22. Oktober 2020
Das schottische Auslesegerät versteht das schwedische Auto. Aber warum?
Auf dem Rückweg vom Zahnarzt halten wir an der Autowerkstatt, um die Sache mit der Lüftung klären zu lassen. Der Werkstattbetreiber setzt sich selbst ins Auto und probiert aus, ob es wirklich ein Problem gibt oder ob wir uns nur dumm anstellen. Es gibt wirklich ein Problem. Er schließt ein Gerät ans Auto an und findet mit Hilfe dieses Geräts heraus, dass ein bestimmter Sensor defekt ist. Er verspricht uns, zu recherchieren, wo dieser Sensor überhaupt sitzt, und falls sich herausstellt, dass er von dieser nicht besonders auf Elektronik oder auch nur Elektrik spezialisierten Werkstatt erreichbar ist, einen neuen zu bestellen.
Als wir weiterfahren, äußert Aleks sich überrascht über dieses Wundergerät. “Ach das”, sage ich, “das ist ein Dingsgerät, das kenne ich aus dem Techniktagebuch. Das ist überhaupt nicht neu.” Dann sehe ich im Techniktagebuch nach, wie das Dingsgerät heißt und lese Aleks vor, warum Volker König sich ein OBD-II-Auslesegerät gekauft hat und wozu er es bisher brauchen konnte.
Aber wie kann es sein, fragt Aleks, dass es dafür einen internationalen Standard gibt? Hat das die EU irgendwie durchgesetzt? “Ich könnte mir vorstellen ...”, sage ich, “... ach egal, ich schau nach.” Der deutschsprachige Wikipediaeintrag “On-Board-Diagnose” ist keine Hilfe, aber im englischsprachigen steht alles genau erklärt: Ansatzweise gibt es solche Diagnosesysteme seit 1969, bei Neufahrzeugen gefordert wurden sie in Kalifornien seit 1988, einen Standard dafür gibt es auf Wunsch der “Society of Automotive Engineers” ungefähr seit Anfang der 90er, ab 1996 war es für alle Autos in den USA vorgeschrieben und die EU hat wenige Jahre später nachgezogen. “Es war also gar nicht die EU, sondern Kalifornien”, sage ich, “und wenn dein Auto zwei Jahre älter wäre, ginge es wahrscheinlich noch gar nicht, weil es für Diesel in der EU erst seit 2004 Vorschrift ist.”
Aleks ist so überrascht und beeindruckt, wie ich es im Nachhinein auch gern gewesen wäre, denn natürlich hat er recht: “Dass man einen vierzehn Jahre alten Volvo mit einem Messgerät in irgendeiner ganz normalen schottischen Autowerkstatt diagnostizieren kann! So was gibt es doch sonst gar nicht, also abgesehen von USB oder so. Wie schwierig es ist, gemischte Netzwerke zu betreiben! Wie schwierig es ist, von dem Mac im Observatorium eine Verbindung zu einem Linux-Computer herzustellen ... also abgesehen von SSH, ich meine eine richtige, normale Verbindung. Also Computer sind ja auch noch mal unterschiedlich auf fundamentaler Ebene. Dass dann am Ende auch noch so eine komfortable Schnittstelle rauskommt. Vielleicht gab es vorher schon ein gemeinsames Betriebssystem? Oder vielleicht haben sie alle so ein ähnliches Betriebssystem verwendet? Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie dann angefangen haben, alle ihre Software komplett umzubauen.”
Ich zweifle an, dass da überhaupt Betriebssysteme im Spiel sein können, wenn es das schon so lange gibt. Irgendwelche Elektronik ja, aber Bordcomputer nein. Aleks ist der Meinung, dass es doch Bordcomputer sein müssen, es sei doch jetzt in jeder Waschmaschine einer. “Ja aber damals doch noch nicht!”, protestiere ich. Im OBD-Wikipediaeintrag steht, dass sich die Bordsysteme anfangs nur über “Blinky Codes” mit der Außenwelt verständigen konnten, und ich stelle mir vor, dass man dafür nur ... ich weiß nicht was braucht, aber doch sicher nichts, was ein Betriebssystem hat.
Diese Frage ließ sich bisher weder durch halbherziges Suchen im Netz noch durch Befragung der Techniktagebuch-Redaktion klären. Falls es jemand weiß, freue ich mich über Zuschriften und werde die Antwort hier einfügen.
(Kathrin Passig)









