sunday begleitet gemeinsam mit ihrem bruder und ihrer mutter den vater am sterbebett. in seiner heimatstadt in der kanadischen provinz liegt er nun im krankenhaus und jederzeit kann er seinem krebs erliegen. nicht nur die drei begleiten ihn, auch geschwister und andere familienmitglieder kommen, um persönlich von ihm abschied zu nehmen, solange es noch geht. sunday möchte es aber nicht akzeptieren, dass ihr vater stirbt. die passivität ihrer familie nervt sie, sie will versuchen, ihren vater am leben zu halten. sie weiß, dass er gehen muss aber sie hat einen plan, wie er dennoch bleibt. sunday nimmt unbemerkt jedes einzelne gespräch mit ihrem vater auf - sogar gespräche ihres vaters mit anderen familienangehörigen. sie hört sie sich hinterher an, dann transkribiert sie diese. sie ist dabei mit seinen worten - einfachen alltäglichen worten - einen computervirus zu programmieren, der sich über millionen computer weltweit verbreiten soll. nichts bösartiges - ihr vater soll einfach auf diese weise für immer präsent bleiben. in der schmerzlichen situation keimt die beziehung zu ihrem kleinen bruder langsam wieder auf, nachdem sie sich lange zeit entfremdet hatten und sunday holt ihn so nach und nach mit ins boot, dem vater das weiterleben zu schenken.
es ist eine an sich sehr traurige geschichte, sehr einfühlsam geschrieben und beschrieben, wie die familie auf einen solchen schicksalsschlag reagiert. doch trotz all der traurigkeit hinterlässt dieses buch, die gespräche, die sunday und ihre verwandten mit dem vater führen ein lächeln im gesicht. szenen, in denen sich sunday mit ihrem vater die todesanzeigen durchliest und sie sich gemeinsam darüber lustig machen, wie standardisiert diese sind und wie wenig sie dadurch über die verstorbene person aussagen, triefen vor britischem humor (auch wenn autor der geschichte kanadier ist....), die idee, wie der vater den krebs besiegen kann, überhaupt die grundidee, eine person mit hilfe eines computervirus ewig am leben zu halten - mensch-maschine... der tod des vaters ist unabwendbar, er geht mit humor, er geht liebend - aber kämpft er um sein leben, wie seine tochter es versucht zu tun? hat er aufgegeben? was bleibt vom menschen - von sundays vater - wenn er geht? ist ihr aufzeichnen der gespräche legitim? heiligt der zweck dieses mittel? joey comeau lässt nicht nur seine protagonistin über all diese fragen reflektieren, er gibt dem leser den gleichen auftrag. doch bei aller reflektion, hellt joey comeau die geschichte immer wieder mit sätzen wie diesem auf: “war das ein lächeln? du kannst nicht über meine witze lachen, ich liege im sterben!”. das buch zeigt ganz einfach eines: lesen macht freude!