Ich leide und du lebst weiter.
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Ich leide und du lebst weiter.
Manchmal vergesse ich, das schlechte Zeiten nicht ewig anhalten. Das nach dem Regen, wieder Sonne folgt und ich den blauen Himmel sehen kann, der das Gute mit sich bringt.
Und ich halte immer noch an etwas fest, was schon lange nicht mehr da ist. Wie dumm von mir.
Manchmal ist es mir egal, ob mich irgendjemand mag. Wenn mich niemand mag, lebe ich doch trotzdem weiter.
Ich sitze am Mittagstisch mit einigen Göttinger Doktoranden und Habilitanden. Einer berichtet, er habe in Jerusalem einen alten Ungarn kennengelernt, der sei in Auschwitz gefangen gewesen, und trotzdem, »im selben Atem« hätte der auf die Araber geschimpft, die seien alle schlechte Menschen. Wie kann einer, der in Auschwitz war, so reden? fragte der Deutsche. Ich hake ein, bemerke, vielleicht härter als nötig, was erwarte man denn, Auschwitz sei keine Lehranstalt für irgendetwas gewesen und schon gar nicht für Humanität und Toleranz. Von den KZs kam nichts Gutes, und ausgerechnet sittliche Läuterung erwarte er? Sie seien die allernutzlosesten Einrichtungen gewesen, das möge man festhalten, auch wenn man sonst nichts über sie wisse. Man gibt mir weder recht, noch widerspricht man mir.
Ruth Klüger, weiter leben. Eine Jugend (1992)
Gib mich bitte nicht auf, ich drohe abzusaufen, bitte hör doch nicht auf an mich zu glauben.
~Wirtz
Und jetzt rauche ich eine Schachtel nach der anderen.
Ich wollte sterben, als du schluss gemacht hast.