Outfittery – ein Erfahrungsbericht
Seit meiner Kindheit hasse ich es zu shoppen – vor allem Kleidung. Keine Alltagsaufgabe stresst mich mehr als volle Kaufhäuser, Umkleiden, das unübersichtliche Warenangebot. Betrete ich ein Kaufhaus, setzen Fluchtreflexe bei mir ein.
Andererseits sehe ich ein, dass Kleidung nicht unwichtig ist. Ich möchte nicht durch meine Kleidung auffallen, definiere mich keinesfalls über irgendwelche Marken und bin weiß Gott kein Modefreak – aber einigermaßen schick gekleidet durchs Leben zu laufen hat eben doch viele Vorteile.
Deshalb habe ich mich bei Outfittery angemeldet – ein Berliner „Curated Shopping“-Anbieter, der Männer die Qualen des Shoppens bei Mode abnehmen will – inklusive Stil-Beratung.
Bevor ich weiterschreibe, jedoch ein kurzer Disclaimer:
Den folgenden Erfahrungsbericht schreibe ich als Privatmann – nicht als Journalist. Ich arbeite als festangestellter Tech-Redakteur bei der Welt. Hier und am Ende des Berichts findet sich ein Anmelde-Link, über den man sich mit einem Startguthaben von 50 Euro bei Outfittery anmelden kann. Dabei handelt es sich um einen Link, er mir ebenfalls einen Bonus von 50 Euro bei Outfittery bringt. Ich werde meine Erfahrung mit dem Dienst so objektiv wie möglich darstellen – unabhängig davon, dass ich davon profitiere, dass sich Nutzer über diesen Link anmelden können.
Die Anmeldung ist schnell und unkompliziert – nicht einmal ein Zahlungsmittel muss hinterlegt sein, es kann auch später auf Rechnung bezahlt werden. Die Online-Abfrage, was den eigenen Stil und Vorlieben angeht, empfand ich als sehr gut. Von Anfang an sah ich Kleidungsstile, die mir gefielen, es wurden die wichtigsten „No-Gos“ abgefragt – zum Beispiel große Logos auf der Kleidung, große Karomuster oder rosafarbene Kleidung. Auf das Hochladen eines Fotos verzichtete ich.
Danach bekam ich einen Anruf von meinem „persönlichen Styleberater.“ Der junge Mann war am Telefon zwar freundlich, wirkte auf mich aber trotzdem so, als ginge es ihm vor alle darum, mich möglichst schnell abzufertigen. Die Dialoge wirkten sehr stark an Routinen orientiert. Er besprach mit mir grob, was er in die Outfittery-Kleidungsbox legen sollte. Das meiste davon fand sich später auch in der Box – eine bestellte kurze Hose aber beispielsweise nicht. Mein Eindruck nach dem Gespräch: Dem „Styleberater“ geht es vor allem darum möglichst viele Boxen innerhalb kurzer Zeit rauszuschicken und dabei die Retourenquote gering zu halten. Ich vermute, dass es bei Outfittery intern entsprechende Boni gibt.
Der Eindruck der eher schnellen Abfertigung verfestigt sich dann auch mit der ersten Box: Der „persönliche Styleberater“ legte eine anscheinend handgeschriebene Postkarte bei, spricht mich dort aber (wie auch in einer E-Mail) mit „Herr Dörner“ an und siezt mich, obwohl wir uns am Telefon schon auf das Du verständigt haben. Der Berater ist per Telefon und E-Mail erreichbar.
So richtig transparent ist der Bestellvorgang übrigens nicht – man weiß vorher nicht exakt, was man bekommt. Das macht allerdings natürlich auch einen Teil des Reizes aus. Mein Mitbewohner wollte sich nur anschauen, was es für Boxen gibt und hat sich dafür angemeldet. Er trieb den Bestellvorgang immer weiter in der Hoffnung, irgendwann mal zu sehen, was genau er bestellt. Am Ende bekam er dann eine Outfittery-Box geliefert, ohne dass er das wirklich wollte. Ein Problem ist das nicht: Die Box lässt sich mit dem beigelegten Retouren-Schein problemlos wieder zurückschicken.
Bei der Kerndisziplin, auf die es ankommt, hat mich Outfittery überzeugt: Die mir zugeschickte Kleidung hat meine Vorlieben echt gut getroffen. Sie sitzt gut, sie sieht gut aus, sie macht einen hochwertigen Eindruck. Ich habe aus der Box nur drei Kleidungsstücke zurückgesendet: Ein weißes T-Shirt mit prominenten Logo (ich hatte zuvor allerdings das „No-Go“ Logos auf Kleidung auch nicht ausgewählt), eine Levi’s-Jeans, deren Knopf sich nicht öffnen ließ (ich bekomme Ersatz, die Hose gefällt mir ansonsten sehr gut) und die Turnschuhe, die mir zwar gefallen aber etwas zu groß ausfallen, obwohl sie in der Größe sind, die ich ansonsten bei Adidas-Turnschuhen trage. Auch meinem Mitbewohner gefiel die ihm zugeschickte Kleidung – tatsächlich ein ganz anderer Stil – sehr gut.
Auch das Erlebnis beim Auspacken und die Abwicklung hat Outfittery voll im Griff – die Aufmachung der Box und die Art, wie die Kleidung darin verpackt ist, macht was her. Der Box ist ein Retouren-Aufkleber beigelegt, der einfach über den Aufkleber mit der eigenen Adresse geklebt wird. Auf einem beigelegten Zettel stehen die Modeartikel mit dem jeweiligen Preisen – Artikel, die man behält, werden mit einem Kreuz markiert. Der Rest wandert wieder in die Box und wird zurückgeschickt. Im Formular kann nach einem einfachen Zahlensystem noch eingetragen werden, warum die einzelnen Sachen zurückgeschickt werden – von „zu groß/zu klein“ über „defekt“ und „gefällt nicht“ bis „kein Bedarf.“
Ich habe mich für eine Abrechnung per Kreditkarte entschieden. Nach sieben Tagen wird daher die Kleidung, die ich nicht zurückgeschickt habe, von meiner Kreditkarte abgebucht. Wer das nicht möchte, kann den Betrag auch nach sieben Tagen überweisen. Für den Versand und Rückversand wird DHL verwendet – also kein Billiganbieter wie Hermes oder GLS. Man muss das Paket auch nicht selbst zur Post bringen – online kann man einen Abholtermin einstellen.
Günstig ist Outfittery natürlich nicht – wer auf günstige Preis aus ist, muss sich den Stress der Sonderangebote-Jagd in der Innenstadt antun oder online vergleichen. Man zahlt den regulären Vollpreis – und das bedeutet in der Regel einen saftigen Aufpreis gegenüber dem Online-Preis. Den Tommy-Hilfiger-Pullover Fran Blue, für den ich jetzt beispielsweise den Vollpreis von 100 Euro bezahlt habe, hätte ich bei Amazon für 42 Euro bekommen. Die Sneakers Le Coq Sportif Gaspar Grey gab es bei Outfittery für den Vollpreis von 90 Euro – bei Amazon kosten sie in Größe 46 derzeit 56 Euro.
Für mein Outfit hätte ich insgesamt mehr als 830 Euro bezahlt, wenn ich alles behalten hätte. Darin enthalten waren zwei Hosen, ein Jackett, zwei Hemden, ein Paar Schuhe, ein Ledergürtel, ein Pullover, eine Strickjacke und ein T-Shirt. Für einige Arten von Kleidung lässt sich auf der Webseite einfach per Schieberegel die gewünschte Preisspanne einstellen – diese beginnt aber bei allen Items schon auf recht hohem Niveau. Schuhe beginnen bei 60 Euro, Jeans bei 50 Euro, Hemden bei 40 Euro und Sakkos bei 100 Euro. Das teuerste Item meiner ersten Box war ein Jackett für 150 Euro, das mir sehr gut gefällt – das günstigste war ein T-Shirt für 25 Euro.
Nachdem ich mich angemeldet hatte, bekam ich einen Link auf die Webseite, mit dem ich Freunde werben konnte. In der E-Mail stand dieser Link hinter den Worten „Jetzt Freunde empfehlen:“. Ich teilte den Link in einem privaten Forum von Freunden und öffentlich bei Twitter.
Ein großer Fehler: Leider handelte es sich dabei nicht direkt um einen Referrer-Link, sondern um eine Übersichtsseite meines Accounts – und dort es findet man den klassischen Referrer-Link, der sowohl mit als auch dem Neukunden einen 50-Euro-Bonus auf den Einkauf bringt.
Hier offenbarte sich eine echte Sicherheitslücke im Konzept von Outfittery: Jeder, der den Link hatte, war sofort auf Outfittery mit meinem Account eingeloggt und konnte sämtliche persönlichen Daten nicht nur einsehen, sondern auch direkt ändern. Ein Passwort wurde dazu nicht abgefragt. Ein Freund probierte das auch direkt munter aus und änderte unter anderem meinen Vornamen in „Stephan Penis“ und meine Branche von „Journalismus“ zu „Gay Porn.“ Von anderen Nutzern auf Twitter wurde das dann gesehen. Auch Bestellungen konnten mit meiner Kreditkarte getätigt werden – sogar auf andere Adressen.
Ich habe Mitgründerin und Co-Geschäftsführerin Julia Bösch darüber per Twitter informiert. Sie entschuldigte sich für die missverständliche Formulierung in der E-Mail und kündigte an, den Text sofort auszutauschen. Das eigentliche Sicherheitsproblem, dass jemand allein durch die Kenntnis eines Links auf der Seite ohne Passwortabfrage mit einem Account eingeloggt ist und persönliche Angaben sowie Bestellungen sowohl einsehen als auch ändern kann, ist damit aber nicht aus der Welt. Julia hatte ich den Artikel vorab zugesendet, damit sie die Möglichkeit zur Stellungnahme hat - daraufhin hat sie sich aber nicht mehr gemeldet.
Ich werde bei Outifittery bleiben, denn einerseits gefallen mir die Klamotten wirklich gut – andererseits nimmt es mir einen großen Stressfaktor im Alltag. Günstig ist das nicht – wer normal online bestellt, spart viel Geld. Das Sicherheitsproblem sollte unbedingt gelöst werden – es ist inakzeptabel, dass ein Nutzer allein durch die Kenntnis eines Links eingeloggt ist. Die „persönliche Beratung“ erschien mir eher wie Fließbandarbeit – aber so lange das Ergebnis stimmt, bin ich zufrieden. Und was nicht gefällt, kann ja jederzeit auch wieder zurückgesendet werden.
Das Nutzerlebnis beim Auspacken und Zurücksenden hat Outfittery sehr gut hinbekommen. Ich würde fast so weit gehen und sagen, dass ich mich auf meine nächste Outfittery-Box freue – und das ist im Vergleich zur Abscheu, die ich empfinde, wenn ich bisher ans Mode-Shoppen dachte, echt ein Meilenstein in der Lebensqualität.
Hier geht es zum Sponsored Link mit 50-Euro-Gutschein:
http://www.outfittery.de/r/1dc843f50e6ebdf13f758c8b76ab43e4/ly