Monitore, Drucker, Dataphon und Joysticks – Quelle-Katalog (1987)

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Monitore, Drucker, Dataphon und Joysticks – Quelle-Katalog (1987)
24. November 1992
ICH MÖCHTE EINEN VGA-FARBMONITOR!
Also, die [Familie meines besten Freundes] haben Ende September einen neuen Computer bekommen. Einen PC mit 40 MByte Festplatte, 16 MHz, Windows und vor allem einen VGA-Color-Monitor. Unsereiner ist sich auch bewußt, daß er einen ebensolchen benötigt. Das heißt im Klartext soviel wie: "ICH MÖCHTE EINEN VGA-FARBMONITOR!" (…) Naja, ich wünsche mir einen zu Weihnachten, obwohl ich dann riskiere, nichts anderes zu bekommen; so ein Monitor kostet ja mindestens 800,- DM!
(Johannes Mirus; Auszug aus meinem Tagebuch)
September 1993 bis Sommer 1994
Jeder Computer ist portabel, man braucht halt ein Auto
Ich verbringe ein Jahr an der Uni Portsmouth. Mein Freund A. fährt mich mit seinem Auto nach England, was wichtig ist, denn erstens ist Fliegen noch teuer, und zweitens kann ich so meinen Computer mitnehmen. Er besteht aus einem Röhrenmonitor (etwa 13 oder 14 Zoll) und einem großen Gehäuse von etwa 50 x 50 x 20 cm. Der Monitor ist wohl schon ein Farbmonitor, jedenfalls werde ich in diesem Jahr sehr viel Minesweeper spielen.
Wie schon in Deutschland, wo A und ich in München und Berlin leben, verständigen wir uns durch das Zuschicken von digitalen Faxdokumenten. Man braucht dafür eine spezielle Steckkarte im Computer, in deren Rückseite ein Kabel mit dem amerikanischen RJ-Telefonstecker passt. Weil Telefone meistens noch nicht mit einem Stecker an eine Wandsteckdose angeschlossen, sondern fest verkabelt sind, endet dieses Kabel in zwei losen Drähten, die mit dem Telefonanschluss verzwirbelt werden müssen.
A. hat, glaube ich, in seiner WG schon zwei unterschiedliche Telefonanschlüsse für den Computer und das Telefon, es ist also relativ unkompliziert, ihm so ein Fax zu schicken. Sein Computer muss halt nur eingeschaltet sein. Mit meiner englischen WG ist es schwieriger, denn wir teilen uns zu viert einen Anschluss für alles. A. lässt also erst das Telefon zweimal klingeln, gibt mir dann ein paar Minuten Zeit, um gegebenenfalls den Computer einzuschalten und hochzufahren, und schickt dann das Fax. Das führt recht häufig dazu, dass meine Mitbewohner den Hörer abheben, wenn ein Fax kommt. Das wiederum bedeutet nicht nur das Fehlschlagen des Faxversands, man kann die Faxübertragung auch hören. Sie besteht aus einem lauten und unerfreulichen Schnarren und Zischen. Meine Mitbewohner ärgern sich darüber, und ich ärgere mich darüber, dass sie sich das mit dem Vorher-Klingeln-Lassen einfach nicht merken wollen. Sie warten auch gar nicht immer die zwei Klingeltöne des Vorwarn-Anrufs ab, sondern gehen manchmal sofort ans Telefon und erzeugen damit zusätzliche Kosten.
Die Computer an der Uni sind – zumindest in meinem Fachbereich – noch nicht mit der Außenwelt verbunden. Wenn ich etwas zu Hause Geschriebenes an der Uni ausdrucken will, muss ich es zu Hause in eine Datei drucken (für die Nachwelt: mit einer solchen Datei kann man dann nichts anderes mehr machen, man kann sie nur direkt an einen Drucker schicken), diese Datei auf einer 3,5-Zoll-Diskette an die Uni mitnehmen und sie dort ausdrucken. Ich kann nicht meine Word-Datei mit an einen Uni-Computer nehmen und dort bearbeiten, weil es auf den Uni-Rechnern kein Word gibt. Ich glaube, es gibt dort noch nicht einmal ein grafisches Betriebssystem. Wenn etwas mit der Druckdatei nicht stimmt, muss ich wieder nach Hause fahren, das Worddokument ändern, wieder in eine Datei drucken und damit zurück an die Uni (Fahrrad, ungefähr fünf Kilometer einfache Strecke, beide Richtungen bergauf).
Das alles ist ganz neu. Außer A. und zwei Exfreunden hat niemand, den ich kenne, einen Computer; meine Mitbewohner nicht und an der Uni auch niemand. Es interessiert sich aber auch niemand dafür.
(Kathrin Passig)