21.11.2020
Keine Fregola, aber auch kein Drama
Ich bin in einem hippen Hundekuchenladen und möchte bezahlen. Zwar habe ich Bargeld, das möchte ich aber eigentlich lieber für andere Zwecke behalten, also für Zwecke, wenn man wirklich gar nicht mit Karte bezahlen kann und hier kann man das eigentlich.
Eigentlich, sagt die Verkäuferin, aber das Gerät spinnt heute und zeigt an, dass man das falsche Passwort eingetippt hat. Wir versuchen es trotzdem, ich stecke meine Karte ein und habe instantan meine PIN vergessen. Es liegt auch ein bisschen am Gerät, das so ein kleines weißes Ding ist, auf dem einem jegliche motorische Erinnerung flöten geht. Ich tippe also etwas unsicher meine Nummer ein und bekomme die Meldung, dass die PIN falsch ist. Ich probiere es noch mal, gleich Meldung.
Na gut, denke ich, dann ist wohl das Gerät kaputt, und ich zahle mit Bargeld.
Im nächsten Laden kann ich mit Kreditkarte zahlen, da muss ich gar nichts eingeben.
Dann will ich noch in einem italienischen Feinkostladen Fregola kaufen, also kleine runde Nudeln, die ich sonst noch in keinem Supermarkt gefunden habe. Natürlich bleibt es nicht bei den Nudeln, ich nehme auch noch einen Sekt mit und ein Tiramisu und ein paar Mandelkekse und komme auf eine Summe, die ich auch gerne mit Karte zahlen würde. Ich gebe meine Nummer ein, die PIN stimmt schon wieder nicht, ist also wahrscheinlich wirklich falsch. Also gebe ich sie ein bisschen anders ein, weil ich annehme, den Zahlendreher erkannt zu haben, jetzt zeigt mir das Gerät an, dass die Karte gesperrt ist, die zwei Fehlversuche im Hundekuchenladen lagen also doch an mir und nicht am Gerät und wurden auch eifrig an irgendeinen Server gemeldet. Aufgrund ungünstiger Preiskombinationen muss ich ausgerechnet die Nudeln zurücklassen, wegen denen ich ja eigentlich gekommen bin, aber jetzt weiß ich immerhin, wo es sie gibt.
Ich habe jetzt nicht mehr genug Geld, um alle Einkäufe zu bezahlen, also sortieren wir solange rum, bis mein Bargeld noch reicht, denn Kreditkarte nehmen sie nicht, es ist Samstag, so dass ich auch nicht zur Bank gehen und am Schalter Geld holen könnte und am Geldautomaten werde ich jetzt mit der gesperrten Karte auch kein Geld bekommen.
Draußen vor dem Laden rufe ich über die Banking-App beim Service der Bank an und werde zu einem Mitarbeiter verbunden, der mir mitteilt, er könne die Sperrung noch gar nicht sehen, aber er hätte es jetzt einfach entsperrt, es könne nur bis zu drei Stunden dauern, bis das auch überall wirksam wird. Sicherheitshalber probiere ich nicht aus, ob ich schon am Bankautomaten Geld abholen kann, denn die Gefahr, dass die Entsperrung noch nicht erkannt und meine Karte einfach einbehalten wird, scheint mir zu groß.
Im Supermarkt kann ich mit meinem Smartphone bezahlen und alle weiteren Erledigungen also ohne Bankkarte erledigen. Als ich am Montag wieder etwas einkaufen möchte, packe ich sicherheitshalber die Karte für ein anderes Girokonto ins Portemonnaie und prüfe noch mal alle PINs. Tatsächlich war der Zahlendreher ein ganz anderer und bis zum nächsten Geheimzahl-Blackout dürften jetzt wieder ein paar Jahre vergehen.
(Anne Schüßler)












