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Nach Emery, Coke und Gameiro: Sevilla am Scheideweg
Sportdirektor Monchi soll den Umbruch bewerkstelligen
Dreimal in Folge gewann der FC Sevilla die Europa League. In der Knigsklasse sorgten die Andalusier selten fr Furore, im kleineren Wettbewerb aber vermochte keine Mannschaft sie zu stoppen. Im Sommer erlebte der Verein nun einen Umbruch, der unter den europischen Top-Klubs in den vergangenen Jahren seinesgleichen sucht. Ein Mammutprojekt fr Baumeister Monchi (47).
Der Substanzverlust ist enorm. Schaut man sich alleine die Abgnge an, bricht Sevilla im kommenden Jahr eine potenzielle erste Elf weg. Keeper Beto (89 Spiele fr Sevilla/34 Jahre/ist nun vereinslos) musste der jngeren Konkurrenz weichen, Identifikationsfigur Coke (173/29/fr 4 Mio. zum FC Schalke) wanderte nach fnf Jahren in Andalusien bekanntlich gen Gelsenkirchen ab. Polens EM-Fahrer Grzegorz Krychowiak (90/26/fr ber 30 Mio. zu PSG) blieb direkt in der franzsischen Hauptstadt – und wird Sevilla im defensiven Mittelfeld als Antreiber gewaltig fehlen.
Noch schlechter allerdings ist es um die Offensive bestellt: Kapitn Jos Antonio Reyes (242/32/ablsefrei zu Ligakonkurrent Espanyol Barcelona) fllt genau wie Taktgeber Ever Banega (185/28/ablsefrei zu Inter Mailand) weg. Lebensversicherung Kevin Gameiro (145/29/fr ber 30 Mio. zu Atletico), der in seiner Zeit bei den Europa-League-Spezialisten 67 Treffer und 17 Vorlagen beisteuerte, geht nun bei der ligainternen Konkurrenz auf Torejagd. Der Weggang des ehemaligen Dortmunders Ciro Immobile (26/15/fr 8,5 Mio. zu Lazio Rom) lsst den Kader zumindest nicht breiter werden.
Zu groe Schuhe fr Kiyotake, Ganso & Co.?
Die Fanlieblinge ersetzen sollen die vorwiegend unbekannten Franco Vazquez (27/kommt fr 15 Mio. aus Palermo), Joaquin Correa (21/kommt fr 13 Mio. aus Genua), der Brasilianer Ganso (26/kommt fr 9,5 Mio. aus Sao Paulo), Ex-Bundesligaspieler Hiroshi Kiyotake (26/kommt fr 6,5 Mio. aus Hannover) und Leihspieler Luciano Vietto (22/von Stammverein Atletico Madrid). Gleichwertiger Ersatz klingt freilich anders, mit einem vllig neuen Gesicht auf der Trainerbank wird das aber noch schwerer.
Denn: Erfolgscoach Unai Emery (44) wurde vor der Saison vom Guadalquivir an die Seine gelockt, Paris St. Germain wollte den dreimaligen Europa-League-Sieger unbedingt als Nachfolger fr den geschassten Laurent Blanc haben. Der Taktik-Fuchs gilt als „Besessener“, der Sevilla mit seinem Fhrungsstil an die europische Spitze fhrte. Mit sich nahm Emery Leistungstrger Krychowiak.
Die Wahl fiel schlielich auf Jorge Sampaoli (56), der in Europa noch ein komplett unbeschriebenes Blatt ist. Der Argentinier verdiente sich vor allem fr sein Engagement bei der chilenischen Nationalmannschaft erste Meriten. Schnell feierte Sampaoli Achtungserfolge, nachdem er Chile zur Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gefhrt hatte. Die Gruppe mit Australien (3:1), Spanien (2:0) und den Niederlanden (0:1) berstanden die Lateinamerikaner als Zweiter, im Achtelfinale hatte man Gastgeber Brasilien am Rande einer Niederlage (2:3 i.E.). Im Sommer 2015 sprang bei der Copa America der erste offizielle Titel fr die Chilenen heraus, im Januar 2016 trat Sampaoli nach groem Zwist mit der Verbandsspitze zurck.
Monchis Abgang wre zu viel gewesen
Dass der 56-Jhrige nun in Europa seine Chance bekommt, hngt freilich mit Monchi zusammen. So wie eigentlich alles in Sevilla. Sucht man nmlich nach dem wahren Architekten des Erfolgs, verweisen sie einen in Andalusien stets auf Ramon Rodriguez Verdejo (Spitzname: Monchi). Seit 2000 ist er Sportdirektor – und machte aus dem bankrotten Zweitligisten den vierfachen Europa-Champion. Sein Transfergespr (u.a. Rakitic, Dani Alves) gilt in Spanien als einmalig, Angebote von Real Madrid und Barcelona schlug er in der Vergangenheit aus.
Ende Mai dann der Paukenschlag: Spanische Medien berichteten davon, Monchi knnte schon bald den Verein verlassen. Den Verein, den er hchstpersnlich gro gemacht hatte. Manchester United und speziell dessen neuer Coach Jos Mourinho galten als hchst interessiert. Doch binnen eines Tages folgte die Kehrtwende, stundenlange Gesprche mit der Klubfhrung besttigten Monchi darin, sein bis 2020 gltiges Arbeitspapier vorerst weiter zu erfllen. Um ihn berhaupt aus seinem Kontrakt rauszubekommen, htte die Konkurrenz fnf (!) Millionen Euro in die Hand nehmen mssen.
Am Ende entschied bei Monchi aber doch das Herz, das so fest an Sevilla hngt. Nun wartet eine echte Mammutaufgabe auf ihn. Doch der Sportdirektor der Andalusier hat in der Vergangenheit schon immer Spieler ausgegraben, die im Sden Spaniens pltzliche Leistungsexplosionen erlebten. Wenn einer Sevilla also nach dem riesigen Umbruch wieder hinbekommen drfte, dann Monchi.
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