Der Kampf, den das CUB unterstützen will, ist ein Kampf für die Arbeitermacht. Der Angriff auf den Unternehmer, wenn er allgemein sein will, muß und kann über verschiedene Momente erfolgen. Die Widersprüche im Unternehmerplan werden nur brisant, wenn der Arbeiter versteht, daß jedes seiner ökonomischen Bedürfnisse nur ein Moment des allgemeinen Betrugs ist und daß seine eigenen ökonomischen Bedürfnisse nur durch den allgemeinen Kampf um die Macht erfüllt werden können. Die Perspektive ist klar und elementar: man spricht dem Unternehmer die Entscheidungsgewalt in allen Punkten ab.
Der ausschließlich an ökonomischen Forderungen orientierte Kampf ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die politischen Inhalte sind die einzigen, die in der Lage sind, eine allgemeine Ablehnung der ökonomischen Bedingungen hervorzubringen. Die politische Perspektive füllt sich mit ökonomischen Forderungen, aber sie identifiziert sich nicht mit ihnen.
Fundamental jedoch ist, von Mal zu Mal die Inhalte der Forderungen, die ökonomischen Bedürfnisse zu suchen, die in der Lage sind, konkret politische Bedeutung anzunehmen.
Beispiel: Man kämpft nicht für eine Regulierung des Akkords oder für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, sondern durch den Protest gegen Akkord und die gesundheitsschädigenden Bedingungen wird die Entscheidungsgewalt des Unternehmers bestritten. Vor dem Kampf ist es Pirelli, der über die Arbeitsrhythmen entscheidet oder die Grenzen der Gesundheitsschädlichkeit festlegt; im Kampf ist es der Arbeiter, der über die Rhythmen entscheidet, der die Arbeit ablehnt, wenn sie die Gesundheit gefährdet usw.
Das heißt, es müssen die präzisen Punkte herausgefunden werden, an denen die Politik der Ausbeutung angewendet wird, und der Kampf um Forderungen und der politische Kampf muss gemeinsam geführt werden.
Jede Forderung ist integrierbar, aber wenn die Perspektive des Kampfes politisch ist, ist es möglich, "abschaffende" Kämpfe (weg mit ..., nieder mit ..., etc.) abzulehnen und Momente des revolutionären Kampfes zu schaffen. In der aktuellen Situation gibt es, wie bekannt, eine Trennung zwischen dem ökonomischen Moment des Kampfes, geführt von den Gewerkschaften, und dem politischen Moment, geführt von den Arbeiterparteien.
Aber es ist gerade die Einheit des ökonomischen mit dem politischen Kampf, die die kapitalistische Gesellschaft in eine Krise bringen kann. In der Tat ist der ökonomische Kampf nur fruchtbar, wenn man den allgemeinen politischen Plan bekämpft; andererseits kann sich das politische Moment - ohne zu verkümmern - nicht von den ökonomischen Kämpfen lösen. Außerdem ist es das Arbeiterbewußtsein der eigenen Interessen und Rechte am Arbeitsplatz, das zum allgemeinen Kampf in der Gesellschaft führt, und umgekehrt.
Dokument des CUB Pirelli, veröffentlicht in der Zeitschrift “Quindici” im März 1969, in: Balestrini, Nanni und Primo Moroni (1994): Die goldene Horde. Arbeiterautonomie, Jugendrevolte und bewaffneter Kampf in Italien, Berlin: 210f.