Corona Pandemie: Der Systemfehler
Bald ist es ein Jahr her. Dann hat uns die Corona Pandemie schon so lange fest im Griff. Es ist Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Wir sind gut durch den ersten Shutdown gekommen. Nahezu alle machten mit und hielten sich an die Maßnahmen. Dadurch hatten wir die meisten Freiheiten im Sommer wieder. Lediglich größere lokale Ausbrüche, wie zum Beispiel beim Schlachtbetrieb Tönnies in NRW, ließen die Zahl der Neuinfektionen tageweise höher ausfallen, als es im Sommer an normalen Tagen der Fall war. So waren viele der Infizierten, aus dem Sommer Jugendliche und junge Erwachsene.
Ab August / September 2020 begann sich das Blatt leicht zu wenden. Und das Schlimme daran war, dass es schleichend passierte. Zwar wurde es bemerkt, aber Mathematiker und andere Fachleute erklärten uns, dass dies noch keine zweite Welle sei. Die Gefahr einer zweiten Welle wollte in der Bevölkerung vermutlich kaum jemand hören und wahrhaben. Im Oktober, dann aber der große Knall. Das exponentielle Wachsturm war zurück. Die Politik vollzog eine Teilbremsung und verhängte den Lockdown light. Besser bekannt als der Wellenbrecher Shutdown. Die Welle brach. Aber die Freude war nur von kurzer Dauer. Die Infektionszahlen stiegen erneut an. Auch die Todesfälle durch Covid-19 Infektionen schnellten in beängstigende Höhen. Die Folge: Ein harter Lockdown seit dem 16.12.2020. Aber warum musste es soweit kommen?
Es wurden mehrere Fehler gemacht. Aber der Reihe nach.
1. Grund: Intransparentes Verhalten. Es ist zu wenig bekannt, was in den Sommermonaten hinter verschlossenen Türen geschah. Niemand weiß, was beschlossen wurde oder angedacht war. Wie sollte das Virus effizient bekämpft werden? Warum wurden die Schulen nicht besser ausgestattet? Warum gibt es zum Beispiel keine Lüftungsanlagen für Schulen? Warum wurde keine bessere Impfstrategie geplant? Warum gibt es nicht genügend Testmöglichkeiten? Warum sind die Gesundheitsämter noch nicht besser aufgestellt? Die Fragen ließen sich endlos fortführen.
2. Grund: Vorgespielte Sicherheit. Es wurde suggeriert, wenn ich mich an bestimmte Regeln im Sommer halte oder mich zum Beispiel draußen treffe, wird mir schon nichts passieren. Sowohl in der Politik, als auch in der Bevölkerung wurde es so vorgelebt. Ein Trugschluss!
3. Grund: Nach der ersten Welle begann ein Lockerungswettbewerb unter einigen Ministerpräsident*innen. Selbst der harte Hund aus Bayern Markus Söder kippte ohne Vorwarnung und in einem Schritt sämtliche Corona Auflagen für Bayern. Glaubwürdigkeit oder Logik? Nichts da. Pure Profilierungssucht. Das war bei den späteren erneuten Verschärfungen im Übrigen nicht anders.
4. Grund: Appelle bis zum Umfallen.
Ja, hiervon gab es viele. Und ganz vorn mit dabei: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ihre Appelle gingen ins Leere. Irgendwann stumpft der Bürger*in ab und denkt sich: „Lass die Politik mal reden, ich weiß was ich tue“. Den Schuh muss sich die Politik anziehen.
5. Eine Kanzlerin, die nicht lockerlässt. Immer härter und am besten schon ab morgen. Das war das Mantra des Bundeskanzleramtes bei den Maßnahmen. Dabei drängte Bundeskanzlerin Merkel ein Problem beiseite. Die Ministerpräsident*innen haben die Verantwortung. Für die lokale Wirtschaft, für die Gesellschaft, für die Bevölkerung. Eben für alles, was dazu gehört. Merkel hätte sich eher mit der Rolle der Moderatorin abfinden müssen, als die ständige Unzufriedenheit oder Besorgnis zur Schau zu stellen. Die Länder müssen die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz in Verordnungen umsetzen. Das bedeutet, die Maßnahmen müssen dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen. Dafür müssen sie geeignet, erforderlich und angemessen sein. Manche Beschlüsse sind es eben laut einigen Verwaltungsgerichten in verschiedenen Bundesländern nicht gewesen. Zum Beispiel, das Feuerwerksverbot in Niedersachsen an Silvester 2020.
6. Grund: Kommunikation mit der Note mangelhaft.
Ständig neue Vorschläge aus Kreisen der Virologen*innen. Eine Maßnahme war noch nicht ganz umgesetzt, schon gab es einen neuen Vorschlag. Immer wieder kam Karl Lauterbach von der SPD, der selbst Arzt ist, mit neuen noch härteren Vorschlägen, die in der Bevölkerung auf immer mehr Unverständnis stießen. Auch wenn Lauterbach mit dem was er sagte, größtenteils Recht hatte. Die teilweise panische oder sehr sorgenvolle Art es zu kommunizieren, brachte ihm den Vorwurf der Panikmache ein. Das stimmt so nicht, er meint es auch nicht so. Aber die Art wie ich etwas sage, kann manchmal entscheidender sein, als die Botschaft selbst.
7. Grund: Die Politik versteht die Bevölkerung nicht mehr. Nicht alle, aber einige Ministerpräsident*innen zeigten mit dem Finger auf ihre Bürgerinnen und Bürger, wenn die Zahlen hochgingen. Also erst einmal: die allermeisten Bürger*innen halten sich an die Maßnahmen. Die Zahl der Leugner*innen, Skeptiker*innen und Verschwörungstheoretiker*innen ist gering. Die Zahl der Egoisten ist zwar höher, als die der zuvor genannten, aber trotzdem sollte man sich mit Anschuldigungen zurückhalten.
8. Grund: Der Impfstoff. Viel Gerede. Es wurden Hoffnungen geschürt. Impfzentren wurden in Windeseile errichtet. Impfzentren, die jetzt kaum genutzt leer stehen. Vorschläge erarbeitet. Aber dann zu wenig Impfstoff. Die EU hat geschlafen. Die Impfung dauert länger. Das schürt Frust, Wut und Enttäuschung! Es wurde viel Vertrauen bei den Bürger*innen verspielt.
Das sind einige Gründe, warum wir nicht mehr so gut durch die Pandemie kommen, wie in der ersten Welle.
Mich persönlich beschäftigt folgende Frage: 15 Tage nach Silvester und drei Wochen nach Weihnachten war das Robert-Koch-Institut nicht in der Lage zu sagen, wie sich der Trend der Neuinfizierten und der Todesfälle seit Beginn des Shutdowns und nach den Feiertagen entwickelt? Das ist traurig und nicht nachvollziehbar.
Spätestens einige Tage danach MUSS klar gewesen sein, wohin der Trend geht. Spätestens am Mittwoch nach jedem Wochenende, ist dies doch ebenfalls möglich. Das ist mir im Zeitalter der Digitalisierung absolut unverständlich. Und noch etwas, um verspieltes Vertrauen zurück zu erlangen: Jeder, der auf Corona getestet werden will, soll auch getestet werden können. Schließlich findet Profisport mit Corona Auflagen, wie z.B. vorherigen Tests statt. Das bedeutet genug Tests sind da. Und mangelndes Personal der Gesundheitsämter kann und darf kein Problem der Bevölkerung sein. Dafür war genug Zeit im Sommer vorhanden.