Offener Brief an die Onkelz
Sehr geehrte Bandmitglieder
Gewiss seid Ihr nicht die Schuldigen und müsst euch jetzt wahrscheinlich allerlei anhören.
Gewiss könnte mein Beitrag hier von euch ungelesen bleiben und/oder gar nicht weiter geleitet werden, aber ich hoffe es.
Gewiss sind sämtliche Gemüter erhitzt und bis sich diese beruhigen, falls sie sich beruhigen.
Gewiss ist die Rückkehr ein, wenn nicht der, Anlass des frischen Jahres 2014.
Gewiss kann es nicht so viel Platz geben, wie Anhänger gerne dabei sein möchten. Weitere Konzerte hin oder her.
Gewiss sind wir dermassen enttäuscht vom Ablauf, von euch, von Vertreiber und und und, aber das ist noch recht untertrieben.
Gewiss freuen wir uns auf die schwarzen LKW & Buskolonnen auf den Autobahnen.
Wir lieben harte Fakten genauso gern wie Ihr. Darum sind wir eines und haben uns gegenseitig gefunden, wenn auch nicht jeder gesucht.
Der Ablauf mit der Bevorzugung von BOSC Mitgliedern und anschliessend exklusiver Vorverkaufsrechte für Registrierte ist, in meinen Augen, völlig legitim, wenn leider nicht transparent genug. Von allen registrierten konnten sich alle ein Ticket sichern, egal zu welchem Zeitpunkt sie sich anmeldeten. Auch nach der Beendigung des Zählers zur Grossankündigung der Wiedervereinigung. Ebenso war die Registrierung bis kurz vor Verkauf noch möglich. Es ist leider nicht transparent genug, inwiefern eine frühe Registrierung Vorteile hat erbringen können. Dem Anschein nach war der Zeitpunkt völlig egal (?).
Schon hier hätte man intervenieren können und eine anschliessende Staffelung im Verkauf wäre möglich gewesen. (ergänzt sich mit Fakt2)
Es war ganz klar geregelt, wie der Verkauf abläuft und was zu tun ist. Viele haben schon Stunden vorher in den Startlöchern gestanden und warteten nur darauf den Kodex einzugeben. Allerdings wurden viele, ich selber gehöre dazu, durch technische Mängel seitens des Vertreiber daran gehindert. Hier wiederum hätte man dem vorbeugen können, indem das IT System redundanter ausgelegt worden wäre. Schliesslich ist es nicht der erste grosse Kartenverkauf gewesen. Eine Staffelung nach Registrierung mit Uhrzeiten hätte die Internetpräsenz weniger zum erliegen gebracht und Käufer nicht aus dem Bezahlvorgang zurück in die 60minütige Warteschlange.
Fakt3: Zusatzkonzert & Montagsverkauf
Es ist toll, wenn urplötzlich (?), ein Zusatzkonzert stattfindet und so mehr Menschen die Möglichkeit gegeben wird, das erste Konzert nach Neun Jahren zu besuchen. Sicher auch ein Grossanlass, aber wahrscheinlich nicht mit derselben Mentalität und Synergie, wie das erste es sein wird.
Gut haben wir mit unseren Zugangsdaten, bei denen es heute nicht geklappt hatte, die erneute Chance, aber Hand aufs Herz. Was sollte Montag anders laufen? Auch dort werden wieder Schwarzhändler zuschlagen, die Server des Vertreiber werden in die Knie gehen und viele viele Nichten & Neffen werden sich, zum Teil erneut, die Haare raufen und Peripheriegeräte vom PC zerstören o.ä. .
Es gibt somit keine Garantie, dass es irgendwie klappt, auch wenn Ihr noch 1 Woche lang Zusatzkonzerte gebt. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass Teilnehmer mit gekauften Karten für den 20.6.14 mit einem weiteren Login noch mehr Kontingente kaufen und diese überteuert unter das Volk bringen.
Auch hier fehlt wiederum die Transparenz, da hilft auch nicht benutzte Zugangsdaten mit erfolgreicher Bestellung zu sperren.
Eine Staffelung des Verkaufes und Reduzierung der Kartenanzahl hätte dem Vorbeugen können. Ebenso Fakt3.
Zusätzlich ist es vielen schlicht unmöglich im Schichtbetrieb oder noch mal einen Tag Urlaub zu nehmen und so einen erneuten Verdienstausfall zu riskieren, um wieder um 12 Uhr versuchen Roulette zu spielen.
Fakt4: Personalisierung & Kartenanzahl
Als Schweizer kämpfe ich seit Jahren um den Zugang zu Konzertkarten. Bei uns läuft es schon ewig genauso ab, wie heute. Zum Teil dramatisch, da sich Bands nicht so häufig in unser kleines Land verirren, wie in unsere grossen Nachbarländer. Es gibt keine Personalisierung anhand der ID oder des Reisepass. Bei diversen Internetauktionshäusern werden die Karten dann zu unbezahlbaren Preisen angeboten.
Eine eindeutige Personalisierung der Eintrittskarten hätte zur Folge, dass der Schwarzmarkt nicht in der Form aufblühen würde (Auktionshäuser) und würden vielen treuen Anhängern die Chance ermöglichen euch wieder hautnah zu erleben, vielleicht sogar zum ersten Mal.
Für den Fall, dass jemand nicht mehr teilnehmen kann, aus welchen Gründen auch immer, greift die Ticketversicherung. Ticket geht wieder zurück und wird neu verkauft. Oder aber das Ticket wird umgeschrieben durch Beilage von Kopien beider ID und des Kaufvertrages zum Einkaufspreis.
"Rammstein" praktiziert die Personalisierung schon seit Jahren und das kommt bei den Anhängern sehr gut an, da es viel mehr Menschen die Möglichkeit gibt. Zumindest in Deutschland, bei uns in der Schweiz praktiziert das "Rammstein" leider nicht.
Es ist für mich nicht ersichtlich, warum ein potentieller Käufer gleich Vier Zugangskarten erwerben kann. Das ist schlichtweg zuviel. Sicher könnte man hier auch auf meine Aussage argumentieren, kauft auch für Freunde welche eben beruflich nicht Online sein können, aber dennoch sind 4 Tickets schlichtweg zuviel. Zwei Tickets p.P. sind völlig genüge. PartnerIn + PartnerIn oder Begleitperson. Völlig ausreichend, auch wenn man gerne in einer grossen Gruppe mit der alten Onkelz-Clique reisen würde.
Bestätigt wird die zu hohe Anzahl schon durch Schwarzmarktangebote. Wiederverkäufer schreiben dort, dass diese beruflich keine Zeit für das Konzert haben, Bekannte abgesprungen sind oder der Hund zum Konzert krank wird...Urplötzlich.
Rechnen wir die Anzahl der Wiederverkäufer mit der Anzahl Tickets mal hoch. Drei Registrierungen, alle Bestellungen erfolgreich = 12 Eintrittskarten zum Wiederverkauf oder wenigstens die Hälfte. Der abgeschöpfte Gewinn dürfte um die 3000-5000€ liegen, wenn nicht mehr. Gäbe es nicht bei personalisierten Tickets. Geringerer Schwarzmarkt, mehr glücklichere Fans.
Das Ihr ausschliesslich über einen Veranstalter die Karten verkauft entspricht genau eurem Prinzip, welches wir für richtig erachten und unterstützen. Das minimiert die Macht der Marktwirtschaft und der Überteuerung, auch wenn es sich dabei, oder gerade weil, um eine Monopolstellung handelt. Das ganze Prinzip wird aber wieder mit Fakt3 ausser Kraft gesetzt.
Zusätzlich mit dem Ablauf des Verkauf, welcher für den Anbieter völlig überraschen gewesen zu sein scheint.
Ist ja nicht so, dass diese zum ersten male Karten für eine grosse Veranstaltung verkaufen und die IT Landschaft plötzlich in die Knie geht.
Es kann ja nicht sein, dass 2-10 Minuten nach Verkaufsstart Meldungen erscheinen "Technischer Fehler. Probiere es erneut". Anschliessend nutzt man den Zurück Button und landet in der endlosen Warteschlange, wo die Chancen auf Eintrittskarten so gross sind wie auf die Auswahl an Tofu eines Vegetarier.
Das Prinzip ist schlichtweg falsch gelaufen. Ein IT System muss und kann durch Virtualisierung und Redundanz einen solchen Ansturm besser, wenn nicht sogar komplett aushalten.
Käufer zu späterer Zeit, 12:15-13:00 Uhr kommen urplötzlich bis zum Bestellvorgang, da wo andere den technischen Fehler hatten, und können diesen Problemlos abschliessen. Andere wiederum versuchen mehrere Minuten den Kodex einzugeben, aber die Datenbank schafft es nicht die Abfrage zu bearbeiten und gibt einen Syntaxfehler aus: "Kann nicht verifiziert werden. Probiere es erneut."
Mein Bestellvorgang zum Beispiel ist so abgelaufen.
Auswahl Karten und Plätze. Technischer Fehler. Syntaxfehler bei erneuter Kodexeingabe. Technischer Fehler. Warteschlange.
Da ich das ganze penibel mit Fotos dokumentiert habe, kann ich euch mit Zeitangabe den genauen Ablauf gern bestätigen und zukommen lassen. So wie es vielen vielen anderen auch ergangen sein wird.
Selbst wenn es für Ticketmaster eine neue Erfahrung gewesen sein sollte, so gibt es unzählige Beispiele von anderen Veranstaltern, bei denen auch direkt nach Startzeit die IT Landschaft den Ansturm nicht verarbeiten konnte. Hier wäre eine Informationsbeschaffung von Vorteil gewesen oder eben eine Staffelung der Verkäufe.
Fakt 6: Auktionshäuser und horrende Preispolitik
Ja, wir wissen wofür Ihr steht und dafür lieben und folgen wir euch auch. Noch immer oder schon wieder oder wieder einmal.
Die Preise für 66€ sind für mich völlig legitim. Der Ring ist an sich nicht gerade günstig und andere Musikgruppen verlangen höhere Preise für kleinere Veranstaltungsorte.
Das Ihr zumindest auf den Break-Even-Point kommen müsst und natürlich darüber hinaus ist uns klar, nicht der Rede werde.
Inzwischen gibt es in deutschen und schweizerischen Internetauktionshäusern Angebote vom doppelten bis hin zum 20-fachen Preis der Karte. Zum Teil kostet eine Karte so viel wie manch ein Manager eines Weltkonzernes im Monat verdient, oder am Tag.
Viele davon sind sogenannte Spassbieter, also frustrierte Fans oder falsche Benutzer, die den Preis hochtreiben. Die einen aus Frust, die anderen aus Profitgier. Der Gewinner ist in diesem Fall der Wiederverkäufer. Er hat 1-4 Zutrittskarten den Anhängern weggeschnappt und die künstlichen Steigerungen bescheren ihm Geld, dem Anhänger enorme Schulden.
Da sind auch euren Anwälten die Hände gebunden, eure Aussage ist also nichts weiter als eine Floskel um den „Pöbel“ zu beruhigen. Selbst wenn Ihr euch rechtlich abgesichert habt, mit dem Verbot des gewerblichen Wiederverkauf, so betrifft das die wenigsten Anbieter der Auktionshäuser.
Denn die meisten sind Privatverkäufer, sofern sein Profil nicht als Gewerblich ersichtlich und registriert ist. Für diese gilt eure Aussage wiederum nicht und die Anhänger welche nun fröhlich bieten, in der Hoffnung dem Verkäufer zu schädigen. Denn gemäss des letzten Jahres erschlossenen Fernmeldegesetzes, ist der Weiterverkauf, gemäss Gerichtsbeschluss des Bundesgerichthofes in Karlsruhe; legitim. Quelle dafür finde ich gerade leider nicht, aber da gab es letztes Jahr erst einen spektakulären Präsidenzfall. §3 irgendwas…
Das heisst diese wahnsinnigen Gebote von 4000-20000 € könnten, zum Teil müssen, gezahlt werden, da aus dem gerichtlichen Erlass eindeutig hervorgeht, dass es sich um einen Kaufvertrag handelt. Ich möchte nicht wissen, wie viele Unwissende sich dort nun ruinieren, die eigentlich nur E.I.N.S wollten; eine Karte. Gewerblich angemeldete könnt Ihr sicher zur Rechenschaft ziehen, aber was passiert dann mit den Karten? Auch hier fehlten wieder die Transparenz und ein ausgeklügeltes System zum Verkauf.
Wir unterstellen weder euch, dem Management oder dem Veranstalter Böswilligkeit. Sicher das letzte was wir treuen oder neuen Anhänger machen würden. Schliesslich sind wir, und das ist in der Musikwelt einmalig, eine Familie.
Allerdings ist die gesamte Ablaufthematik, meines Erachtens nach, nicht komplett durchdacht worden, bezogen auf oben genannte Punkte. Gut, ich bin kein Veranstalter und keine Musikgruppe, kann mir also das drum herum nur ansatzweise vorstellen, vom organisatorischen Aufwand. Aber das in der jetzigen Form mehr Anhänger vor dem Kopf gestossen wurden als beglückt, dass könnt Ihr euch selber denken. Jene jahrelange Anhänger und in den letzten Jahren hinzugekommene Jugendliche; was mich in der Zeit des Zählers auf eurer Internetseite recht erstaunt hat, wie viele Jugendliche jetzt noch Onkelz hören.
All diese hatten ein Anrecht zum Wiedervereinigungs-Konzert, egal welches Geburtsjahr auf dem Ausweis steht.
Aber die meisten sind am Boden zerstört. Das lässt sich nachvollziehen und überall nachlesen. Sei es in dieser Gruppe, den unzähligen Fangruppen auf Facebook und sonst wo, als auch in eurem Forum.
Würde mich nicht wundern, wenn viele euch nun leider den Rücken kehren, aufgrund des heuten Tages. Einige hatten es schon, weil sie mit der Wiedervereinigung nicht in Konsens kamen. Alle zu beschwichtigen wäre nie möglich gewesen, aber auf ein Minimum zu reduzieren, die Gelegenheit war da. Stichwort Personalisierung und geringeres Kartenkontingent pro Käufer.
Geehrte Onkelz
Sicher hat dieser Brief keine Relevanz mehr auf den ausgeführten Kartenverkauf und kann diesen nicht Rückgängig machen, aber bitte bedenkt noch einmal innerlich, was da heute abgelaufen ist und auch Montag wieder passieren wird. Das es Montag genauso kommt, beim selben Prinzip, dafür lege ich meine Hand in Terpentin.
Ein treuer Schweizer Onkelz Fan!
„Danke für Nichts“ – das trifft heute für viele Anhänger zu.