Anträge zum Landesparteitag 2015.1, 07.07.2015, in Ludwigshafen
Morgen ist LPT, und ich hab mir jetzt dann mal die Anträge vorgenommen. Ein paar Hinweise, Einschätzungen und Bewertungen.
Die Unterteilung richtet sich nach der Wirkung: "formal" und "inhaltlich". Bei Formalkram unterteilt in "abnicken" und "wir sollten wohl mal darüber reden, und der Antrag ist ein guter Anlass"; beim inhaltlichen nach Themenfeldern.
Es ist jeweils vermerkt, was das formal für ein Antrag ist: SÄA - Satzungänderung, GPA - Grundsatzprogramm-Antrag, WPA - Wahlprogramm-Antrag, SOA - Sonstiger Antrag.
Die Anträge im Volltext findet ihr unter https://wiki.piratenpartei.de/RP:Antragsfabrik
Änderung der Versammlungsleitung
2015.1/005 (SÄA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/005/%C3%84nderung_der_Versammlungsleitung
Es geht einfach nur um die formale Korrektheit. Die Satzung sollte dem Gesetz entsprechen, denn in Streitfällen ist das Gesetz höher zu bewerten.
Empfehlung: Annehmen.
Mandatsträgerabgaben
2015.1/003 (SÄA) und 2015.1/004 (SOA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/003/Mandatstr%C3%A4gerabgaben und https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/004/Empfehlung_Mandatstr%C3%A4gerabgaben
Die beiden Anträge hängen zusammen. Wird 003 abgelehnt ist 004 sinnlos. 004 hat mehrere Varianten zur Höhe - und kann, wenn keine der Varianten zusagt, auch vor Ort noch mit einer weiteren Variante ergänzt werden.
Unsere Mandatsträger kommen idR durch die Parteizugehörigkeit in ihre Position. Der Wahlkampf wird von der Partei gezahlt. Daher ist es nur logisch, wenn die Partei hinterher auch von dem Mandat profitiert - und zwar nicht nur durch inhaltliche Arbeit, die in Zusammenschlüssen auch durchaus schonmal kompromissen ausgesetzt ist, sondern eben auch finanziell. Durch die Parteienfinanzierung kommt dann nochmal derselbe Betrag für die Gesamtpartei obendrauf.
Der Antrag ist von mir. Entsprechend kann ich auch meine Motivation hier darstellen: Ich will die Diskussion jetzt haben, wo wir ausschließlich (und nur wenige) kommunale Mandatsträger haben. Eine solche Diskussion nach Wahl einer Landtagsfraktion oder schon der Landesliste wäre schlecht, weil es dann wohl vor allem um Personen geht. Bestes Beispiel war NRW - einige der dortigen Landtagsmitglieder fühlten sich von dem Antrag scheinbar persönlich angegriffen. War halt ein beschissener Zeitpunkt. Eigentlich wäre der Antrag sogar schon vor der Kommunalwahl nötig gewesen. Aber: Da hatte ich das auch noch nicht auf dem Schirm.
Genau wegen der kommunalen Sprengkraft gibt es im 004 neben den verschiedenen Varianten auch den Passus zur Mandatserlangung aufgrund einer Wahl vor der Verabschiedung dieses Beschlusses. Im Grundsatz verändert dieser Beschluss die Voraussetzungen im Verhältnis von Partei und Mandatsträger. Das soll aber zu Bestandsmandaten verhindert werden.
Da 004 noch veränderbar ist noch ein Hinweis: Ohne diesen Zusatz wird es Spannungen zwischen Mandatsträgern und Partei geben - in einigen Fällen möglicherweise sogar die "Scheidung". Ohne diesen Passus werde ich selbst (als derjenige, der den Ursprungsantrag gestellt hat) gegen den Antrag stimmen.
Mit dem Passus ist aber die Empfehlung ganz klar: annehmen.
Einladungsfrist für Aufstellungsversammlungen
2015.1/007 (SÄA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/007/Einladungsfrist_f%C3%BCr_Aufstellungsversammlungen
Der Antrag entstand im Rahmen einer Diskussion in der AG Wahlen. Thema war der Zeitpunkt der Aufstellungsversammlung zur Landtagswahl. Sinn der Sache ist eigentlich nur, eine AV vor den Sommerferien zu ermöglichen. Es gibt zwei Varianten, einmal 2, einmal 3 Wochen Einladungsfrist. Das Landeswahlgesetz verweist zur Einladung der Frist auf die Satzungen. Wir haben keine Satzungsregelung, damit wird für die Aufstellungsversammlungen die Einladungsfrist zur normalen Parteitagen sinngemäß angewandt. Die liegt bei 5 Wochen.
Demokratietheoretisch ist kaum nachvollziehbar, warum für eine 5jährige Legislatur die Einladungsfrist kürzer sein sollte als für eine 13monatige Vorstandszeit - außer, durch eine Auflösung des Landtags und vorgezogene Neuwahlen kommt es zu verkürzten Fristen für die Einreichung von Wahlvorschlägen.
Genau dieser Punkt der Neuwahlen ist es aber, der mich dazu bringt, die Annahme des Antrags zu empfehlen. Allerdings werde ich bei Annahme dieses Antrags auf dem LPT nachfolenden Sonstigen Antrag einreichen: "Die Landesmitgliederversammlung empfiehlt dem Landesvorstand, die Einladungen für vom Landesverband zu organisierende Aufstellungsversammlungen nur in besonders eilbedürften Situationen (wie im Falle von Neuwahlen oder baldigem Fristablauf) kurzfristiger als 5 Wochen vor dem angesetzten Versammlungszeitpunkt zu versenden."
Nutzung des Webanalyse-Tools Piwik für Webangebote des Landesverbands
2015.1/020 (SOA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/020/Nutzung_des_Webanalyse-Tools_Piwik_f%C3%BCr_Webangebote_des_Landesverbands
Der Antrag hat das Ziel, die Öffentlichkeitsarbeit auf eigenen Medien gezielter betreiben zu können. Dazu macht man derartige Analysen.
Handwerklich gelten derartige Analysen als gut und üblich. Und es ist notwendig, um die Wirkung eigener Öffentlichkeitsarbeit nachvollziehen und bewerten zu können - und hinterher geeignete Anpassungen zu unternehmen.
Politisch ist das aber tatsächlich ein ziemlicher Kracher - denn hier steht die Frage nach Überwachung im Raume. Als Nutzer kann man zwar die Überwachung (so man dies als solche einschätzt) durch Opt-Out loswerden - aber: Opt-Out. Wir fordern bei allen Einschränkungen des eigenen souveränen Verfügungsgewalt über persönliche Daten Opt-In. Wir betrachten Daten von digitalen Endgeräten als persönliche Daten. Also müssen wir das hier eigentlich auch fordern. Nur: Mit Opt-In macht diese Maßnahme keinen Sinn.
Ich sehe hier tatsächlich vor der Frage: Ist das Überwachung? Wenn es das ist, dann muss ich ein Nein empfehlen. Wenn es das nicht ist: Macht den Weg frei für gutes Handwerk in der Öffentlichkeitsarbeit und stimmt dem zu.
Ich persönlich weiß noch nicht, wie ich entscheiden werde. Entsprechend: Keine Empfehlung.
Programmpunkt "Antifaschistisches Engagement" ändern
2015.001 (GPA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/001/Programmpunkt_%22Antifaschistisches_Engagement%22_%C3%A4ndern
Dem Wortlaut nach ist der Antrag nicht viel mehr als eine Streichung des umstrittenen Wortes „antifaschistisch“ aus dem Landes-Grundsatzprogramm. Der Rest des Satzes findet sich inhaltlich im vorhergehenden Absatzes des Abschnitts, nur ohne die Bindung an spezifische Gruppen und Diskriminierungen.
Aber wenn wir mal vom Wortlaut weggehen, hin in die Bedeutung und Öffentlichkeitswirksamkeit, dann wird klar: Es geht hier nicht um eine Verallgemeinerung und Öffnung hin zu allen betroffenen Felder (das ist ja schon abgedeckt). Es geht wohl alleine darum, Hinweise auf eine Strömung auszulöschen, die in der Partei aktuell vermeintlich in der Minderzahl ist. Diese Annahme muss unterstellen, denn wenn man dies nicht sieht kann dieser Antrag gar keine Mehrheit bekommen.
In der öffentlichen Wahrnehmung wird dieser Antrag voraussichtlich vor allem als verringerte Abgrenzung zu Faschisten und Rassisten wirken. Und nein, Nazi-Vorwürfe hatte die Piratenpartei durch dumme Aussagen schon genügend – sowas müssen wir nicht auch noch sehenden Auges erzeugen.
Daher gibt es hier eine klare Empfehlung: ablehnen!
Themenblock Finanzpolitik
Finanzpolitik ins Grundsatzprogramm
2015.1/008 (GPA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/008/Finanzpolitik_ins_Grundsatzprogramm
Der Rahmenantrag. Wenn man irgendwas anderes aus dem Themenbereich haben will muss man den Rahmenantrag dringend annehmen. Mit Annahme dieses Antrags werden die anderen Anträge behandelt, ohne Annahme dieses Antrags sind die anderen Themen-Anträge abgelehnt.
Daher klare Empfehlung: annehmen
Schuldenbremse
Schuldenbremse 1, Schuldenbremse 2, Schuldenbremse 3, Schuldenbremse 4 (GPA)
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/009/Schuldenbremse_1
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/010/Schuldenbremse_2
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/011/Schuldenbremse_3
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/012/Schuldenbremse_4
Die 4 Schuldenbremse-Anträge konkurrieren miteinander und gehen inhaltlich in unterschiedliche Richtungen.
Antrag 1 und 4 lehnen die Schuldenbremse ab, Antrag 2 und 3 befürworten sie. Die Begründungen sind wohlweißlich verschieden:
Während bei „Schuldenbremse 1“ (Antrag 2015.1/009) keine neue Auswahl entstehen bzw. keine alte verlorengehen sieht plädiert Antrag 4 (2015.1/012) für Vertrauen in das Verantwortungsbewusstsein der Parlamentarier. Mein persönliches Problem bei dieser Begründung: Genau dieses Prinzip gilt in Rheinland-Pfalz seit 1946 – und wir sehen, wo es uns hingeführt hat.
Auf die Akzeptanz wird bei 2015.1/010 (Schuldenbremse 2) durchaus hingewiesen durch den Passus „alle Ausgaben sind in ihrer Höhe kritisch zu hinterfragen“ - aber ebe nicht explizit. Begründet wird dies mit der unbedingten Notwendigkeit von Einsparungen. Antrag 3 im Bunde (2015.1/011) sieht hingegen die Schuldenbremse als Mittel zum Zweck und notwendiges Übel, um langfristig Handlungsspielräume zu gewinnen.
Großprojekte
Großprojekte 1, Großprojekte 2 (GPA)
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/013/Gro%C3%9Fprojekte_1
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/014/Gro%C3%9Fprojekte_2
Auch hier gilt wieder: Konkurrenz der Anträge. Antrag 1 (2015.1/013) fordert bei Abstimmungen zu Großprojekten Verhalten gemäß dem Schema „im Zeifel: Nein“. Großprojekte 2 (2015.1/014) hingegen lehnt Großprojekte generell ab, da sich große Finanzmittel in einem kleinen Teilgebiet konzentrieren. Als Alternative wird „beispielsweise“ die Förderung mittelständischer Gewerbeansiedlungen außerhalb der Großstädte angeboten.
Wer sich also Handlungsspielraum offenhalten will muss für Großprojekte 1 stimmen, wer Dezentralität will stimmt für Großprojekte 2.
Formal spreche ich hier keine Empfehlung aus. Inhaltlich stehe ich klar zur Forderung der Dezentralität aus Antrag 2015.1/014, eigentlich will ich aber auch die Abwägungsmöglichkeit aus 2015.1/013 haben. Ich muss feststellen: Es war einigermaßen dämlich, die Punkte gegeneinanderzusetzen. Hier muss ich also nacharbeiten.
Ausnahmen vom Sparzwang bei Zukunftsinvestitionen
Zukunftsinvestitionen 1, Zukunftsinvestitionen 2, Zukunftsinvestitionen 3 (GPA)
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/015/Zukunftsinvestitionen_1
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/016/Zukunftsinvestitionen_2
https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/017/Zukunftsinvestitionen_3
Die Anträge 2015.1/015, 2015.1/016 und 2015.1/017 stellen eine Einschränkung aller Sparbemühungen für einzelne Themenbereiche dar. Diese sind Bildung (015, 016) und Infrastruktur (015, 017). Inhaltlich sind 016 und 017 zwar vereinbar, aber durch die einfachere Formulierung in 015 abgehandelt.
Die drei Anträge insgesamt sind als Zugeständnis an diejenigen zu verstehen, die in den Bereichen Bildung und Infrastruktur aktiv sind.
transparente Buchführung
2015.1/018 (GPA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/018/Buchf%C3%BChrung
Der Antrag 2015.1/018 fordert die Einführung transparenter Buchführung. Im Wahlprogramm steht die Forderung schon, jedoch ist sie dort auch sehr allgemein gehalten. Die näheren Ausführungen im Wahlprogramm erfordern wohl weitere Anträge.
Klare Empfehlung: annehmen
Kommunaler Entschuldungsfonds
2015.1/019 (GPA); https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/019/Kommunaler_Entschuldungsfonds
Am KEF kann man viel kritisieren – aber die Zielrichtung „Schuldensenkung“ stimmt. Dass die haushaltspolitische Entmündigung der Kommunen durch die Landespolitik und die Landesbehörden ein Unding ist kann wohl auch niemand bestreiten, gilt doch die Haushaltspolitik als Königsrecht eines jeden Parlaments. Mich persönlich überzeugt die Begründung im Antragstext nicht, denn das Verantwortungsbewusstsein der kommunalen Parlamentarier ist für weite Teile der kommunalen Haushalte irrelevant – viele Ausgaben sind Pflichtausgaben und damit nicht dem Gutdünken der kommunalen Räte überlassen.
Meine Tendenz: Zustimmen und Nacharbeiten.
Volksentscheide ohne Quoren
2015.1/006; https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/006/Volksentscheide_ohne_Quoren (WPA)
Der Antrag geht in die richtige Richtung. Man sieht den Versuch, sehr viele Teilbereiche des Problems abzudecken. Leider ist der Antrag so kurz und hat so wenige Erläuterungen im Antragstext, dass es für Außenstehende kaum möglich sein wird, den Sinn dahinter zu verstehen. Ein Teil der inhaltlichen Ausführungen aus der Begründung müsste noch in den Programmtext mit einfließen.
Tendenz: Kann man zustimmen und nacharbeiten oder ablehnen und später überarbeitet neu einreichen. Der Inhalt ist richtig und wichtig, die beantragte Form aber ungünstig.
Landesverfassung
2015.1/002; https://wiki.piratenpartei.de/Antrag:RLP/2015.1/002/Landesverfassung (SOA, zurückgezogen)
Der Antrag wurde zwar zurückgezogen, aber irgendwer kann ihn ja übernehmen – daher wird auch dieser hier behandelt.
Die Einreichung des Antrags wurde angekündigt mit einer klaren Terminsetzung. Als Grundlage diente die aktuelle Landesverfassung. Daran gearbeitet wurde eher wenig, entsprechend wurde der Antrag dann auch zurückgezogen. Dass es sinnlos ist, den Text in der Form zu fordern, sollte eigentlich klar sein – denn wir fordern durch die mangelnde Mitarbeit (worin auch immer die begründet war) viel Status quo, und recht wenig piratige Neuerungen.
Anträge zur Änderung der Satzung
2015.1/003 Mandatsträgerabgaben: annehmen
2015.1/005 Versammlungsleitung: annehmen
2015.1/007 Einladungsfristen AV: annehmen
Anträge zur Änderung des Grundsatzprogramms:
2015.1/001 Antifaschismus: ablehnen
2015.1/008 Finanzpolitik: annehmen
2015.1/009 Nein zur Schuldenbremse, 2015.1/010 Ja zur Schuldenbremse, 2015.1/011 Ja zur Schuldenbremse, 2015.1/012 Nein zur Schuldenbremse: keine Empfehlung
2015.1/013 Im Zweifel Nein zu Großprojekten, 2015.1/014 Dezentralität statt Großprojekte: keine Empfehlung, beide haben ihr gutes
2015.1/015 Bildung und Infrastruktur ohne Sparzwang, 2015.1/016 Bildung ohne Sparzwang, 2015.1/017 Infrastruktur ohne Sparzwang: keine Empfehlung.
2015.1/018 transparente Buchführung/Doppik: annehmen
2015.1/019 Kommunaler Entschuldungsfonds: annehmen und nacharbeiten oder
Anträge zur Änderung des Wahlprogramms:
2015.1/006 Volksentscheide ohne Quoren: annehmen und nacharbeiten oder nacharbeiten und neu einreichen
Sonstige Anträge
2015.1/002 Landesverfassung: zurückgezogen –-> nicht übernehmen; wenn übernommen –-> ablehnen
2015.1/004 Höhe Mandatsträgerabgaben: annehmen mit beliebigem Modul außer Var. IV, mit beliebigen vertretbaren Prozentwerten
2015.1/020: keine Empfehlung