Der Kampf Mensch gegen Tüte
Da ist dieses wiederkehrende Unbehagen,
ein komisches Gefühl, ein Erahnen
des Grauens, das genüsslich seine Bahnen
zieht und dabei immer tiefer in meinen Magen
sickert; die Furcht den Rücken hochkriecht,
das Tüten die Henkel zusammenstecken,
Gedanken ausbrüten, lauernd in den Ecken;
es immer mehr nach Rache riecht.
Sie lecken ihre Mäuler,
wollen an meine Kehle,
meine kostbare Luft;
mit dem Duft
des Todes meine Seele
locken, ein Exempel statuieren,
mit einer Riesenwelle spiegeln,
wie wir im Überfluss unser Ende besiegeln –
noch im Übermaß nach noch mehr gieren.
Es wird nicht mehr lange dauern,
ich muss jetzt handeln,
die Apokalypse in Frieden verwandeln,
aus Tüten Hack zaubern,
sie in Suppe klären,
anderen vorsetzen,
mich vom letzten Fetzen
der Vergangenheit bekehren
lassen:Â
Oh Jute, du bist das Heil!
In dir finde ich die Macht,
die Tütenschlacht
zu gewinnen und das Beil
der Kurzsichtigkeit zu zerschlagen.
„Verdammt!“, ich habe die Jute verband,
hinter dem Tütenberg in die Einsamkeit entsandt.
Nun muss ich es wagen, sie verjagen,
diese elenden Plagen –
„Ich bin Don Quichote!“ und reiße
im Wahn die Küchentüre auf, beiße
mich durch die Tütenwand, schreie:Â
„Jetzt geht’s euch an den Kragen!“
Sie sind Legion.
Im Kampf ringen sie mich in Sekunden nieder,
quetschen mir im Rutsch die Glieder
zu Brei und beanspruchen ihren Thron.
Sie haben meinen Kopf nicht ausgelassen.
Als ich wieder auf den Füßen stand,
wusste ich nicht mehr wofür ich entbrand
war und konnte es nicht fassen,
meine Wohnung war ein Kriegsschauplatz.
Ich überlegte eifrig was mir fehlte,
ging im Kopf die Liste durch, zählte
die Wochentage und ein Satz
manifestierte sich vor meinen Augen:
Es ist Samstag, morgen haben die Läden zu
und dein Kühlschrank ist leer, du Depp du!
Wenn ich nicht an Laugen
lutschen wollte, musste ich mich sputen.
Ich sprang in Schuhe und auch Jacke,
klebte mir `ne Tüte an die Hacke
und stürzte los zum Supermarkt – so ne Kacke!