An Franz von Schober
Sogar Deutsch will ich Dir schreiben, lieber Schober, um Dir geschwinder zu sagen, wie sehr mich Dein Brief erfreut hat. Ich verdanke ihm eine wahrhaft wohlthuende Stunde, und das findet sich so selten in meinem unausstehlichen - monotonen Leben! Seit 14 Tagen habe ich wieder mein englisches Joch am Nacken. Jeden Tag, den Gott giebt, Concert- mit einer vorhergehenden Reise von 30 bis 50 Meilen. Und so muss es fortdauern wenigstens bis Ende JĂ€nner. Was sagst du dazu? -
Bin ich nicht mehr als halbtodt, so gehe ich noch Ende Februar nach Berlin und Petersburg - und komme mit dem ersten Dampfboote anfangs Mai wieder nach London. Dann gedanke ich eine Pause mit đ zu machen. Wo und wie, das weiss ich noch nicht, und hĂ€ngt ganz von dem pecuniĂ€ren Resultat meiner Reisen ab. Gerne ging ich nach der Schweiz und von da nach Venedig; doch kann ich jetzt noch gar nichts bestimmen.
Leo Festetics habe ich einen langen Brief dieser Tage geschrieben. Es hungert und dĂŒrstet mich, nach Ungarn zurĂŒck zu gehen. Jede Erinnerung an dort wurzelt tief in meiner Seele..... Und doch kann ich nicht zurĂŒck!
[...]
Die Nachrichten von der Königin haben mich erfreut- wenn Du etwas Mehreres hörst von ihr, so theile mir es mit. Ich habe eine Art SchwĂ€che fĂŒr sie. Ăber die Cantate werde ich Dir spĂ€ter ausfĂŒhrlicher schreiben.
Lebe wohl und vergnĂŒgt, wenn möglich, lieber Schober, schreibe mir bald wieder und bleib mir immer Freund.
F. L.
Verzeihe die Orthographie und Kalligraphie dieser Zeilen! Du weisst, dass ich gar nie Deutsch schreibe; Tobias ist, glaub' ich, der einzige, der deutsche Briefe von mir erhÀlt.




















