Cinder & Ella
Ella ist eine leidenschaftliche Buchbloggerin. Ihren besten Freund Cinder kennt sie nur über das Internet, sie sind sich noch nie persönlich begegnet. Das Einzige, was sie über ihn weiß, ist, dass er ein berühmter Filmstar in Hollywood ist. Als sie sich gerade ein bisschen näher kommen, hat Ella einen schrecklichen Autounfall, der ihr ihre Mutter nimmt und sie für ihr Leben zeichnet. Ella muss über Monate hinweg mühsam wieder auf die Beine kommen und lernen sich zu akzeptieren. Und dann tritt auf einmal Cinder wieder in ihr Leben.
Das Buch beginnt schon sehr krass mit einem buchstäblichen Knall. Dadurch war ich direkt in der Geschichte drin und schon das erste Mal vollständig geschockt. Ich mag solche Geschichten sehr gern, da man nicht erst lange Erklärungen bekommt, bevor es richtig losgeht, sondern man die Hintergründe nach und nach während des Erzählens erfährt.
Cinder und Ella fand ich vom ersten Satz an sympathisch. Sie haben eine Lebensfreude, Witz und Charme ausgestrahlt, dass mir sofort warm ums Herz wurde. Auch nach ihrem Unfall verliert Ella ihren Humor nicht, auch wenn sie berechtigterweise um einiges negativer geworden ist. Für ihre Umstände ist sie für mich eine absolute Heldin. Mein einziger Kritikpunkt an den Hauptcharakteren: Cinder heißt in Wirklichkeit Brian. Brian! Wer nennt seinen Titelhelden denn Brian??
Für Ella geht es zuerst eine ganze Weile steil bergab. Sie muss kämpfen, sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden und in der Schule mit Spott und Mobbing klar kommen. Mein Herz hat die ganze Zeit für sie geblutet, und ich habe mich unheimlich gefreut, als es dann langsam bergauf ging. Sie findet Freunde, gewinnt ihr Lachen zurück und sie hat Cinder, auf den sie sich stützen kann.
Es gibt eine ganze Reihe an Nebenfiguren, die ich mal mehr und mal weniger gut leiden konnte. Juliette und Vivian fand ich ausnahmslos klasse. Juliette braucht zwar ein bisschen, aber dann ist sie wirklich etwas ganz besonderes. Kaylee, Anastasia und Jason fand ich genauso furchtbar wie wahrscheinlich von der Autorin beabsichtigt. Sie waren egoistisch und absolut nervtötend. Trotzdem haben sie Ella auf eine ganz eigene Weise herausgefordert, also Kelly Oram hat bei diesen Dreien ganze Arbeit geleistet. Was ich von Jennifer und Ellas Dad halten sollte, wusste ich nicht so genau. Beide waren bemüht, Ella das Leben so leicht wie möglich zu machen, aber irgendwie haben sie dabei oftmals danebengegriffen. Ellas Psychiaterin und ihr Therapeutenteam mochte ich gern. Sie tauchten nicht besonders oft auf, haben aber stets hinter Ella gestanden und sie unterstützt.
Ich fand es amüsant, wie immer wieder auf "V is for Virgin", einen anderen Roman derselben Autorin, angespielt wurde. Es wurde nur im Nebensatz erwähnt, aber mir hat das gut gefallen. Kelly Orams Schreibstil hat mir bei "V is for Virgin" schon gut gefallen. Sie schreibt flüssig, authentisch und wirklich witzig. Da ist "Cinder & Ella" keine Ausnahme, einzig die Dialoge sind manchmal etwas lang geraten.
Auffällig ist natürlich der Titel, der an ein sehr bekanntes Märchen erinnert. Tatsächlich finden sich viele Parallelen, beispielsweise dass Cinder und Ella sich persönlich treffen, ohne zu wissen, wer der andere ist sowie dass Ella einen Gegenstand verliert, mit dessen Hilfe Cinder sie finden kann. Und dann sind da natürlich auch noch die mehr oder weniger bösen Stiefschwestern. Das hat mir alles gut gefallen, zumal alles gepasst hat und nichts übertrieben wurde.
Obwohl die Storyline, der Konflikt sowie die Auflösung vorhersehbar waren, war mir zu keiner Zeit langweilig. Die Autorin hat es geschafft, Ellas Geschichte unterhaltsam und authentisch zu erzählen, ohne etwas zu überspitzen oder zu beschönigen. Ich mochte, wie Cinder und Ella umeinander herumtanzen, wie sie miteinander flirten, sich gegenseitig ärgern und schließlich auch herausfinden, wer der jeweils andere ist.
Die Geschichte hatte für mich zwei Höhepunkte, und zwar zum einen die Fantasy Con, auf der Cinder und Ella sich das erste Mal wahrhaftig gegenüberstehen und zum anderen die Filmpremiere ganz am Ende. Beide sind unglaublich schöne Szenen, in denen Ellas Gefühle stark herausgearbeitet sind. Ich habe die Schmetterlinge in ihrem Bauch und gleichzeitig ihre Zweifel fast selbst gespürt. Dafür ein großes Kompliment an Kelly Oram.
Insgesamt halte ich "Cinder & Ella" für einen wirklich gelungenen Young Adult-Roman mit einzigartigen Figuren und einer schönen Story. Die Autorin vermittelt den wahren Wert von Schönheit - nämlich dass sie von innen kommt - und das auf eine äußerst charmante Art. Ein sehr schönes Vorbild!












