Verbotene Nähe
Jeden Tag öffne ich deinen Chat. Jeden Morgen hoffe ich aufs Neue, dass dein Name auf meinem Bildschirm aufleuchtet. Doch da ist nur Stille.
Vielleicht in der Nacht, wenn die Welt einsam und verloren wirkt. Dann wünsche ich mir, dich noch einmal abzulenken, noch einmal den feinen Schmerz in deiner Stimme zu hören, unser Lachen ineinanderfließen zu lassen, bis unsere geröteten Wangen sich heimlich berühren.
Ich wollte dich sehen, in deinem karierten Hemd, meine kleinen Hände in deine legen, dich festhalten, dich spüren - doch ich konnte es nicht.
Meine Schuld steht in meinem Gesicht geschrieben. Alles war ein Trugbild. Sogar mein Name - eine Lüge. Jedes Mal, wenn du ihn aussprachst, fühlte ich mich ertappt, entlarvt.
Ich nenne mich selbst eine falsche Schlange, gefangen in meinem Hunger nach Aufmerksamkeit. Nicht von allen, nur von dir. Von dir, der mich mit Aufrichtigkeit, Leidenschaft und Neugier sieht. Von dir, der mich schön fühlen lässt, begehrt, obwohl du meinen Körper nie kanntest. Fasziniert, fast besessen von einer Illusion.
Und ich? Ich wollte, dass du besessen von mir bist, dich nach mir verzehrst, dass du selbst meine Schattenseiten spürst. So wie ich deinen Schmerz in mir tragen wollte, deine Freude, deine Narben, alles.
Unser Schmerz tanzte miteinander, und wir lachten dabei. Eine bittere Ironie, die mir gefiel. Ich hatte Freude an dir, fühlte mich stark, fast spielerisch mächtig, und doch habe ich alles zerstört, weil ich die Wahrheit nicht ertragen konnte.
Weil ich dich schützen wollte. Vor mir.
Ich bin eine wandelnde Lüge. Wer bin ich überhaupt? In mir brodelt eine Gier, ein Vulkan, der droht, alles zu verschlingen. Und ich habe Angst vor dem, was in mir lebt.









