(K) eine Frage von Schuld
[TW: sexueller Missbrauch, emotionaler Missbrauch]
Ich habe lange Zeit damit verbracht zu leugnen, dass mir schlimme Dinge passiert sind. Irgendwann habe ich es allerdings doch realisiert und dann fragte ich mich ständig, wer schuld daran sei. Meist wollte mich mein Gehirn davon überzeugen, dass es meine Schuld war, dass die Dinge nicht passiert wären, wenn ich nur irgendetwas anders gemacht hätte. Diese Phase war unheimlich anstrengend und leidgeprägt. Es folgte die Phase, in der ich meinem Gegenüber die Schuld geben wollte, was in meinem Fall nicht zwangsweise korrekt wäre. Die Dinge, die mir passiert sind, wurden von Menschen verübt, die mich liebten, die mir nicht böses wollten und trotz allem haben sie mir etwas böses getan. Etwas, dass meinem Leben einen tiefen Einschnitt verpasst hat. Dies trieb mich wieder zu dem Gedanken, dass es meine Schuld war. Aber vor lauter Grübeln über die Schuldfrage habe ich vergessen, was das wirklich Wesentliche ist. Ich wurde in meinen Grundrechten verletzt und das von Menschen, die ich geliebt und denen ich vertraut habe. Ich werde, wenn ich Pech habe, den Rest meines Lebens mit den Folgen dieser Ereignisse zu kämpfen haben. Das ist das wesentliche und das ist schlimm, unabhängig davon, wer schuldig ist. Davon, dass ich mich oder jemand anderen anklage, wird es mir nicht besser gehen. Es raubt mir nur die Energie und die Kraft für meine Heilung. Heilung ist wesentlich und wichtig für die Zukunft. Die Schuldfrage ist es nicht.
Sobald ich die Dinge, die mir passiert sind, bearbeitet habe, kann ich mich dafür einsetzen, dass Menschen Missbrauch erkennen und sich gegen ihn wehren. Ich kann mit Leuten sprechen, die missbräuchlich werden und ihnen erklären, was für schlimme Dinge sie tun. Denn eine Sache habe ich schon gelernt, viele Menschen, die missbrauchen, nehmen dies nicht als Missbrauch, sondern als normal wahr. Einige wissen nicht einmal, was einvernehmlichen Sex von Vergewaltigung unterscheidet. Und das ist krass, das ist so krass, dass ich es am Anfang nicht realisieren konnte. Wir müssen uns mehr reflektieren und aufeinander achten. Besonders wenn es um Sex geht. Es ist möglich, zu merken, ob das was man tut in Ordnung ist und wenn man sich nicht sicher ist, dann FRAGT man. Man macht nicht einfach weiter. Wir alle tragen eine gewisse Verantwortung, vor der wir uns nicht drücken dürfen. Wir müssen die Grenzen der anderen Menschen wahren. Wir können sie nicht einfach mit einem Bulldozer überrollen.












