Die aktuelle Qualität von Software bei Apple (Reblog)
Die aktuelle Qualität von Software bei Apple
Vor einigen Tagen hat der Developer Marco Arment einen sehr interessanten Artikel zur Software Qualität bei Apple geschrieben.
Dieser Artikel hat eine Menge Feedback bekommen… Neben Huffington Post haben auch das Wall Street Journal, CNN, CNBC und Heise das Thema aufgegriffen. Das zeigt, dass Marco nicht ganz daneben gelegen hat, oder?
Aber mit dem Thema kenne ich mich ja auch ein wenig aus und da ich eine Menge Apple Produkte verwende habe ich dazu natürlich auch eine Meinung!
Ich bin irgendwann mit Mac OS 8 eingestiegen und bin dann recht lange bei Mac OS 9 geblieben. Die ersten Mac OS 10 (OS X) fand ich auch nicht sonderlich gut. Optisch ansprechend, aber bei weitem nicht so stabil wie es Mac OS 9 zu der Zeit war. Mit Cheetah (Mac OS X 10.0) habe ich meist nur herumgespielt. Puma (Mac OS X 10.1) fand ich schon etwas besser. Und mit Jaguar (Mac OS X 10.2) bin ich dann komplett aux Mac OS X umgestiegen. Mac OS habe ich ab dann eigentlich nur noch im Classic Mode genutzt.
Ich bin dann auch alle Versionen brav mitgegangen und fand Snow Leopard (Mac OS X 10.6) war nach den ersten größeren Patches sehr stabil und als Arbeitspferd auch absolut zu gebrauchen.
Ungefähr zu dieser Zeit habe ich dann angefangen auch mit dem Mac OS X Server Leopard (Mac OS X 10.5) und Snow Leopard (Mac OS X 10.6) die ersten ernsthaften Erfahrungen zu sammeln, davor habe ich damit immer nur mal etwas herum gespielt und experimentiert. Und hier gingen die ersten Probleme los: Mit jedem Server Update musste man ls Administrator die Luft anhalten, denn da lief schon einiges echt schlecht. Ich selbst habe mehr als einen Update gemacht und durfte dann einen kompletten Restore des Servers machen.
Ende 2012/Anfang 2011 kam dann Lion (Mac OS X 10.7) als Beta. Ein cooles Release, viele neue Features. Leider hat da zu Anfang vieles nicht so gut funktioniert! Dann bin ich auf die Idee gekommen den stabil laufenden Snow Leopard Server (Mac OS X Server 10.6) upzudaten, immerhin hat dieser eine Menge neue Features und da erschien das nur logisch. Den Schritt habe ich dann wirklich lange bereuen müssen. Mit den ersten Versionen ging vieles (grundlegendes) nicht, oder nur sehr schlecht. Eine Migration (von Mac OS X 10.6 Server auf Lion Mac OS X Server 10.7) war war mehr Glückssache. Das Problem hatten viele, die Foren sind immer noch voll von einer Menge Posts zu diesem Thema.
Auf dem Desktop bzw. Notebook war das Release brauchbar, aber sicher nicht gut. Sicher ein Grund warum viele die wirklich Professionell mit ihrem Mac arbeiten das ganze brav auf einem 10.6er Release auszusitzen. Apple hat da einige Patches nachgeschoben um Lion besser zu machen. Aber da Rosetta entfernt wurde und die PowerPC Unterstützung bei Lion nicht mehr enthalten war sind im kommerziellen Umfeld doch eine ganze Menge auf Snow Leopard geblieben. Und viele fanden die ganzen UI Spielereien auch nicht so gut (Zitat).
Nachdem zwei Jahre Lion immer weiter verbessert hat, wurde Anfang 2012 Mountain Lion (OS X 10.8) vorgestellt. 10.8 brachte wieder eine ganze Menge neue Features mit und Apple hat angefangen OS X und iOS anzugleichen. So wurden viele Programme angepasst und die neuen iMessage (Messages App) und iCloud sorgten für eine schnelle adaption am Markt. Ich habe von Mountain Lion sämtliche Betas getestet und eine Menge Bug-Reports geschrieben (Dazu später noch mal etwas). Zusätzlich habe ich in den Apple Foren viel gelesen und auch einiges geschrieben. Meiner Meinung nach hat Apple dieses Release viel zu früh auf den Markt geworfen! Viele Probleme der Beta Versionen, die auch bekannt waren, sind im GA Release immer noch enthalten gewesen. Das Feedback der Kunden war auch entsprechend.
Der Mountain Lion Server (OS X Server 10.8) war gut. Aber hier hat Apple es mal wieder nicht so wirklich hinbekommen die Updates sicherzustellen. Auch hier gab es viele Probleme und viele Kunden haben ihrem Ärger auch entsprechend Luft in den Apple Foren gemacht.
Apple hat aber sowohl am Desktop als auch am Server viel nachgebessert und irgendwann war Mountain Lion wirklich gut und brauchbar. Leider gab es bei den Server Updates auch immer mal wieder Probleme. Ich selbst habe mehrfach den Profile Manager komplett neu aufsetzten müssen. Blöd, denn die iOS Geräte die eigerollt waren mussten alle wieder eigerollt werden.
Nur ein Jahr nach Mountain Lion kam 2013 dann Mavericks (OS X 10.9). Apple hat viel Wert auf das weitere Zusammenwachsen von OS X und iOS gelegt. Auch hier habe ich recht früh angefangen Beta zu testen und wieder fleißig Bugs Reported und ich war im Developer Forum entsprechend aktiv. Bei den diversen Betas von OS X 10.9 ist mir aufgefallen, dass vieles was in einer Beta gefixt wurde (Apple scheint also doch die Bug Reports zu lesen und etwas zu tun) in einer späteres wieder genau so auftauchte. Wenn man das dann (wieder) als Fehler reported hat, kam der Hinweis auf den alten Fehler. Hier hat Apple dann einfach mal ignoriert, dass diese bereits behoben waren und jetzt einfach wieder auftauchten. Auch die Hinweise darauf wurden ignoriert. Und diese Ignoranz zieht sich bei Apple wie ein roter Faden durch den Release Prozess. Viele Reports die wir eigestellt haben, wurden nie bearbeitet. Und leider meine ich nicht nur das Ticket System, denn die Fehler waren oft auch im GA Release.
Als schlimmsten Fehler empfand ich das WLAN Thema! Mit OS X 10.9 (Mavericks) gab es viele Probleme im Bereich Enterprise WPA und WLAN Zertifikate. Das war ein echtes Trauerspiel! Diese Probleme waren in den Betas dann mal behoben (zumindest hatte ich keine Probleme und in diversen Foren war auch positives dazu zu finden), im GA Release im Herbst war es dann aber wieder enthalten.
Den Mavericks Server (OS X Server 10.9) fand ich so schlecht, das ich damit lange nicht viel gemacht habe. Zu der Zeit war der Apple Server für mich einfach zu wichtig und ich wollte nichts riskieren. Nachdem ich dann eine Alternative für mich selbst gefunden habe, habe ich mich getraut auch diesen zu probieren. Der Apple Mac Mini Server läuft seit dem zwar noch, aber nicht mehr als echter Server! Es hätte mich so viel Zeit gekostet alles wieder so einzurichten wie ich es brauche, da bin ich lieber auf eine komplett andere Lösung umgestiegen. Den Mini verwende ich jetzt “nur noch” zu testen, zum Entwickeln und als Xcode Server (Das ist doch ein extrem nützliches Feature).
Mitte letzten Jahres kam dann Yosemite (OS X 10.10) als Beta. Apple hat iOS und OS X nun wirklich zusammenwachsen lassen. Zusammen mit iOS 8.1 ist es möglich am Mac Telefonate zu führen, SMS zu lesen/schreiben und dank Handoff die Arbeit von einem Mac auf ein iOS zu übernehmen und andersherum. Gerade Handoff ist einer der Gründe für mich sofort auf Yosemite (OS X 10.10) und iOS 8.1 zu gehen.
Ein, aus meiner Sicht, weiteres Killer Feature ist Swift! Hier hat Apple einen echt guten Job gemacht, die Möglichkeiten Swift und Objective-C zu integrieren ist toll. Es hat einen Moment gedauert, aber seit einiger Zeit ist Xcode 6 wirklich gut und vor allem stabil. Und das wurde auch mit den ganzen Patches wieder besser.
Anders als sonst, gab es von Yosemite (OS X 10.10) und iOS 8 bzw. 8.1 viele Betas. Einige davon konnten auch nicht Entwickler testen. Die Software Qualität ist durch die halb öffentlichen Beta leider nicht wirklich viel besser geworden. Im Gegenteil: Ich persönlich finde, dass Yosemite und iOS 8 einfach noch nicht fertig waren als diese freigegebene wurden.
Da ich ja selbst Entwickler bin, kenne ich das folgende Problem: Fehler Reports sind oft nicht brauchbar, oder die geschilderten Probleme können einfach nicht nachgestellt werden. Genau aus diesem Grund versuche ich beim Melden von Fehlern so ausführlich wie nur möglich zu sein. Ich beschreibe immer brav alle Schritte wie es zu dem Fehler gekommen ist und wie dieser nachgestellt werden kann. Natürlich stelle ich den Herstellern dann auch die nötigen Daten (Crash Reports, Bilder, Logs usw.) zur Verfügung. Und nein, natürlich nicht nur Apple!
Leider hat Apple so gut wie nie auf die eigestellten Fehler reagiert. Wenn dann mit so viel Verzögerung, dass es nicht mehr Relevant war oder es gab dann schon einen Workaround der funktionierte.
Und aktuell baut Apple wieder viel an Yosemite und iOS 8 herum. von beidem gibt es aktuell diverse Beta Varianten. Angeblich werden in den aktuellen Varianten dann auch endlich die WLAN Probleme behoben die es aktuell wieder gibt. So kann ich mich ohne Fummeln mit vielen Drahtlosen Netzwerken nicht, oder nur schlecht verbinden. Gerade bei Yosemite ist es ein Drama!!!
Aber woher kommt das? Ich persönlich kann hier ja nur raten aber ich gehe davon aus, dass die Releases aus Marketing Gründen kommen müssen. Um es mal mit einem SCRUM Wording zu versehen: “Die Bugfix Sprints werden einfach mit den Kunden durchgeführt“! Und es scheint auch so zu sein, dass einfach nicht genug getestet wird.
Ob es wirklich so ist kann ich nicht sagen, aber den Eindruck habe ich bei Apple schon etwas länger…
Und wenn man mal die Foren betrachtet, so scheinen viele den gleichen Eindruck zu haben…
Aber was könnte Apple tun um das wieder in den Griff zu bekommen?
Eine bessere Qualitätssicherung durch bessere Tests.
Die Daten über Bug Reporting zu sammeln nutzt nichts wenn diese nicht bearbeitet werden… Und sollte Apple die bearbeiten, wäre ein Feedback nett.
Die öffentlichen Beta sind gut. Das Sollte Apple beibehalten bzw. ausbauen.
Software sollte von Entwicklern freigegeben werden wenn sie fertig ist und nicht wenn die Marketing Abteilung sagt das der Release Termin ist.
Alle springen gerade so auf das Thema “Apple hat ein Qualitätsproblem mit Betriebssystemen”! Wie sieht es denn bei den anderen großen Herstellern aus?
Mal im Ernst: Nicht anders!
Google hat einige recht gute vorab Versionen von Android 5 gebracht (Die habe ich mir alle auf dem Nexus 5 angetan). Das Release war dann aber nicht so die Wucht. Auch Google hat hier einige Probleme im Bereich WLAN… Und das ist auch vorsichtig formuliert.
Und wie bei Apple gibt es auch hier diverse Probleme mit der Funkschnittstelle. Trotz Empfang klingelt das Nexus bei mir hin und wieder einfach nicht.
Und Google ist hier nur ein Beispiel, auch Samsung gibt vieles erstmal frei und bessert dann noch mal nach!
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