ĂberbrĂŒckung von Differenzen in der Arbeitswelt. âIch gewinne â Du verlierstâ â Ăberholtes Verhaltenskonzept kopflastiger Strategen. Eine Inspiration von Dr. Marcello Scarnato, Wirtschaftsberater, Liechtenstein.Â
Wenn erfolgreiches Verhandeln bedeutet, sein GegenĂŒber âĂŒber den Tisch zu ziehenâ, dann hat das Prinzip âich gewinne â du verlierstâ unverĂ€ndert GĂŒltigkeit. Was aber ist besser: der einseitige Sieg oder das gemeinsame Weiterkommen?
Rein rational gilt das Gesetz des StĂ€rkeren. Es ist aber trotzdem möglich, dass alle Beteiligten als Gewinner vom Tisch aufstehen. Konsens ist gefragt â die UrsprĂŒnge gehen zurĂŒck auf die Spieltheorie. In Zeiten schwieriger konjunktureller Rahmenbedingungen wie den jetzigen sind Unternehmen wie Mitarbeiter besonders gefordert. Betrachtet man die Wirtschaftswelt nach dem Prinzip âUnternehmen = Mensch = Unternehmenâ wird klar, dass in letzter Konsequenz immer der Mensch betroffen ist.
Fressen und Gefressen werden
Bislang hat die moderne Wirtschaft nach dem Konzept âIch gewine â Du verlierstâ funktioniert. Der Zusammenbruch des sozialistischen Systems hat dieser Sichtweise vermeintlich endgĂŒltige und einzige Berechtigung zugesprochen. Kooperieren mit der Motivation âFressen, um nicht gefressen zu werdenâ â in Fachkreisen nobler Merger & Acqusition genannt â war daher die probate Strategie zur Behauptung der eigenen Marktposition im kapitalistischen Expansionskampf der 90er Jahre. Es hat lange Zeit gut funktioniert.
Griechische Feldherrenkunst
Der Begriff Strategie entstammt der griechischen Feldherrnkunst: Strategia, zusammengesetzt aus stratos âHeerâ und agein âfĂŒhrenâ. Konsens hingegen bedeutet âĂŒbereinstimmen, Einigkeit, EinmĂŒtigkeitâ.
Quantensprung Konsens
Mit Willen zur Kooperation und durch GefĂŒhl zum Konsens: FĂŒr Unternehmen bedeutet der Quantensprung das Loslassen vom marktwirtschaftlichen Grundprinzip des âGegeneinandersâ und die Hinwendung zu kooperativen Szenarien konsensbasierter Partnerschaften. Eine Unternehmung ist diesem bedeutenden Schritt sehr nahe, wenn sie nicht nur ihr Gesellschaftskapital optimal einsetzt, sondern auch das humane. Hinter dem Fachjargon verbirgt sich einfaches: Der Mensch im Unternehmen gewinnt wieder an Bedeutung und WertschĂ€tzung.
Voraussetzungen zum Quantensprung:
1. Kooperation mit sich selbst
2. Konsensbildung durch neue Kommunikation
3. Neue Partnerschaften fĂŒhren zu dauerhafter Kooperation
Die Kooperation mit sich selbst beginnt bei der eigenen WertschĂ€tzung, bei der Akzeptanz der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns: Eigentlich bin ich da, um den ganzen Berg zu versetzen. Nicht nur fĂŒr die paar Sandkörnchen, die ich bisher bewegt habe. Der Mensch, der Sandkörner bewegt â und es bewusst tut â spĂŒrt, dass er Berge versetzen könnte.
Spieltheorie und Nash-Gleichgewicht
In ihren UrsprĂŒngen ging diese Sichtweise aus der Spieltheorie hervor und als Nash-Gleichgewicht in die Geschichte ein. Dem 27jĂ€hrigen US-Amerikaner John Forbes Nash gelang es, die Herleitung eines nicht mehr optimierbaren Gleichgewichtes mathematisch-rational zu beweisen. Nash unterschied in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Erster kooperative Spiele, bei denen die Spieler sich miteinander absprechen, und nichtkooperative Situationen, bei denen dies nicht möglich ist.
Der Kommunikationskonsens
Der Wandel vom rein rationalen Vorwegnehmen der gegnerischen (Schach-)ZĂŒge hin zum friedlich harmonischen Wahrnehmen und Akzeptieren seines GegenĂŒbers verhilft zur Befreiung vom Zeitdruck im Beruf und von Stress-Blockaden, hervorgerufen etwa durch Besprechungen, bei denen wir uns gemeinsam im Kreise drehen. Stress ist Angst und nichts anderes als ein Modewort fĂŒr Ă€ngstliche Reaktion auf die stĂ€ndigen WechselfĂ€lle des Lebens.
Ebene 1 + 2
Der Kompromiss ist der grösste Nenner, auf den wir uns einigen können, wenn alle GegensĂ€tzlichkeiten ausgespart bleiben. Er ist aber in den meisten ein âfaulerâ Kompromiss, weil wir auf das Wesentliche verzichten.
Der Quantensprung
Wenn wir den (faulen) Kompromiss nicht wollen, gibt es den (Quanten-)Sprung ĂŒber die Schranke.
Ebene 3
Wir gehen nicht mehr mit dem Verstand an das Problem heran, sondern mit unserer Seele, mit unseren GefĂŒhlen. Wir fragen einfach, was wir uns wĂŒnschen.
Ebene 4
Auf dieser Ebene mĂŒndet der Lösungsweg in die gemeinsam getragene Vision . Der mittlerweile arg strapazierte Begriff umschreibt nach wie vor die Sinnhaftigkeit, welche die Menschen in Unternehmen zusammenfĂŒhrt.