Das Bip bipt (jetzt noch mehr)
Ich fahre mit Angela auf mautpflichtigen Autobahnen durch Frankreich. Angela hat schon seit mindestens 2021 ein “Bip & Go” an ihrer Windschutzscheibe, ein für die Mautzahlung zuständiges Gerät.
Wenn man so ein Bip hat, braucht man an den Mautstellen nicht anzuhalten und irgendwas Kompliziertes mit Bargeld oder Karte zu erledigen. Man fährt langsam durch eine Spur, die mit “t” wie télépéage gekennzeichnet ist, dann öffnet sich die Schranke von allein. Das Geld wird später vom Konto abgebucht.
Wie das genau funktioniert, ist gar nicht so leicht rauszufinden, weil sich die zuständigen Stellen – vielleicht aus Sicherheitsgründen – bedeckt halten, was die Details angeht. “Irgendwie mit Mikrowellen”, ist alles, was ich als Erklärung finden kann.
So sieht die Télépéage-Spur aus:
Die rechteckigen Dinger auf Masten sind wohl (glaube ich nach etwas Recherche) die Geräte, die mit dem BIP kommunizieren. Hier sind es zwei, damit der Erfassungsvorgang schon mal beginnen kann, während man langsam an die Schranke heranfährt. Das ist aber nicht immer so. Manchmal ist es nur eins, dann muss man halten, aber nur sehr kurz. Solche Mautstellen gibt es am Anfang und am Ende der kostenpflichtigen Stelle, aber auch zwischendrin.
Am Ende des Urlaubs fahre ich ohne Angela mit dem Auto auf der A79. Dabei piept es ab und zu ohne erkennbaren Grund irgendwoher. Nach einer Weile erkenne ich einen Zusammenhang zwischen dem Piepen und der Tatsache, dass ich gerade unter einer Autobahnbrücke durchfahre. Es ist das Bip & Go, das das Geräusch macht. Neben der Autobahn wird auf Schildern für “péage flux libre” geworben, und darum handelt es sich, wie ich später herausfinde. Es ist ein Pilotprojekt, das bisher nur auf diesem einen Autobahnstück existiert und von dem auch Angela noch nichts weiß. Jetzt wird mir auch klarer, wovon die ebenfalls ziemlich zahlreichen Schilder neben der Autobahn handelten, auf denen irgendwas von “Bezahlung innerhalb von 72 Stunden” stand. Ich hatte sie beim Vorbeifahren provisorisch für Werbung für das Unternehmen gehalten, dessen URL auf den Schildern steht. Aber es geht darum, dass alle, die kein Bip & Go an der Windschutzscheibe haben, sich innerhalb von 72 Stunden darum kümmern müssen, ihre Mautrechnung zu bezahlen. Man könnte das auch ohne Internet an Autobahnraststätten tun, aber das ist auf dem Schild durch ein so rätselhaftes Icon dargestellt (eine Person geht zu einer Tür mit €-Zeichen), dass ich es erst beim Schreiben dieses Beitrags begreife.
Update: Diesem französischen Artikel zufolge habe nicht nur ich zu spät verstanden, dass die Schilder eine relativ dringliche Handlungsaufforderung darstellen. Wenn Angela kein Bip besäße, hätte ich 375 Euro Bußgeld bezahlen müssen, so wie offenbar viele andere ahnungslose Reisende.
Wie das technisch funktioniert, ist noch etwas unklarer als beim bisherigen Télépéage-Verfahren, denn man nähert sich so einer Autobahnbrücke nicht in Schrittgeschwindigkeit. Die Dokumentation ist auch hier vage bis nicht vorhanden. Die Brücke scheint jedenfalls erfolgreich mit dem Bip & Go zu kommunizieren, sonst würde es nicht piepsen. Autos ohne Bip & Go werden anhand ihres Nummernschilds via Bilderkennung erfasst. Privatsphärentechnisch kommt mir das ein bisschen dubios vor, denn als Bip-Besitzerin hat man eingewilligt in die Erfassung der gefahrenen Strecken, aber hier müssen jetzt alle mitmachen, ob sie wollen oder nicht. Andererseits bin ich für Autobahnmaut, für Bequemlichkeit und für Geräte mit so schönen Namen wie “Bip & Go”. Da ich selten Auto fahre und das noch seltener in Frankreich tue, brauche ich nicht unbedingt eine vollständig durchdachte Meinung zu dem Thema.