offen und witzig, wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.
"FEJS ist kein billiger Urlaub", machte ein Mitglied des Sekretariats direkt klar. Tagsüber hatten wir Vorlesungen und Seminare an der journalistischen Fakultät in Moskau, die direkt neben dem Roten Platz liegt und 20 Minuten zu Fuß vom Hostel entfernt war. Es ging um journalistische Bildung und wie man diese an den europäischen Universitäten verbessern kann, aber auch um neue Online-Projekte von Moskauer Journalisten und um die Arbeit beim einem Glamour-Magazin. Abends sind wir alle zusammen essen gegangen und danach in eine Bar. Dort wurden alle Vorurteile, die man vielleicht über die russische Bevölkerung hatte, widerlegt: Die jungen Leute gehen genauso feiern wie überall sonst, trinken ein paar Bier und haben Spaß. Ein Besuch in einer Karaoke-Bar hat mich besonders überrascht: An einem Donnerstagabend waren dort viele junge Leute, die alle einen Song aussuchten, allein auf die Bühne gingen und ihn mit vollem Einsatz performten. Der Großteil konnte sogar richtig gut singen! Nichts im Vergleich zu deutschen Karaoke-Partys, bei denen der Sänger entweder schüchtern ins Mikrofon brummt, betrunken über die Bühne stolpert oder sich nur mit Freunden ins Rampenlicht traut.
Eine Erfahrung allerdings sticht ganz besonders hervor und bleibt mir sicherlich noch lange in Erinnerung: der Austausch mit anderen Journalisten aus ganz Europa. Zu erfahren, wie andere arbeiten, was sie sich von dem Job erhoffen und welche Hürden sie in ihrem Land zu meistern haben, war wirklich spannend. So merkt man, dass man mit seinen Ideen, Problemen und Fragen, die man manchmal hat, nicht allein ist. Die Kontakte, die ich an den fünf Tagen geknüpft habe, sind sehr wertvoll. Außerdem hat es mir geholfen, über den Tellerrand der eigenen Arbeit zu blicken und zu schauen, was andere Journalisten machen, wie sie Themen und Herausforderungen angehen.
So bin ich an einem Sonntagabend wieder in Frankfurt gelandet - im Gepäck eine Menge schöne Erinnerungen. Der nächste Kongress findet 2018 in Krakau statt - ich werde mich mit großer Wahrscheinlichkeit wieder bewerben.
(Lara)
Fotos: Tobias Schreiner
Arbeitstage der besonderen Art
Es gibt Arbeitstage, die sehen alle mehr oder weniger gleich aus - selbst im Journalismus. Allerdings ist der Beruf manchmal so abwechslungsreich wie kein anderer. Zum Beispiel, wenn in Kassel die documenta begonnen hat. Bunte Kunstwerke in der Stadt, verrückte Skulpturen - und vor allem viele unterschiedliche und internationale Menschen. Allein am Eröffnungswochenende war die Stadt so belebt wie zu kaum einem anderen Zeitpunkt. Zahlreiche Besucher und Künstler tummelten sich auf dem Friedrichsplatz in der Innenstadt, auch um den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier zu sehen. Er hat die documenta eröffnet und bei einem Rundgang einigen Schaulustigen die Hand geschüttelt.
Meine Aufgabe am Eröffnungswochenende: Das Flair der Stadt beobachten, mit Besuchern sprechen und sie fotografieren. Außerdem habe ich den Snapchat- und Instragram-Account der HNA bedient. Mal etwas ganz anderes, aber spannend und vor allem mit viel Spaß verbunden! Doch die documenta dauert schließlich nicht nur ein Wochenende, sondern 100 Tage. Bis September ist jeden Tag eine neue Performance, ein neuer Spaziergang mit Besuchern und vor allem sind viele neue Gäste in Kassel, die interessante Geschichten erzählen können. Das reicht von einer 85-jährigen Dame aus Fritzlar, die bereits bei der ersten documenta dabei war, bis zum jungen Mann aus Tokio, der neben Kassel noch Basel und Amsterdam bereist. Viele Geschichten lauern noch in Kassel, die erzählt werden wollen.
(Lara)
Foto: Lothar Koch
Nein, wir schicken den Artikel nicht vorher zu
Fährt man als Journalist auf einen Termin und verabschiedet sich anschließend von seinem Gesprächspartner, fällt immer mal wieder diese eine Frage: “Schicken Sie mir den Artikel vorher noch einmal zu?” Dann muss man verdeutlichen: Nein, wir haben in Deutschland den Grundsatz der Pressefreiheit und den der freien Berichterstattung. Wenn jeder Artikel vor der Veröffentlichung noch einmal von Dritten abgeändert wird, kommt das einer Zensur gleich. Natürlich ist es verständlich, dass manche Leute die Sorge haben, schlecht dargestellt zu werden. Aber eine Zeitung, in der jeder Politiker, Unternehmer oder Sportler das rausgestrichen hat, was ihm nicht gefällt, möchte keiner lesen. Möglich ist es, die Zitate vorab zuzuschicken, damit die Person zu sehen bekommt, welche ihrer Sätze wortwörtlich öffentlich erscheinen. Deshalb gilt für Interviews: Der Gesprächspartner hat das Recht, den Text zu autorisieren. Das kann manchmal nerven, wenn der ganze Artikel mit roten Markierungen zurück ins Postfach kommt. Dann setzt man sich am besten noch einmal mit dem Interview-Partner in Kontakt. Auch bei fachlich komplexen Themen kann es helfen, den Artikel von einem Experten gegenlesen zu lassen, damit sich keine inhaltlichen Fehler einschleichen.
Der Deutsche Journalisten-Verband hat einen Leitfaden für die Autorisierung von Interviews formuliert:
1. Das gesprochene Wort darf nicht durch Veränderungen sinnentstellt werden. Redaktionen sollten dazu einen Verhaltenskodex erstellen.
2. Bei Wortlautinterviews dürfen sich Interviewte den Text zur Freigabe vorlesen lassen, sofern Korrekturen der Sinnwahrung, Korrektheit und sprachlichen Klarheit dienen.
3. Fragen des Interviewers dürfen ebenso wenig geändert werden wie Grundrichtung und Authentizität der Antworten.
4. Umstände des Interviews (schriftlich, telefonisch, Pressegespräch) sind transparent zu machen.
(Lara)
Ein Hoch auf die Pressefreiheit
Heute ist internationaler Tag der Pressefreiheit! In einigen Ländern wird sie immer wieder verletzt und missachtet. Deshalb sollten wir uns heute daran erinnern, wie wichtig unabhängige und freie Berichterstattung ist - gerade bei der aktuellen weltpolitischen Lage.
Es wurde doch noch etwas! Fortsetzung von: Wenn ein Artikel platzt
Nachdem mein Artikel zur Nachsuche platzte, weil der Jäger seine Aussagen zurückzog, ist mir das Thema nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ich wollte nicht einfach akzeptieren, dass die ganze Mühe umsonst war. Deshalb habe ich in Absprache mit der Redaktion ein Treffen mit dem Rotenburger Forstbeamten Wolfgang Adam vereinbart und mit ihm erneut ein Interview über die Nachsuche geführt. Einiges hatte ich ja bereits in meinem Gespräch mit dem Jäger erfahren, aber es haben sich trotzdem nochmal ganz neue Aspekte ergeben. Nach dem Interview war ich mit Wolfgang Adam beim Revierförster Markus Schneider, der mir das notwendige Material für eine Nachsuche gezeigt hat. Also wurde der Artikel doch noch ein Erfolg - und ich bin für die Zukunft bestens über Nachsuchen Informiert.
(Lara)
Wenn ein Artikel platzt
Für die Recherche hat man als Journalist unterschiedliche Kapazitäten: Kleine Meldungen werden nur etwas umformuliert, eingereichte Pressetexte hingegen komplett redigiert und oftmals auch gekürzt. Der meiste Aufwand aber fließt in die Recherche für einen Artikel. Man sucht im Internet Informationen, spricht am Telefon mit verschiedenen Personen und fährt meist auch zu einem Menschen hin. So war es bei meiner Recherche für das Thema „Nachsuche von Wildtieren“: Ich habe mich mit einem Jäger getroffen, der mir fast zwei Stunden lang erzählt hat, wie die Nachsuche abläuft, was man als Jäger beachten muss und wie sein Hund für die Nachsuche ausgebildet wurde. Außerdem zeigte er mir spannende Bilder von verschiedenen Jagdeinsätzen und Nachsuchen nach Wildunfällen. Der Jäger war freundlich, aber auch streng und sehr genau. Ein Foto von ihm durfte ich nicht machen, der Neid unter den Jägern sei zu groß. In der Redaktion habe ich den Artikel geschrieben und als Fragen-und-Antworten-Text gestaltet.
Am nächsten Tag rief der Jäger an – und zog seine Aussagen zurück. Er wolle unter keinen Umständen, dass der Artikel veröffentlicht wird. Nach all der Arbeit und Zeit, die ich investiert habe, war das mehr als ärgerlich. Aber um keinen handfesten Streit mit einem Leser heraufzubeschwören, blieb mir nur eins übrig: Den fertigen Artikel in die Mülltonne zu werfen.
(Lara)
Foto: imago stock&people
Weltfrauentag
Da wir im Augenblick drei Frauen sind, die den Vo-log betreuen: Einen fröhlichen Weltfrauentag euch allen! :)
Ein Job für Frühaufsteher
Als Journalist hat man ja zu verschiedenen Uhrzeiten Termine. Dass man aber mitten in der Nacht aus den Federn muss, ist schon eher ungewöhnlich. Einer meiner Termine war auf 2 Uhr festgelegt. Ich begleitete einen HNA-Zusteller bei seiner nächtlichen Tour. Heißt: Um 1 Uhr nachts aufstehen, Kaffee, Kaffee und nochmals Kaffee trinken und hinaus in die Kälte.
Obwohl ich pünktlich zum vereinbarten Treffpunkt kam, wartete der Zusteller bereits. Rund eine Stunde lang ging ich mit ihm durch die Straßen von Hann. Münden und warf Zeitungen in die Briefkästen unserer Leser. Wie er es Nacht für Nacht aus dem Bett schafft? “Ich stehe gerne früh auf und bin an der frischen Luft.” Auch wenn es kälter wird? “Dann ziehe ich mich einfach wärmer an.” Guter Tipp. Die Minusgrade sind nicht unbedingt angenehm, ich sehnte mich nach meinem Bett. Doch Trödeln und Jammern ist nicht drin. “Immer mir nach”, trieb mich der Zusteller an. Wenigstens wurde mir beim Laufen ein wenig wärmer.
Der Job eines Zustellers ist nicht einfach. Wir hatten zwar noch Glück mit dem trockenen Wetter, doch bei Regen oder Schnee sieht alles schon wieder anders aus. “Die Zeitungen müssen trocken beim Leser ankommen”, erklärte mir der Zusteller. Doch nicht nur das Wetter kann zum Problem werden: Viele Gassen und Ecken sind in der Stadt nicht richtig ausgeleuchtet, Stolperfallen lauern überall und manche Briefkästen bergen sogar Verletzungsgefahr. Dennoch macht unser Zusteller seinen Job bereits seit 30 Jahren. “Er hält mich nun mal fit.”
Fit war ich nach 5 Kilometer nächtlichen Marsch zwar nicht mehr. Doch über den nächsten Termin, der “schon” um 20 Uhr war, freute ich mich bereits in dieser Nacht.
(Christina)
Chaos auf dem Schreibtisch
Das Genie beherrscht das Chaos, sagt man. Wenn sich das auch auf Blätterchaos bezieht, sind wir Journalisten alle nobelpreiswürdig. Meist druckt man sich Informationen zu einem Thema aus, schreibt etwas dazu, hat einen Block voller Stichpunkte, die man sich auf Terminen notiert hat, einen Zettel mit der Planung für die morgige Ausgabe und dann vielleicht noch eine persönliche To-Do-Liste – oder auch mal zwei, drei, vier davon. Alles auf einem Schreibtisch sieht dann gerne mal so aus:
(Lara)
JAV: Im Austausch mit anderen jungen Menschen
Als Volontär ist man irgendwas zwischen Azubi und Mitarbeiter - beides ein bisschen, aber nichts so richtig. Bei der HNA kann man sich als Volo jederzeit an alle Mitarbeiter wenden, wenn man Fragen hat. Trotzdem ist es schön, sich auch mal mit anderen Volos auszutauschen - oder mit anderen jungen Menschen, die sich ebenfalls in ihrer Berufsausbildung befinden. In der JAV - die Jugend- und Auszubildendenvertretung - ist das möglich. Die JAV (bitte nicht mit JVA verwechseln, hat nichts mit Gefängnis zu tun ;) ) ist quasi der Betriebsrat für unter 25-Jährige eines Unternehmens.
Bei der HNA sind vor allem kaufmännische Auszubildende JAV-wahlberechtigt, weil es nicht so viele Volos unter 25 gibt. Ich bin 23 Jahre alt, wurde zum Ersatzmitglied gewählt und hatte heute die Möglichkeit, bei einer JAV-Sitzung dabei zu sein. Das Ergebnis: Die Azubis aus Vertrieb, Anzeigenabteilung, Marketing und Co. sind sehr am Austausch mit Volos interessiert! Es ist wirklich spannend zu hören, was sie bewegt und welche Parallelen und Unterschiede es zwischen der “klassischen” Ausbildung und dem Volontariat gibt. Zwei Stunden saßen wir im Betriebsratzimmer zusammen und haben über unsere Berufe geredet. Es wäre doch spannend, wenn die Azubis und die Volos zukünftig mehr in Kontakt kommen und einander kennenlernen, damit man die anderen jungen Gesichter des Medienhauses zuordnen kann. Hoffentlich finden wir in Zukunft eine Möglichkeit, das zu tun! Wir bleiben am Ball.
(Lara)
Mehr als nur TV-Kritiken
Eigene Themen setzen, die Relevanz von Themen selbst einschätzen, die Optik einer Seite konzipieren – das alles sind die Aufgaben eines Volontärs, wenn er bei der HNA in der Kulturredaktion arbeitet. Denn die TV-Seite, die montags bis samstags täglich erscheint, liegt in der Verantwortung der Volos.
Zum Glück ist man nicht ganz auf sich allein gestellt: Zum einen arbeiten immer zwei Volos zeitgleich in der TV-Redaktion, zum anderen sind auch die Redakteure jederzeit als Ansprechpartner für einen da.
Zudem haben Volos in der TV-Redaktion die Möglichkeit, Interviews mit namenswerten Schauspielern zu führen. So konnte ich zum Beispiel mit dem HR-„Tatort“-Ermittler Ulrich Tukur oder Felicitas Woll sprechen.
Was auch immer wieder zum Alltagsgeschäft im Tageszeitungsjournalismus gehört: Ab und zu muss im Laufe eines Tages die Seite umgeschmissen werden, weil ein Prominenter aus dem Ressort/Lokalteil stirbt oder eine andere Neuigkeit noch unbedingt ins Blatt muss. Das bekommt man als Volo oft auch in den anderen Redaktionen mit, aber hier muss man die Seite selbst umbauen, entscheiden, welche Meldungen bleiben und welche runterfliegen – natürlich immer wieder in Absprache mit den Kollegen.
Seiten konzipieren und bauen, Themen durchsetzen, planen und organisieren – das alles habe ich aus der Station Kulturredaktion für mich mitnehmen können. Dieses Wissen wird mir sicherlich auch in Zukunft nutzen.
(Sindy)
Arbeiten zwischen den Jahren
Wenn andere zu Hause sitzen, das Weihnachtsessen verdauen und zwischendurch in die Geschäfte fahren, um Geschenke umzutauschen, müssen einige arbeiten. So auch bei der Zeitung. Das Arbeiten ist zu dieser Zeit sowohl entspannt als auch stressig. Die Redaktion ist relativ leer, der Parkplatz und auch die Straßen sind morgens frei. Aber es gibt auch einen Faktor, der den Puls in die Höhe treibt: Themenmangel. Vor Weihnachten wird schon einiges von den Redaktionen vorbereitet, um für das “Loch” zwischen den Jahren gewappnet zu sein. Wenn man aber schnell nochmal ein paar Informationen von der Gemeinde abfragen möchte, ruft man meist vergeblich an. Das ist auch bei vielen Firmen und Unternehmen so. Deshalb lohnt es sich, vorab Artikel vorzubereiten und alle wichtigen Details abzufragen, solange Bürgermeister, Geschäftsführer und Co. noch erreichbar sind.
Doch nicht nur eine gute Planung und Vorbereitung helfen, um das “Loch” zu füllen. Alle Jahre wieder werden in den Lokalredaktionen Rückblicke zusammengestellt: Eine Seite für jeden Monat. Macht ganze zwölf Seiten, die ins Blatt müssen. Doch Rückblicke sind nicht als Lückenbüßer gedacht. Sie helfen dabei, das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Und wir Volos, die ja alle drei Monate in eine andere Redaktion kommen, lernen die Region ein Stück weit besser kennen und erfahren, was die Menschen hier bewegt hat.
Übrigens: Zwischen den Jahren zu arbeiten lohnt sich. Schokolade und Kekse sind immer vorrätig und es können auch mal andere kleine Aufmerksamkeiten warten.
Kommt gut ins neue Jahr!
(Lara und Christina)
Der Aufmacher auf Seite 1
„Du schreibst einen Artikel für die erste Seite der Zeitung? Das ist ja total cool!“, sagt meine Freundin, als ich ihr davon erzähle, dass ich den sogenannten Aufmacher-Artikel für die Melsunger Allgemeine schreibe. Das ist der Artikel direkt unter dem großen Foto auf der Titelseite. Tatsächlich eine große Ehre, zweifellos. Aber auch eine große Herausforderung, die man keinesfalls unterschätzen sollte. Da kann ich keine Story von süßen Tieren oder die Lebensgeschichte eines Musikers erzählen, sondern muss mich an harte Fakten von Arbeitsagentur, Gemeinden, Ämtern und Co. halten. Gar nicht so einfach, bei langen Listen voller Zahlen durchzusteigen. Und die Prozente und Prozentpunkte (ich musste erst kurz nachlesen, worin genau die Unterschiede liegen) kann ich nicht einfach nacheinander runterrattern, sondern muss sie in eine logische Reihenfolge bringen und vor allem: gewichten. Stichwort des guten Journalismus. Der geschriebene Artikel wird noch mal mit dem Redaktionsleiter durchgesprochen und – meistens – in Teilen umgestellt, neu formuliert oder korrigiert. Am Ende kann ich stolz auf mich sein, die Hürde gemeistert zu haben, aber ich weiß auch, wie viel Arbeit dahintersteckt und wie groß die Herausforderung ist, jeden Tag auf der ersten Zeitungsseite gute und interessante Fakten zu liefern. (Lara)
Volo-Seminar in Hamm – Teil II: Fehler macht jeder
Neben Interviews, Reportagen und Co. ist das Volo-Seminar zum Austausch mit Volos von anderen Zeitungen gedacht. Zeit dafür ist reichlich vorhanden, Ablenkung weniger. Das Schloss Oberwerries, in dem wir für die drei Wochen untergebracht sind, ist eher abgeschieden. Hamm gilt nicht unbedingt als Metropole mit regem Nachtleben. Es ist Winter. Wie können also 18 Volos nach ganztägigen Seminaren runterkommen und unbeschwert Erfahrungen austauschen?
Beim Sport! Im Schloss ist nämlich eine Sportschule des Westfälischen Turnerbundes untergebracht. Mit anderen Worten: Zwei Turnhallen bieten genügend Platz und Sportgeräte, um sich auszutoben. Fast jeden Abend verbringen wir mit Tischtennis, Fußball und Badminton. Sogar Tanzversuche wurden unternommen, weil eine Volontärin Salsa-Tänzerin ist.
Sport bringt Menschen ja bekanntlich zusammen. Das Feierabend-Bierchen danach jedoch besiegelt die neuen Freundschaften nochmal. Die Stimmung ist immer locker, es wird viel erzählt und gelacht. Vor allem ist es beruhigend, dass fast jeder Volo vor ähnlichen Problemen im Alltag steht: Da ist die Aufregung vor jedem Termin, die wohl noch lange bleiben wird. Es gibt Geschichten, die uns nahegehen. Wir müssen mit Menschen klarkommen, die nicht immer freundlich sind. Stress und Hektik bestimmen immer wieder den Tag in der Redaktion. Wir machen blöde Fehler, die man nie wieder vergisst (und die nie wieder passieren werden). Und fast niemand von uns kann sich jeden einzelnen Namen merken.
Dennoch sind wir uns einig: Einen anderen Beruf wollen wir nicht.
© Dieter Menne
(Christina)
Volo-Seminar in Hamm - Teil I: Mut zum Punkt!
Teaser schreiben, Überschriften finden, Interviews führen und fotografieren: Derzeit drücken vier HNA-Volontäre zusammen mit 14 weiteren Volos von anderen Medien drei Wochen lang die Schulbank in der Akademie für Journalistenausbildung in Hamm. Leiter Dr. Edmund Schalkowski und andere Gastreferenten vermitteln uns das journalistische Handwerk. „Zum Schreiben gehört Talent“, sagt Schalkowski. Doch es gebe einige Kniffe, die man erlernen kann. Gesagt, getan.
Zuerst die eher trockene Thematik: Nachrichten schreiben. Am besten so, dass der Leser sie auch gerne liest. Deswegen ist der Einstieg eines Berichts das A und O. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die wir alle nach und nach ausprobieren. Artikel für Artikel schreiben wir in leserfreundliche Meldungen um und diskutieren danach über unsere Texte: Wie kriegt man diesen Satz noch knackiger hin? Sind alle wichtigen Informationen auf den Punkt gebracht? Und sind die Infos auch hierarchisch gegliedert?
Einstiege für nachrichtliche Artikel:
Kontextsatz und Leadsatz
Kurze Szene
Pointierter Einstieg (Gegensätze, Vorurteile, Zitate, etc. aufgreifen)
In den nächsten Tagen steht Redigieren auf dem Programm, was in Redaktionen oft als eher undankbare Aufgabe gilt. Wir bekommen jede Menge Pressemitteilungen und manche sind wirklich knifflig beziehungsweise schlecht geschrieben. Beim Redigieren wird nicht nur Grammatik und Rechtschreibung geprüft, sondern oft muss der ganze Text neu geschrieben werden.
Eine kleine Checkliste:
die klassischen W-Fragen beantworten: Wer? Was? Wann? Wo? Wie?
Quelle nennen
das Wichtigste nach vorn
konkret, kurz, knapp und klar schreiben
Mut zum Punkt!
Tempus: Einstiegsperfekt (wirkt dynamischer, aktueller); Präsens für hochdramatischer Meldungen
Übrigens hilft auch ein sogenannter Blablameter: Der sagt, wieviel „Bullshit“ oder „heiße Luft“ noch in einem Text steht.
(Christina)