1970er, 1980er und bis wann eigentlich?
Bekennerschreiben kommen mit der Post
Bei meiner Arbeit in der Zentrale und in einigen Außenbüros der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in der ersten Hälfte der 1980er Jahre hatte ich immer wieder mit Bekennerschreiben zu tun: Nach Terroranschlägen, damals in der Regel von der Roten Armee Fraktion, gingen solche Erklärungen regelmäßig in den Redaktionen großer Zeitungen, vor allem aber der Nachrichtenagenturen ein. Die Täter erhofften sich davon die schnellste und umfassendste Verbreitung.
Bei dpa als größter Agentur in Deutschland war das immer wieder der Fall; viele Bekennerschreiben landeten aber auch bei der deutschen Redaktion der französischen Nachrichtenagentur AFP – da gab es wohl, so die Vermutung, aus 68er-Zeiten eine gewisse Affinität zu französischen Medien.
Die Bekennerschreiben kamen per Briefpost, wie auch sonst. Mit der Maschine getippte, oft mehrere Seiten umfassende Texte, die neben dem Hinweis auf die Tat auch eine lange politische Begründung enthielten. Und meist auch das Logo der RAF, eine Maschinenpistole vor einem roten Stern (übrigens eine stilisierte MP5 des deutschen Herstellers Heckler&Koch und nicht, wie oft falsch angenommen wird, eine Kalaschnikow).
Von allen Sekretärinnen hatte der Staatsschutz schon die Fingerabdrücke genommen. Denn die öffneten in der Regel morgens die eingegangene Post: Die Umschläge der Bekennerschreiben und die Schreiben selbst wurden auf Fingerabdrücke untersucht, da mussten die Abdrücke Dritter natürlich ausgeschlossen werden können.
Erst nach Analyse eventueller Fingerabdrücke und der Untersuchung des Schriftbildes kamen die Text-Experten zum Zug: Ob der Sprachgebrauch des Bekennerschreibens als authentisch eingeschätzt werden konnte und ob dieser Brief tatsächlich mit der Tat zu tun hatte.
Irgendwann kam dann nichts mehr mit der Post. Nicht nur, weil es zu lange dauert. Eine anonym versandte E-Mail bleibt trotz aller Internet-Forensik schwer nachzuverfolgen, und inzwischen werden Selbstbezichtigungen gleich auf einer einschlägigen Webseite veröffentlicht. Dass ein Bekennerschreiben - mit allen Zweifeln an der Echtheit - in der Nähe eines Tatortes gefunden wird, bleibt die Ausnahme.