,,Ähm, ich wollte dich abholen." Sagte Ben jetzt. Er schien etwas verlegen zu sein und suchte nach den passenden Worten. Ich schaute ihn immer noch mit geöffnetem Mund an und brachte kein Wort heraus. Darauf war ich nicht vorbereitet gewesen. ,,Na, du bist doch meine Begleitung. Weißt du noch?" Ich suchte in meinem Kopf nach dem Wort Begleitung. Nichts. ,,Die Hochzeit meiner Cousine?" Jetzt leuchtete es mir ein. Und da sah ich auch schon das Taxi hinter Ben. ,,Naja, die kirchliche Trauung hast du verpasst, aber ich dachte, ich könnte dich ja mit zu der Feier nehmen. Falls du Zeit hast." Er beugte sich nach vorne und wartete ungeduldig auf eine Antwort. Ich schwieg immer noch fassungslos. ,,Meine Cousine würde sich bestimmt freuen." ,,Melia?" Susan steckte ihren Kopf aus der Wohnzimmertür in den Flur, dann sah sie Ben und schien auch für einen kurzen Moment etwas verwirrt. ,,Ähm, ach Hallo Ben." ,,Hallo." Er begrüßte sie freundlich, schaute dann aber wieder mich an. ,,Ich finde du siehst toll aus, aber das ist leider nicht der Dresscode für eine Hochzeit. Also ich hab eigentlich Zeit, aber in einer Stunde sollten wir spätestens losfahren." Er schaute auf seine Uhr, er sagte das ganz gelassen, als wäre gar nichts passiert. ,,Äh.. Ich... Äh..." Ich suchte nach Worten, in meinem Hals hatte sich ein Kloß gebildet und ich konnte nicht klar denken. ,,Susan." Susan kam auf meine Aufforderung direkt und stellte sich hinter mich. Plötzlich kamen mir Emma Wunders Worte wieder in den Sinn. Mach das, was du kannst, solange du es kannst. Es gab niemals eine bessere Gelegenheit, als jetzt. ,,Okay, ich... ich ziehe mich schnell um." Ich sah das Leuchten in Bens Augen und es übertrug sich auf mich. Susan bat Ben rein und rannte mit mir in mein Zimmer, wo ich in Tränen ausbrach. ,,Ganz ruhig, Melia. Ich weiß gerade überhaupt nicht, was mit euch Kindern los ist. Aber ich glaube, dass du das Richtige tust. Jetzt spring schnell in die Dusche, ich such dir in der Zeit was zum anziehen raus, falls ich was finde."
Susan war die Beste. In der Zeit, in der ich mich geduscht und meine Haare geföhnt hatte, suchte sie ein schönes dunkel blaues Sommerkleid von Jamila raus, welches mir sogar passte. Dazu kombinierte ich eine schlichte Strickjacke von mir, damit man meine Narbe nicht sehen konnte. Susan steckte mir die Haare natürlich hoch, keine Ahnung wo sie das gelernt hatte, während ich mir ein Make-Up verpasste, was nach mir aussah. Nach einer dreiviertel Stunde stand ich fertig vor Ben, mir fielen immer noch die Worte, aber das war mir egal. Ich würde die Fassung schon wieder finden. Auch Ben schienen die Worte zu fehlen, als er mich sah. Er lief an mir vorbei, nahm meine Hand und flüsterte ,,Du bist so schön." Dann verabschiedete er sich von Susan und wir verließen zusammen das Haus.
Das Taxi stand immer noch vor meiner Haustür, ich fragte mich, wie viel Geld Ben für diese Fahrt bezahlte. Wie ein Gentleman öffnete er mir die Tür und setzte sich dann neben mich. Nach fünf Minuten Schweigen war ich die Erste, die Worte fand. ,,Okay, Ben. Was soll das jetzt eigentlich?" Meine Stimme klang unsicher, und so fühlte ich mich auch. ,,Ich..." Seine Stimme war ganz ruhig, es schien ihm völlig egal zu sein, dass der Taxifahrer zuhörte, er versuchte nur, die richtigen Worte zu finden. ,,Ich war in der Kirche, und irgendwie war meine Laune im Keller. Ich dachte wir würden zusammen dort sein. Aber es ist so viel passiert, ohne dich bin ich nichts. Wir waren kaum in Berlin, und da hab ich mich schon in dich verliebt. Ich kenne Berlin ohne dich eigentlich gar nicht. Deswegen bin ich auch ein Wochenende nach Norwegen geflogen, zu meinen Freunden. Aber nicht mal die konnten es besser machen. Ich muss das hier einfach zuende bringen. Und es hat sich einfach nur richtig angefühlt, sich in dieses Taxi zu setzen, um dich zu holen." Seine Worte berührten mich. Vielleicht war das, was er tat, auch das Richtige. Wir würden es sehen. Ich nahm seine Hand und lächelte ihn an. Er lächelte zurück.
Die Gaststätte, in der Bens Cousine Julia feierte, war außerhalb von Berlin. Alle Gäste waren schon da und standen in einem netten Garten neben der Gaststätte, beim Sekt Empfang. Ben nahm mich an der Hand und ging mit mir zu Julia und ihrem Mann. Julia freute sich außerordentlich, und auch Bens Mutter, die etwas weiter abseits stand, lächelte mir zu. Dann stellte Julia mich ihrem Mann Christian als ,,Bens Freundin Melia" vor, was mir allerdings erstmal nichts ausmachte.
Nachdem Ben mich allen wichtigen Personen vorgestellt hatte, gingen wir noch zu seinen Eltern und seiner Schwester. Anna schaute mich etwas grimmig an, sie schien mir immer noch böse zu sein, aber ich ignorierte das und versuchte freundlich zu schauen. Die Situation war mir unangenehm und so richtig hatte ich mich in der Hochzeitsgesellschaft noch nicht eingelebt.
Die Zeit verging wie im Fluge. Eine ganze Weile stand ich einfach nur neben Ben, ließ mich von allen Seiten anstarren und beobachtete die Leute um mich herum. Die Männer sahen fast alle gleich aus, trugen entweder schwarze Anzüge, dunkelblaue und manche auch dunkelbraune. Die Frauen unterscheideten sich aber ziemlich voneinander. Die Braut trug ein wunderschönes weißes Kleid, es war schlicht aber trotzdem sah sie aus wie eine Prinzessin. Ansonsten gab es lange Kleider, kurze, blaue, grüne, rote, rosa und schwarz. Alle Farben waren vertreten.
Die Sitzordnung der Gäste war eingeteilt. Ich saß mit Bens Eltern, seiner Schwester und noch ein Paar Leuten an einem Tisch, die Ben mir als seinen Onkel, Tante, kleinen Cousin und Cousine vorstellte. Die beiden waren sechs Jahre alt und Zwillinge. Einerseits war es anstrengend, weil sie in einer Tour redeten, andererseits hielt es mich auch von unangenehmen Fragen, Blicken und Situationen zwischen mir und Bens Familie ab. Das Mädchen hieß Lilli und der Junge Michel. Lilli starrte mich ständige an, ihr Blick hing permanent an meinen Haaren und Ben sagte, sie fände mich hübsch, was ja eigentlich ganz süß war. Michel kommentierte alles, selbst wenn der DJ den nächsten Gang ankündigte, kam ein Kommentar von ihm und er fand alles lustig. Die Portionen der Gänge waren nicht gerade groß, was mich beruhigte, denn ich wollte alles auf essen und nicht irgendwas auf dem Teller liegen lassen. Als Vorspeise gab es Suppe, als Hauptgang irgendeine ausgefallene Nudelkreation mit Lamm und als Nachspeise ein sehr leckeres Eis.
Nach dem Essen blieben alle vorerst auf ihren Stühlen sitzen und die Freunde und Familie überreichten dem Brautpaar Geschenke. Immer wenn ein Tisch mit dem Geschirr gegen die Gläser klirrte, musste das Brautpaar sich küssen. Ich kannte das nicht, und irgendwie kam es mir erst albern vor, aber wenn man sich das Brautpaar anguckte, war es überhaupt nicht mehr albern. Christian zog Julia dann immer ganz nah an sich heran, und sie legte ihre Hände auf seine Brust, wärend sie sich küssten. Man konnte spüren, dass sie sich liebten, und ich hoffte, dass man auch spüren konnte, dass ich Ben liebte, wenn ich ihn küsste. Plötzlich zuckte ich zusammen, ich hatte Ben heute noch nicht geküsst, und noch waren wir nicht wieder zusammen. Aber trotzdem drehten sich meine Gedanken nur um ihn, als wäre das das selbstverständlichste der Welt. Der Tag bis jetzt war komisch, ich kannte hier niemanden außer Ben, ich hatte die meisten hier noch nie gesehen, und trotzdem fühlte ich mich wohl, wenn ich neben Ben stand.
Es fühlte sie an wie eine Ewigkeit, als ich auf mein Handy schaute, war es gerade mal halb zehn, wir hatten noch einen langen Abend vor uns. Wir saßen immer noch an unseren Plätzen, die Männer tranken ein Pils nach dem anderen und die Frauen meistens Hugo. Ich war die einzige Frau an unserem Tisch, die auch lieber zum Bier griff, als zum Süßzeug. Irgendwie passierte nichts, alle saßen auf ihren Plätzen und unterhielten sich, Ben und ich schauten uns gelangweilt an, gelegentlich unterhielten wir uns, ansonsten hörten wir den anderen zu. Allerdings träumte ich mehr vor mir her, als irgendwem zuzuhören. Ich fragte mich, wie dieser Abend ausgehen würde, und mit was für einem Gefühl ich nach Hause gehen würde.
Um kurz nach halb Zehn griff der Bräutigam dann zum Mikro. Er wartete solange, bis alles ruhig war, dann fing er an zu reden und schaute dabei seine Frau an, die überrascht am anderen Ende des Raums stand. ,,So meine Liebe, Julia, jetzt sind wir verheiratet. Du trägst jetzt meinen Nachnamen, das fühlt sich echt schön an." Ein lächeln legte sich auf seine Lippen, und ich musste zugeben, dass sich eine Gänsehaut auf meinen Körper legte. ,,Du kennst mich ja, ich bin der, der gerne feiert, und gelegentlich auch mal ein Bier zu viel trinkt, ich bin der, der manchmal faul ist und in der Öffentlichkeit nicht gerne redet. Aber so wie du mich kennst, kenn ich auch dich! Ich weiß, dass du gerne träumst, und dir wie jede Frau die perfekte Hochzeit wünscht, und die perfekte Ehe. Ich kann dir nicht versprechen, dass unsere Ehe perfekt wird, aber ich gebe mir Mühe." Der Saal lachte, Bens Familie auch, nur ich nicht. Ich hörte Christian aufmerksam zu und spürte plötzlich Bens Blick auf mir. ,,Du hast so viel für mich getan, ohne dich stände ich heute nicht hier und ich wüsste wahrscheinlich immer noch nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Aber jetzt weiß ich es, danke! Ich liebe dich. Aber jetzt komme ich erst auf den Punkt. Ich werde jetzt dir zu liebe ein Geheimnis verraten, dass nur du kennst, Julia. Nicht einmal meine Eltern wissen davon." Sein Blick fiel nun in die Menge, er hatte ein Grinsen auf dem Gesicht und einige seiner Kumpels jubelten ihm zu. ,,Also, meine Freunde, meine Familie, und alle anderen, die da sind. Ich werde euch jetzt etwas verraten. Ich bin Sänger, also ich singe, und ich glaube, ich kann das sogar gut." Plötzlich hielt Julia sich beide Hände vor den Mund, ich wusste nicht, was das zu bedueten hatte. ,,Wir wollen eine Kostprobe!" Rief jemand von einem Tisch am anderen Ende des Saals. Ohne lange zu zögern fuhr Christian fort. ,,Wie ihr wollt." Wie auf Kommando setzte die Musik ein. ,,It's amazing how you can speak right to my heart / without saying a word you can light up the dark / Try as I may I can never explain / What I hear when you don't say a thing." Ein Jubeln ertönte aus dem Saal und irgendeiner schwang ein Feuerzeug hin und her. Christians Stimme war gut, echt gut. Man merkte, dass Julia unvorbereitet war, und an den Tränen in ihren Augen konnte man vermuten, dass das Lied das Christian da sang, eines ihrer Lieblingslieder war. ,,The smile on your face let's me know that you need me / There's a truth in your eyes saying you'll never leave me / The touch of your hand says you'll catch me wherever I fall / You say it best, when you say nothing at all." Christian gab dem DJ das Mikro wieder und Julia kam ihm entgegen gelaufen, um ihn zu umarmen und zu küssen. Die Musik lief weiter und der DJ kündete den Hochzeitstanz an. So kitschig das auch klang, es war wunderschön und gehörte eben zu einer Hochzeit dazu. Wie verzauberte stand ich auf, wie alle andere Gäste, und stellte mich um den Kreis, in dem der Hochzeitstanz stattfand. Nach und nach gingen Familie und Freunde auch auf die Tanzfläche und tanzten zu Julias Lieblingslied.
Total verzauberte schaute ich der Situation zu und freute mich, dass es Hochzeiten gab. Plötzlich legte Ben einen Arm um meine Hüfte und zog mich auf die Tanzfläche. Ich wurde aus meiner Träumerei gerissen. ,,Ich kann nicht tanzen!" Jaulte ich, aber Ben dachte gar nicht daran mich wieder gehen zu lassen. Er stellte sich mit mir mitten ins Getummel und zog mich ganz nah an sich an. Mein Körper lag dicht an seinem, er positionierte meine Hand auf seine Schulter, legte seine Hände an meine Seite und nahm meine freie Hand in seine. Dann machte er einfach irgendwelche Schritte, die vermutlich Walzer oder sonst was darstellen sollte, und ich versuchte einfach zu folgen. Am Anfang war es schwer, aber je mehr ich mich an die Musik gewöhnte, desto besser klappte es. Nach einigen Liedern tanzen wir fast flüssig und es fing an mir Spaß zu machen. Ich achtete gar nicht mehr auf meine Füße, sondern nur noch auf Ben. Sein Geruch war mir plötzlich wieder so vertraut und seine Augen fingen wieder an zu leuchten. Ich hatte das Gefühl, dass wir über die Tanzfläche flogen. Als die Musik sich allerdings änderte, und alle nur noch einen schnelleren Tanz tanzten, schlug ich vor, eine rauchen zu gehen.
Wir verließen den Saal und setzten uns auf eine Mauer, die das Grundstück abzäunte, wo niemand uns sehen konnte. Ich setzte mich auf die Mauer, Ben lehnte an ihr, der Stoff seiner Jacke berührte mein Bein. Es war ein komisches Gefühl, neben ihm zu rauchen, zusammen mit ihm zu rauchen. Das kannte ich nicht, und eigentlich wollte ich es auch nicht kennenlernen. Wir schwiegen eine Weile. Aus der Ferne konnten wir die laute Musik von der Hochzeit hören. Ich lauschte dem Wind, es war schon dunkel und langsam wurde mir kalt. Aber die Zigarette beruhigte mich und ich fühlte mich besser. Ben war der erste, der Worte fand. ,,Was ist jetzt eigentlich mit uns?" Ich wollte da nicht drüber reden, ich wollte einfach wieder mit ihm zusammen sein und diesen ernsten Gesprächen aus dem Weg gehen. Das Leben war zu kurz um ernst zu sein, dennoch konnte dieses Gespräch Leben retten. ,,Ich vermisse dich." Sagte ich. Ganz schön mutig, in Gedanken lobte ich mich selber. ,,Melia, ich vermisse dich jede Sekunde. In der Schule, zuhause, ich habe dich immer vermisst, auch als wir zusammen... waren. Selbst da hab ich dich vermisst. Ich hab es vermisst, dich zu küssen, obwohl du neben mir saßt. Ich habe deinen Geruch vermisst, als ich nachts alleine im Bett lag, obwohl du vorher noch neben mir lagst und meine Bettdecke deinen Geruch trug. Selbst jetzt vermisse ich dich, ich wünschte du... du würdest mich küssen. Und zwar jetzt. Ich vermisse alles an dir. Deine Haare, deine Stimme, deine Haut, deine Augen, dein Lachen, deine Stimmungen, selbst deine kalten Hände." Seine Worte berührten mich auf eine Weise, auf die noch nie irgendetwas mich berührt hatte. Ich schaute ihn an, Tränen füllten meine Augen. In der Dunkelheit griff ich nach seiner Hand. Meine Zigarette war auf, ich zerdrückte sie an der Mauerwand und schmiss sie auf den Boden. ,,Ich will dich ja auch zurück. Aber, ich hab vorher noch eine Frage." ,,Schieß los." Seine Stimme war gelassen. ,,Wieso hast du das damals gesagt, in dieser Nacht? Wieso hast du mir das Gefühl gegen, dass ich ein Objekt bin?" Ich versuchte ruhig zu bleiben, ich wollte ihm keinen Vorwurf machen, obwohl das einer war. ,,Weil ich ein Junge bin, ich war ein Arschloch. Melia, ich schwöre ich würde es dir erklären, wenn ich es könnte. Aber ich kann es nicht. Ich weiß das hätte ich nicht sagen dürfen, selbst wenn du es nicht mitbekommen hättest. Ich weiß, dass du anders bist als die anderen Mädchen. Du bist nicht normal und genau das macht dich zu dem, was du bist. Genau das macht dich so besonders. Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aber nimmst du meine Entschuldigung an, wenn ich dir sagen, dass es mir Leid tut?" Seine Worte waren klar, und ich glaubte ihm sofort. Ich wusste nicht, ob ich ihm glaubte, weil ich das alles schnell hinter mir bringen wollte, oder ob ich ihm glaubte, weil er die Wahrheit sagte. Aber das spielte jetzt eh keine Rolle.
,,Entschuldigung angenommen." Ich grinste. Ben erwiderte mein Grinsen. ,,Willst du noch was dazu sagen?" Fragte er. Ich nickte. ,,Ja, ich ehm, ich will dich lieben, und ich will dich auch auf diese Art lieben, aber nicht jetzt, ich kann das jetzt noch nicht. Ich bin noch nicht so weit. Aber wenn ich so weit bin, möchte ich, dass du neben mir stehst." ,,Sowas kannst du gut." Sagte er. ,,Was? Nichts können?" ,,Nein, nein! Du kannst mich gut rumkriegen. Egal was du sagst, du sagst das richtige." Er griff nach meiner anderen Hand und ich musste grinsen. ,,Aber wie meinst du das mit dem nichts können?" ,,Ich kann gut nichts." Das verwirrte ihn. ,,Erläutere das bitte mal." ,,Naja, ich bin gut darin, nichts hinzukriegen, und ich kann gut nachts nicht schlafen, ich kann gut nicht mit Menschen reden und kriegs gut hin, mit nicht zu integrieren. Außerdem bin ich gut darin, nicht normal zu sein." Ben schüttelte den Kopf. ,,Und du bist gut darin, nicht die Wahrheit zu sagen." Verwundert schaute ich ihn an, jetzt drehte er den Spieß um. ,,Du bist verdammt gut darin, mich nicht zu ignorieren, aber du bist schlecht darin, mir nicht den Kopf zu verdrehen. Außerdem kannst du dich nicht gut einschätzen. Du denkst du kannst gut nichts tun? Das ist falsch. Du bist zwar schlecht darin, die Menschen nicht zu verzaubern, aber dafür bist du gut darin, nicht jemand anderes zu sein, sondern du selber." Jetzt war er der jenige, der mich verwirrte. Ich überlegte eine Weile, doch dann war mir das zu Blöd und ich fing laut an zu lachen. Ich lachte so lange, und so stark, dass mir der Bauch weh tat. ,,Du bist so schön, wenn du lachst." Lachte er, denn ich hatte ihn mit meinem Lachen angesteckt. Allerdings konnte ich nichts erwidern, da mir die Tränen in den Augen standen und ich nach Luft rangte.
Als ich versuchte, meinen Bauch zu entspannen, zog Ben mich von der Mauer und trug mich so, dass ich den Boden mit meinen Füßen nicht berühren konnte. ,,Lass das." Lachte ich. Ben ließ mich runter und wir standen uns Arm in Arm gegenüber. Sein Atem roch nach mir, nach Zigaretten. Er schob den Ärmel meiner Jacke etwas höher. Ich wusste welcher Arm das war und er wusste es auch. Aber das war okay. Er drehte ihn und sah die lange Narbe, die er noch nicht kannte. Dann drehte er ihn wieder um und zog die Jacke runter. Seine Hände umfassten mein Gesicht und er schaute mir in die Augen. ,,Du bist viel zu schön, um dir sowas zuzufügen." Ich legte meine Hände auf seinen Burstkorb. ,,Und du bist viel zu schön für Lungenkrebs." Er schaute weg, dann schaute er mich wieder an. In seinen Augen waren Tränen, trotzdem grinste er spielerisch. ,,Du rauchst doch selber." ,,Ja, aber ich bin doch schon ein Wrack, und du noch nicht." ,,Und jetzt?" Fragte er. ,,Ein bisschen wrackig bin ich auch schon." ,,Wrackig?" Lachte ich. Er nickte. ,,Willst du nicht aufhören?" Fragte ich. ,,Zu Rauchen?" Ich nickte. ,,Für dich?" Ich nickte wieder. ,,Nur wenn..." Er redete nicht zuende, denn er konnte nicht. Ohne Vorwarnung küsste ich ihn einfach. Zuerst vorsichtig, und dann Leidenschaftlich. Er zog mich näher an sich, meine Hände wanderten an seine Brust und seine schlangen sich um meine Hüfte. Jemanden aus Liebe zu küssen war das Schönste Gefühl, dass ich bis zu diesem Moment gefühlt hatte. Als wir uns voneinander lösten blieben unsere Gesichter ganz nah beieinander. ,,Nur wenn du dich nicht verletzt." Brachte er seinen Satz zuende. ,,Versprochen." Atmete ich leise. Dann küsste ich ihn wieder.