2025-04-21
Italienisches Internet 1995–2025
Seit 1994 nutze ich das Internet, und kurz darauf mache ich zum ersten Mal Urlaub in einem kleinen italienischen Ort. Das Internet gibt es (für mich) zu diesem Zeitpunkt nur in den PC-Pools meiner Universität, und Urlaub ist gleichbedeutend mit offline. 1999 buchen die Ferienwohnungsbesitzer einen Festnetzanschluss der Telecom Italia mit Internet-Option. Angesichts der hohen Minutenpreise für den Dial-Up-Zugang rufe ich in einem dreiwöchigen Urlaub höchstens zweimal mein E-Mail-Postfach auf.
Die Situation ändert sich, als die Università degli Studi di Milano ihre dörfliche Außenstelle 2005 mit einem drahtlosen Netzwerk-Zugang (eduroam) ausstattet, das für Hochschulmitglieder aus aller Welt nutzbar ist. Das WLAN-Signal ist allerdings wegen der dicken Mauern des Gebäudes nur sehr schwach, und die Mitarbeiterinnen beäugen mich etwas misstrauisch, wenn ich mit aufgeklapptem Laptop in der Nähe der Eingangstür herumlungere.
Seit 2010 gibt es das staatlich finanzierte Free WiFi BresciaGov, für das zwei Access Points im Ort installiert werden – einer am Rathaus und einer am Strand. Das Datenvolumen ist auf 100 MB/Tag beschränkt, aber meine Ansprüche (E-Mail und RSS-Feeds) sind immer noch gering. Die Access Points werden nach der Einrichtung offenbar nicht gewartet, denn die Zuverlässigkeit sinkt in den folgenden Jahren stetig. 2019 wird der Dienst in ein Nachfolgeprojekt überführt, und die Access Points werden abgebaut.
Das ist aber nicht so schlimm, weil die Europäische Union 2017 mit Roam Like at Home die Voraussetzungen für die erschwingliche europaweite Internet-Nutzung per Mobilfunk geschaffen hat. Mein heimatliches Datenvolumen reicht ungefähr ab 2020 auch für längere Urlaube aus, wenn ich auf Video-Streaming verzichte.
Im April 2025 stoße ich trotzdem an die Grenzen meines 20 GB-Budgets (was ich mir 1995 nicht hätte vorstellen können). Ich erinnere mich an Kathrin Passigs Erfahrungen mit dem Schweizer Internet und buche eine eSim bei maya.net (20 GB für 20,69 Euro). Die Einrichtung dauert nur 2 Minuten, ich muss den APN (anders als Kathrin) nicht von Hand konfigurieren, und die aktivierte eSIM kann sogar mit Datenvolumen für andere Weltregionen aufgeladen werden.
(Jan Eden)













