Freeze & Dimmer 1985
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Freeze & Dimmer 1985
ungefähr Dezember 2023 bis mindestens Januar 2026
Never-ending Flurlicht
Wir haben einen Wohnungsflur, der kein Tageslicht abbekommt – zumindest, wenn alle abgehenden Türen geschlossen sind. Mich nervt schon lange, dass ich selbst tagsüber das Licht antasten muss. Im Dezember 2023 tüftle ich daher verstärkt an einer technischen Lösung. Aus Gründen, die ich heute nicht mehr ganz präsent habe, erscheinen mir Bewegungsmelder zu träge, daher plane ich, einen Luftdrucksensor zu installieren, der die Druckveränderung beim Öffnen einer Tür erkennt und darauf das Licht einschaltet. So – erhoffe ich mir – ginge das Licht schon beim Öffnen der Tür an und nicht erst, nachdem man zwei Schritte ins Dunkle gemacht hat. Ich denke auch über einen Schallsensor nach, der vielleicht das Licht mahnend blinken lässt, wenn nachts zu laut auf dem Flur gesprochen wird (hinter einer der Türen wird geschlafen). Und einen Bewegungsmelder, der das Licht eingeschaltet lässt, wenn man sich länger im Flur aufhält. Tagsüber soll das Licht hell und weiß sein, nachts eher gelblich und schwächer. Das ganze von ioBroker gesteuert und so weiter. Aber wie es so ist mit over-engineerten, überambitionierten Projekten: sie versanden.
Einstweilen wende ich mich einem anderen ausufernden Lichtprojekt zu. Im Dezember 2025 nervt mich das Thema mal wieder besonders und ich schlage vor, Milchglas in die Wohnzimmertür einsetzen zu lassen, damit wenigstens tagsüber Licht in den Flur fällt. Das geht aber nicht durch den Familienrat - die schöne alte Holztür soll nicht angerührt werden.
Zeitgleich plane ich für ein anderes Gebäude ein automatisches Flurlicht, diesmal mit einem fertigen WLAN-fähigen Dimm-Modul, das in den Elektroverteiler eingebaut wird. Plötzlich sehe ich Parallelen zum eigenen, versandeten Flurlichtprojekt und baue das Dimm-Modul, das ich zum Testen bestellt habe, kurzerhand bei uns ins Haus, anstatt einen Testaufbau auf ein Brett zu schrauben.
Das Ganze lässt sich vielversprechend an – man kann zu verschiedenen Tageszeiten das Licht an- und ausgehen lassen, und das auch mit verschiedenen Dimmwerten verknüpfen. Als Zeitpunkt lässt sich auch Sonnenauf- und untergang festlegen, oder eine Zeit relativ dazu (das Kästchen hat eine Echtzeituhr eingebaut, die dank Internetverbindung über WLAN aktuell bleibt).
Kurz erschrecke ich, weil ich keinen Timer finde, um eine Minute nach Tastendruck das Licht wieder ausgehen zu lassen wie bei einem Treppenlichtschalter. Dann sehe ich, dass man auf diesem winzigen Hutschienending JavaScript ausführen kann. Weil ich das nicht beherrsche, schildere ich der KI meine Vorstellungen und bekomme nach wenigen Korrekturen einen funktionsfähigen Code geliefert - zunächst übersichtliche 40 Zeilen.
So baue ich im ersten Schritt die Funktion des bisherigen Treppenhaus-Zeitschalters nach: kurz tasten lässt das Licht für zwei Minuten angehen, lang tasten schaltet das Licht für unbegrenzte Zeit ein (oder aus). Auch für letzteren Modus ist JavaScript nötig, da die Nutzeroberfläche kein „Toggeln“ des Zustands vorsieht. Ich freue mich sehr, als das alles klappt, bin nur etwas genervt von der spürbaren Verzögerung zwischen Tastendruck und Aufdimmen der Lampe. Das ist aber unumgänglich, wie mir irgendwann aufgeht:
Ein Treppenhausrelais schaltet das Licht bei Tastendruck (also schon vor dem Loslassen) ein, ohne spürbare Verzögerung. Smarte Dimmer warten nach dem Drücken erst mal ab: ist das ein kurzer Tastendruck oder wird ein langer daraus? Und nach dem Loslassen warten sie noch ein bisschen weiter: drückt er gleich noch mal? Oder gar ein drittes Mal? Denn diese vier Events (kurzer Druck, langer Druck, Doppel- und Dreifachklick) kann ich mit eigenen Funktionen belegen. Und muss mich also vermutlich mit der Verzögerung abfinden.
Ein paar Iterationen später tut das Skript alles, was ich mir wünsche:
Bei Sonnenuntergang geht das Flurlicht schwach an - ausreichend hell zum Durchlaufen.
Drücke ich den Wandtaster, weil ich mehr Licht brauche, dimmt es für zwei Minuten voll auf. Danach geht es ganz aus (tagsüber und nachts) oder fällt auf das schwache Licht zurück (abends).
Nach 23 Uhr geht das Licht ganz aus.
Drücke ich zwischen 23 und 7 Uhr den Taster, geht das Licht für zwei Minuten an, aber nur mit reduzierter Helligkeit (nachts auf dem Weg zum Klo will man nicht von voller Helligkeit geblendet werden).
Ein langer Tastendruck schaltet das Licht für unbegrenzte Zeit auf volle Helligkeit, unabhängig von der Tageszeit. Der nächste lange Tastendruck schaltet es ganz aus.
Der Code ist zwischendurch auf 180 Zeilen angewachsen, etwa weil die KI Funktionen wie die Berechnung des Sonnenuntergangs nachbaut, obwohl das Modul das selbst kann ...
...oder weil sie übereifrig weitere Funktionen einbaut, um die ich gar nicht gebeten hatte. Und den Code auf dem Weg auch mal zerschießt, wobei die Reparatur noch umfangreicheren Code ... Nachdem ich darum bitte, Unnötiges wegzulassen, bekomme ich eine zusammengekürzte Fassung mit knapp 80 Zeilen.
Nach meinen bisher eher durchwachsenen Erfahrungen mit KI (hier und hier) war diese recht positiv. Und wenn etwas nicht auf Anhieb funktionierte, konnte ich es meist auf unpräzise Aufgabenstellung meinerseits zurückführen.
Als nächste Ausbaustufe überlege ich, einen kombinierten Helligkeits-/Bewegungssensor (vom selben Hersteller) per Bluetooth mit dem Dimm-Modul zu koppeln. Dann würde das Licht beim Betreten des Flurs von selbst aufdimmen, und man könnte sagen: wenn tagsüber alle Türen zu sind, soll das Licht schwach angehen. Fällt genug Tageslicht in den Flur, weil eine der Türen offensteht, kann es ausgehen. Aber vielleicht ist das schon wieder over-engineert und wird nie realisiert werden.
(Lennart Schütz)
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