Jedes Mal, wenn wir von Wien wegfuhren oder nach Wien hineinfuhren, jedes Mal also, wenn wir auf der sogenannten Westautobahn an St. Pölten, Melk oder Attnang-Puchheim vorbei Österreichs Hauptstadt verließen oder uns auf den Weg dort hin machten, auf einer von Deutschland aus kommend eigentlich Ostautobahn zu nennenden, auf der wir den Mondsee, Maria Taferl, Pöchlarn oder sogar Ybbs passierten, jedes Mal also, wenn wir der Hölle Wiens entflohen oder uns auf das paradiesische Wien freuten, wollten wir immer schon eine der Ausfahrten nehmen, die in das weltberühmte Salzkammergut führen, und am verlockendsten war naturgemäß die Ausfahrt Ohlsdorf, wo der Dichter seinen weltberühmten Vierkanthof nicht nur besessen, sondern als Bauer auf Nathal bewohnt hatte und der heutzutage einer interessierten Öffentlichkeit als museales Relikt einer Dichterexistenz zugänglich ist, der derlei Exhibitionismus allerdings mehr als fremd gewesen wäre. Wir kommen jedes Mal entweder zu spät im Leben, oder wir sind zu früh da. Wenn wir zu spät sind im Leben, dann werden wir bekanntlich bestraft, wenn wir aber zu früh sind im Leben, weil der Vierkanthof des Dichters noch nicht geöffnet ist, dann gehen wir ins Wirtshaus und in Ohlsdorf naturgemäß zum Kirchenwirt, wo der erfahrene Wirtshausgeher schon nach wenigen Momenten erkennt, dass seine Erwartungen an ein gutes und richtiges Wirtshaus nicht enttäuscht werden können. Der erfahrene Wirtshausgeher wird in einem derartigen Wirtshaus zur Mittagszeit immer eine warme Frittatensuppe wählen, was beim Kirchenwirt allerdings ein folgenschwerer Fehler wäre, nicht weil die Frittatensuppe dort nichts taugen würde, im Gegenteil, sondern weil sie von einer heißen Kartoffelsuppe noch übertroffen wird, die hier beim Kirchenwirt in Ohlsdorf besonders gut schmeckt, weil man sie in einer Art Herrgottswinkel zu sich nimmt, wo dem Dichter, der ja sozusagen gleich um die Ecke herum seinen Vierkanthof nicht nur besessen, sondern auch bewohnt hat, mit einem gerahmten Bild gehuldigt wird, auf dem er, dem Sterben schon sehr nahe, bei der Premiere seines letzten Stücks "Heldenplatz" zu sehen ist, und mit einer Intarsienarbeit im Tisch davor, auf dessen Platte das Wort "NATURGEMAESS" hineingearbeitet wurde. Der Kirchenwirt selber bringt die heiße Kartoffelsuppe und auf die Frage ob er, der Dichter, wohl auch hier des Öfteren eine heiße Kartoffelsuppe oder eventuell eine Frittatensuppe, gegessen habe, erntet man ein mürrisches, aber dennoch als Zustimmung zu deutendes Gemurmel.















